Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Jüdisches Gemeindewesen
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 30 (sequence 5)
- Language
- German
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Jüdische« P'rnidntm'cfcn. r,o v.«b tunüt die Wirklichkeit seiner Gemeinde zu vergleichen, in keiner so dringend von Nöthen, in jeder jüdischen SPtuft das Bewußtsein seiner Rechte und Pflichte» als Glied der jüdischrcligivscn Gemeinde wachznrufen, als eben in der beutige» Zeit. Jahrhunderte beratwar nur die politische Stellung der Juden ein Gegenstand, fremden, oft feindseligen Einwirkens von außen; allein in der inner» religiösen Entwickelung der Gemeinden kennten sich dic cigentl-ümlich gegebenen religionsgcsetzlichcn Kommunalprinzipien frei in Gestaltung und Beseelung des GemeindclebenS bewegen, und bei der Einbcit der religiösen Ucberzeugungcn fand von selbst ein Jeder in dem, was das religiöse Gemeinwesen ibm leistete, in dem, waS es von ibm forderte, nichts anderes, als Befriedigung seines Rechts und Erfüllung seiner Pflicht. Rur über das Maas; des Einen und Andern konnte dic Differen, sich erbeben, und nur Personen, nie die Sache, konnten Gegenstand der Reibung werden. Seit dem Anbeginn der Neuzeit haben sich jedow Einflüsse in Gestaltung des jüdischrcligiöse» Gemcindewesens geltend gemacht, die, oft in bester Absicht, aus bloßer Nnkunte, Prinzipien auf jüdischen Boden verpflanzten, deren Berechtigung aus jüdischem Boden nocb mindcstens erst der ernsten Erwägung bedürften. Aeusiere Acbnlicbkcit mit Institutionen nichtjüdischer kirchlicher Kreise liest bewußt und unbewußt, oft zuerst bloße Namen auf jüdisch religiöse Personen »nd Anstalten übertragen, die doch innerlich ein ganz Verschiedenes bedeuteten, nun aber wiederum bald bewußt, bald unbewußt, sich uach und nach i» das Wesen, die Bedeutung und Berechtigung derjenigen Verhältnisse hincinlebten, welche mit diesen Namen in andern Kreisen ibrc berechtigte Bezeichnung fanden. Spielend gab man dic Namen, und zog mit Ernst hinterdrein aus dem Namen dic Eonsequenz. Fast ein halbes Jahrhundert haben nunmehr diese äußern Einflüsse größtcntheils unbehindert ihre Macht über die Gestaltung des jüdischen GemeindclebenS geübt. ES dürfte wohl nicht zu frühzeitig sein, eiitmal dic Bilance zu ziehen, sich einmal das Facit dieses fast fünfzigjährigen WaltenS zu vergegenwärtigen, und auf jüdischer Wage die religiösen Früchte der jüdischen Neuzeit zu wägen. Dazu kommt die bcklagenSwerthc Zerklüftung der religiösen Ansichten und Ueberzeugungen. Es gibt ja kaum noch Einen Kreis, in welchem dic Einen nicht das als Thorheit belächeln, was den