Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 1 (1854-1855)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1854)
- Article
- Der Jude und seine Zeit
- Date
- 1854-10-01
- Page
- Seite 16 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Der Jude und seine Zeit. CIA dringlicher warnten und mahnten, ordneten und regelten, daß in der Unterjochung und Zerstreuung keine Faser vom väterlichen Heiligthum verloren gebe? War das Judentbum zeitgemäß, für welches darauf .Jahrhunderte herab unsere Väter in allen Ländern, allen Zeiten, den schmählichsten Druck, den böbnendsten Spotr, und taulendfälligen Tod und Verfolgung erlitten? War je in allen dielen Jahrtausenden das Judentbum zeitgemäß, entsprach es je den Ansichten der herrschenden Zeitgenossen, war es je nicht der Mißdeutung und Verkennung ausgesetzt, war es je bequem und leicht Jude und Jüdin zu sein? und es wäre die Aufgabe des Iudenthums, jederzeit zeitgemäß zu sein?! Was wäre auch aus dem Judentbum geworden, wenn unsere Väter es hätten als ihre Aufgabe betrachten dürfen, ihr Judentbum jederzeit zeitgemäß, d. b. den in ihrer Umgebung zeitlich herrschenden Ansichten und Verhältnissen gemäß zu gestalten, wenn sie in Egypten die Weisheit meroifcher Priester, unter Babyloniern die Mysterien der Mylitta, unter Persern die Magie des Zoroaster, unter Grieche;: die Eleusinischen Geheimnisse, oder die Volkslehre des Olymps, oder die jeweilig beliebtesten Systeme der Philosophen, in Alexandrien, in Rom, den Extrakt aller möglichen Glauben und Ansichten, unter den Galliern die Druidenweisheit, im Mittelalter Klöster und Mönche zum reformirenden Maßstahe ihres Judenthumes genommen hätten, wenn sie noch heute, dem Gebote dieser modernen Lehre gemäß, in allen Zonen, allen Ländern, um sich den jeweiligen Ansichten und Sitten ihrer Landesgenossen anzuschmiegen, ihr Judentbum überall demgemäß reformirten, — um Gottes Willen, welch ein Ungeheuer wäre dann, was dann als Judentbum passirte! Wechseln doch die Ansichten, die Sitten, die Bedürfnisse, von Land zu Land, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, und wo ist noch eine Religion, die also bestimmt war durch alle Länder, alle Zeiten zu wandern, wie das Judenthum, — und wir sollten eö überall zeitgemäß gestalten? Aber vor Allem, was wäre das für ein Judentbum, wenn wir eö zeitgemäß gestalten dürften! Dürfte der Jude sich jeweilig sein Judenthum zeitgemäß gestalten, wahrhaftig, dann brauchte eres überall nicht mehr, dann verlohnte eö sich überall nicht mehr der