Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Grundzüge der Organisation und Aufgabe eines jüdischreligiösen Gemeinwesens
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 34 (sequence 3)
- Language
- German
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34 Jüdisches Temcindewcsen. der Gemeinde bevollmächtigt sein, oder von Fall zu Fall sich diese Ermächtigung cinholcn. Denn d i c V o rst ä n d e sind n u r Ma ch tträger der Gemeinde; und versiebt sicb'S ferner ans diesem Grunde von selbst, das? sic ebenso wenig wie die Gemeinde irgend gegen das RcligionSgcsetz nno diedarin gegebenen Fundamental st akuten verstoßend c Beschlüsse mit Gültigkeit fassen können. Eine Autorität, die der Machtgebcr nicht bat, kann selbstverstanden dem Machthaber nicht innewohne». Die einer jeden jüdischen Gemeinde atS solcher obliegende Aufgabe hat aber vorzüglich drei Objecte zum Inhalte: Thorali, Abodah und Gemiluth Chassadim d. i. Kenntniß der Religionslehre, gottesdienstliche Ansübung derselben und Uebung der brüderlichen Menschenliebe. a. Dborab. Die erste und höchste, weil alle anderen bedingende, Gemcindepflicht ist die Sorge für die m ö g l i ch st a l l g c m c i n c Verbreitung der Kenntnis! der Religionslebre auö den Religionsqncllen unter den Gliedern der Gemeinde. Denn die jüdischen Bekcnntuißschrificn sind keineswegs nur etwa zum Depositum eineö theologischen Gclchrtenstandcs bestimmt, der etwa daraus in dürftig abgezogenen Katechiomuösätzen dem Laicnvolke daS Brod des ewigen Lebens brechen sollte. Der erste Spruch, de» daS stammelnde Kind erlernt, lehrt cs schon, „daß die von Moses uns gebrachte Lehre nicht Eigcnkbum Eines Standes, sondern Erbgut der ganzen Jakobsgemeindc sei." Aus der bebräischen Bibel und den rabbinischen Schriften soll jeder Jude de» frischen Trunk des geistigen Lebens schöpfen lernen, zu ibnen wird der Knabe geführt, in ihnen soll der Jüngling reifen, aus ihnen soll der Mann Licht und Kraft und Muth zum Wirken schöpfen, sic sollen den Greis besecligi in'ö Jenseits hinüber leuchten. Anstalten zur Pflege dieses einzigen jüdischen Gemeinguts für jedes Alter sind daber die erste und höchste Pflicht jeder jüdischen Gemeinde und die Lchrbäuser der Thora sind die heiligsten Räume im jüdischen Kreise, heiliger als die Stätten des Gebets, die Synagogen. Jugendschulen, Lchrhäuser, Lehrer und Rabbiner sind die Objecte des jüdischen Gemeinwesens, die aus diesem Titel hervorgehen.