Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Jüdisches Gemeindewesen
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 29 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Gcmcindcwcsen. 29 auch dann hast du das Deinige noch nicht voll gelöst, so lange du dir nicht die Uebcrzeugung verschafft, diese Blüthe sei keine zufällige, sei nur vielmehr die erfreuliche Frucht der ganzen Gemeindeeinrichtuttg, die eben den Verfall nicht duldet, auf daß du auch ruhig dein Haupt nicderlegen kannst, und weißt es, uutcideinen Kindern werde fortblühen, was du in Blütbe begrüßest, und wenn die Männer, die jetzt die Angelegenbeiten deiner Gemeinde leiten, abtreten, werden nur gleiche andere Männer die Leitung aus ihren Händen über- "nehmen können; so lange du dir Das nicht sagen kannst, so lange hast du wiederum deine jüdische Pflicht nicht erfüllt. „Wie Einer über seinen Groschen wacht, das; der-ihm nicht verloren gebe, so mabnt dasselbe Wort der Rabbinen im Sifri, „so hat Jeder auch über die Tborab zu wachen, daß sie ihm nicht schwinde", und wie du wöchentlich, monatlich, jährlich die Bilanee deines Vermögens ziehest, also bast du cutcft fortwährend den Stand des jüdischen Heiligtbums in deinem Kreise zu beachten und nimmer zu ruhen, so lange dir dort Besorgnis; keimt. Dil bist erst Jude und dann Geschäftsmann geworden. Zum Juden bat dein Gott dich berufen, den Geschäftsberuf hast du dir selber gewählt, und der Jude, dem das Bewußtsein seiner großen Aufgabe klar innewohnt, betrachtet seinen Gcschäftsberuf selbst nur als einen Tbeil seiner großen jüdischen Pflicht, ja nur als Mittel um die heilige Aufgabe seiner jüdischen Bestimmung zu lösen. Gebet ihm diese verloren, was haben jene noch für einen Werth? Darum, glauben wir, könne die Kunde von den Zuständen der verschiedenen jüdisch religiösen Gemeinwesen als ein nicht geringer Hebel zum allgemeinen Besserwerden dienen. Sind ja die Bedingungen zum Guten und Bösen heutigen Tages überall vorhanden; nur im Mehr oder Minder scheiden sich die Kreise. So schlecht, wie eS in deiner Nachbargemeine stehet, kann eö auch in der Deinigen werden. Das Gute, das man in deiner Nachbargemeine erreicht, kann auch in der Deinigen erstrebt werden. Die Ursachen des Verfalls in der Einen zu ergründen, die Ursachen der Blüthe in der Andern zu erfahren, kann nur zum Heile für Alle gereichen. Zn keiner Zeit aber also, wie in der unsrigen, war es so Pflicht eines jeden Juden, sich über das Wesen und die eigentliche Ausgabe eines jeden jüdischreligiösen Gemeinwesens klar zu machen,