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Jeschurun · 1854-10-01 · Heft 1 (Oktober 1854) · p. Seite 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
1 (1854-1855)
Issue
Heft 1 (Oktober 1854)
Article
Der Jude und seine Zeit
Date
1854-10-01
Page
Seite 22 (sequence 9)
Language
German
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22 Dcr Jude und seine Zeit. .1 c>n welkem die gottvergessenen Gräuel gcwüthet, „groß und heilig und herrlich der Name Gottes glänzen, und sein Reich walten werde von Erdenend zu Erdenende." Und wie sollten sie nicht! Das Wanderbuck, mit welchem Gott sie für ihre Wanderschaft gerüstet, hatte ihnen ja das Rätbsel der Geschichte gelöst. All den Anfang der Völkergeschichte hatte Gott sie bingestellt ulld ihnen über die nächtlichsten Zeiteil binans die herrlichste Endentwickelung der Völkergeschichte enthüllt. Hatte Gott sie seineil erstgeborenen Sobn genannt, weil sie unter alleil verlornen Gottessöhnen zuerst sich wieder zu ibm gefunden, so wußten sie eben damit, daß alle ibrc Brndermenschen eillst Nachfolgen werden an'S Vaterberz. Hatte Gott sie seine Priester genannt, so wußten sic ja, daß eben die Gcsammtmcnschbeit sein Polt sein nlüsse, für das sie pricsterlich sein ewiges Wort des Menschheitbeiles durchzutragen hätten. Und selbst indem Gott zu ihnen sprach: „ich habe Euch aus den Völkern gesondert," traten ihre Rabbinen an sie hinan und warnten: vcrgeßt's md't!?iicH Ku (Mett die P ö l- Cer von E u ch gesondert, wie der, cer das schlechte ans dem Guten liest und wegwirft, dann wären ne en ig verworfen; sondern Euch sonderte Gott aus den Poltern, wie der, der das Gute von d e m S ck> l c ch t e n l i e s r, u u c* i m m e v lv i ed c r kehrt und wieder l i e s e l, und dao P e s s e r e i m m e r w i eder und wie o er zum Guten füget. Ein solches Läutern und Lesen und Sammeln aller bessern Keime zu Gott war ibnen jeder ernste und jeder heitere Pendelschlag der Weltenuhr, und alle Lieder ihrer Sänger und alle Worte ihrer Propheten enthüllen nichts, als diese Gange Gones in der Weltgeschichte, besingen nichts als jenen lichten Morgen, der für alle Menschheit einst am Völkerhimmel lagen wird, und dessen verkündende Beten eben sie, die Inden, sein und bleiben sollen. So trägt gerade dcr isol irreste Jude die universellsten Gedanken und Gesinnungen in der Brust. Mit heiterem Blicke wandert er durch Länder und Zeiten uno begrüßet freudig jede Form irnd jede Gestaltnng auf Erden, in welchen, wo und wie immer er in nichtjüdischen Kreisen die Keime des Reingöttlichen, die Keime des Menschenwürdigen, das reine Bewußtsein von Gott- und der göttlichen Bestimmung des Menschen

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