Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Jüdisches Gemeindewesen
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 27 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932807-2932809-2937902--00044-2937953- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdisches Gcmeindcwescn. 27 die überhaupt grnndrechtlich die Enstenz eines jeden jüdischreligiösen Gemeinwesens bedingen, die man nicht verlassen kann, ohne das Ziel zu gefährden, für welches jüdischreligtösc Gemeinwesen zu bestehen haben, die man nicht verlassen kann, ohne zugleich dem jüdisch religiösen Gemeindewesen den ganzen Boden der Berechtigung zu rauben, und die daher den ewigen Maßstab zur Beurtheilung eines jeden wirklich vorhandenen jüdischen Gemeinwesens' bilden. Wob! fällt mit der Vernichtung des jüdischen Gemeindelebens nicht auch die Lösung der jüdischen Aufgabe für den Einzelnen der Vernichtung anl eim. Es kann-auch der vereinzeltste Jude Jude sein obne Gemeinde, ohne Svnagoge, ohne Rabbiner. An Meeresstrand, auf Haiden, in Gebirgen findet der Wanderer vereinsamte jüdische Familien, in denen stch oft in lebenswarmer Frische das Judenthum Generationen herab vererbt hat, und in dieser erhaltenden Beseligung des Einzelnen seine göttliche Wunderkraft bewahrt. Dazu hat Gott es ausgestattet mit dem reichen Schatz seiner Mizwoth — bikdsch Tsackotk cth Iisrael — die den Niedrigsten erheben, den Aermsten bereichern, den Verlassensten mit Gott verbünden, und ihm seine Hütte zum Tempel, seinen Tisch zum Altäre, sein Brod zum Opfer, sein ganzes Leben zu einem heiligen Priesterleben weihen — in welchem er, wenn es sein muß, der Gemeinschaft mit Brüdern und „Priestern" entbehren kann. Allein die höchste Vollendung findet das Zudenthum doch erst im Gemeindeleben und durch das Gemeiudeleben, in jüdischem Gesamnubcitskrcise will der Allheilige seine Heiligung finden — W’nikdaschti b’thoch b’nc Iisrael - und daß es die Jakobs Gemeine, K’hillath Jaakob, ist, aus deren Händen es die Thorab empfängt, lernt das jüdische Kind im ersten Bekenntnißspruche stammeln. Niä>t dem Einzelnen, dem Schwachen, Vergänglichen, der Gesammtheit, der Starken, Ewigen, hat Gott das Buch und das Wort seines heiligen Willens übergeben und in tausendjähriger, opferwilliger Hingebung steht die jüdische Gesammtheit als Zeuge und Träger dieses Buches und dieses Wortes da, und wo immer nur zehn Juden sich zusammen finden, da tragen sie in stch die Botschaft der jüdischen Gesammtheit und haben in ihrem verjüngten Kreise die Gesammtaufgabc zu lösen.