Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Jüdisches Gemeindewesen
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 28 (sequence 3)
- Language
- German
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28 Jüdische- Gcmeindewcsen. Es besteht aber daS jndiscke Gemeinwesen nicht in seinen Repräsentanten. Nicht Verstand und Ausschuß, nicht Rabbiner und Prediger machen die Gemeinde. „Li im schamor thischincn'm, Zbr, Ihr muffet Eucb alö Wäcbter um die Tliorali schaaren", ruft daS Wort der Rabbincn im 8,tri, dein Volke, den „Laien", wie die „theologische" Neuzeit vorncbm spricht, ruft daS Wort der Rabbinen dem Volke, den Laien zu. „Sprechet nicht: dafür haben wir Arlteste, dafür „baden wir Notabel», dafür haben nur Propheten! Ihr, Zhr habet „für die Tborah zu wachen. Die Thorah die und Moses gebracht, „ist daS Erbgut der Gemeine Israels. Alle, Alle stehet Zhr vor „dem Herrn eurem Gotte, kol isch Israel, die Gesammthcit der „jüdischen Männer, auch der Holzhauer, auch der Wasscrschopfer! „So sie nicht Alle cinständcn für die Erhaltung der Thorah, ginge „die Thorah zu Grunde!" Mit Nichten hat daher der einzelne jüdische Mann mit dem Beitrag, den er in die Kasse der Gc:::cindc spendet und mit dem Wahlzettel, den er in die Urne wirft, stch bereits seiner Gemeinde- Pflicht entledigt. Wenn die Männer deiner Wahl nicht das religiöse Heil deiner Gemeinde fordern, wenn der Groschen, den du der Gemeindckassc übcrgiebst, nicht zum religiösen Heile deiner Gemeinde verwendet wird, wenn trotz Vorstand und AnSschust, trotz Rabbiner und Prediger daS religiöse Heil in deiner Gemeinde nicht blühet, siche, so hast du daS Deinigc nimmer gethau, so lange du dir nicht klar gemacht, warum cs in deiner Gemeinde nicht gut um das jüdische Hciligthum stehe, und so lange du nicht alle deine Kräfte aufgcbotcn, auf das; cS besser werde. Siche, dort oben im Himmel kennt man keine „Laien" und „Geistliche". „Jude und Züdinn", eine ganze „pricstcrliche Gemeine" kennt man, die Alle für das Gedeihen des anvcrtrautcn HciljgthumS Rechenschaft abznlcgcn haben und diese ihre große Verantwortung keiner andern Schulter übertragen können. Ja, selbst wenn du dir mit Freuden die Blüthc dcS jüdischen HciligthumS in deinem Kreise zu gestehen, dir mit Beruhigung zu sagen vermöchtest, die Männer, denen du deines Thcils die Pflege des HciligthumS anvcrtraut, erfüllen ihre Pflicht, cs blühet die Schule, cs blühet das Gotteshaus, es blühen die Anstalten Alle, die daS jüdischrcligiösc Leben von der Gemeinde zu erwarten hat —