Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Jüdisches Gemeindewesen
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 31 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdischc- Gmikindkwesen. 31 Andern als heiligste unverbrüchlichste Gottespflicht dastehet, und wo Diese das nicht als traurigsten Verfall bejammern müssen, was Jene als herrlichen Fortschritt mit Jubel begrüßen! Was bedeutet der äußere Schein religiöser Gemeinschaft, wo das innere Band religiöser Einheit fehlt! Vor Allein aber, wo soll der gesetzestreue Jude sich anklainmeru, wo soll er bin mit der religiösen Erziehung seiner Kinder, mit der religiösen Führung seines Hauses, mit der Erfüllung seiner religiösen Pflichte», wenn nun die Mehrzahl seiner Gemcindebrüdce, oder wenn auch nur Vorstand »iid Rabbiner einem Keifte huldige», den er in seiner religiöse» Gcsetzcstreue als de» Feind seines religiösen HciligthumS verwerfen muß, ste aber in diesem Keifte alle die Anstalten leiten, deren er zur religiösen Erziehung seiner Kinder, zur religiösen Führung seines Hauses, zur Erfüllung seiner religiöse» Pflichten unabweisbar bedarf? Es muß einen Weg geben, der selbst dem letzten, vereinzeltsten Bettler in einer dem väterlichen ReligionSgrsetz untren werdenden Gemeinde, die gewissenhafte Erbaltung seiner jüdischen KesctzcStrcne sichert, oder eö wird auf diesem Gebiete eine Tyrannei und ein Gewissenszwang geübt, die einst mit jäbcrn Schrei, alle die Hymnen übertöne» werden, mit denen sich die jüdischen Söbne deS modernen Jahrhunderts der Gewissensfreiheit und der Humanität zu verherrlichen versuchen möge». Diese und damit verwandte Betrachtungen lassen uns die Besprechungen auS deni heutige» jüdischen Gcmcindelcbcn in einem Ernste erscheinen, der weit die Bedeutung einer bloßen Unterhaltung überragt, und glauben wir u»S in der Annahme nicht zu irren, daß diese und ähnliche Fragen sich bereits in der Wirklichkeit der Gegenwart so gebieterisch an den Tag drängen, daß wir auch bei unfern Lesen den Ernst eines gleichen Interesses voraussctzcn dürfen. Zur Oricntirung auf diesem Gebiete lassen wir eine kürze Skizze vorangchen, die, in wenigen Züge» aus den heimischen jüdischen Quellen die Organisation und die Aufgabe einer jüdilchen ReligionSgemeinde darzustellen versucht, um daran sodann die Wirklichkeit jüdischer Religionsgemetnden in ihrer gegenwärtigen Erscheinung prüfend zu würdigen.