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Jeschurun · 1887-12-29 · Heft 52 (29.12.1887) · p. 818

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 52 (29.12.1887)
Article
Eine volksthümliche Geschichte der Juden
Date
1887-12-29
Page
818 (sequence 2)
Language
German
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818 bildet, dessen Auge durch seine Geschichte und seinen weiten Gesichtskreis einen geschärften Blick für daS Anßcrordcmliche uub Wunderbare erlangte." Aus die Absurdität und die inneren Widersprüche dieses Latzes kommen wir noch zurück, für jetzt wollen wir nur konstaliren, welche Thcilc der Thora gestrichen werden müssen, um zu obiger Behauptung zu gelangen. Geleugnet wird damit die Authentizität der Schöpfungsgeschichte, die den Gott der Natur auch sofort als Schöpfer, Gesetzgeber und Züchter des Menscheu ei kennen lehrt, geleugnet dre Geschichte von bei Snndflnth, von der infolge der wiederum drohenden Entartung der Menschen verhängten Zerstreuung deS Menschengeschlechtes über die Erde und deren Folgen, — denn in allen Diesen offenbart sich der Gott der ״starren Natur" unmittelbar auch als Richter und Gestalter der Mcnschcugeschicke. Geleugnet wird ferner die Geschichte der Ahnen und die Authcnzität alles Dessen, was uns in der Thora von den großen Gottcö׳ offenbarnngen in Aegypten und in der vierzigjährigen Wnstenwanderung berichtet wird. Denn ein Volk, welches in Aegypten daS an Pharao gerichtete Gottes׳ wort vernommen hat: ״Du sollst erkennen, daß ich Gott inmittcu der Erde walte" und Zeuge war aller der die Natur lenkenden und sic zum Zwecke der Vclehrnug und Erziehung. Rettung und Bestrafung zeitweise umgcstaltcnden Eingriffe GotteS, ein Volk, dein der öde Wasserspiegel des lobten MecreS die Worte des achtzehnten und neunzehnten Kapitels der Genesis mit furchtbarer Deutlichkeit in die Erinnerung rief: dieses Volk brauchte nicht erst die hohen Berge Palästinas zu besteigen und bedurfte nicht, erst der durchsichtigen ״wie künstlich znsammengcsttzte Ferngläser wirkenden (Seite l3), um einen ״weiten Gesichtskreis" zu erlangen und Gott in der Geschichte zu erkennen. Diese Erkennt n iß brachte cö schon mit ins Land. Um zu ihr zu gelangen, bedurfte cS ohnehin im Gegensätze zu der Behauptung deS Verfassers, auch keines ״gcschärften Blickes für das Außerordentliche und Wunden bare." Sic ward ihm vielmehr nach der Thora 1m< mittelbar durch GotlcS Worte und durch Wundercrlcbnissc von so überwältigender Wucht, daß sie auch dem stumpfsten Sinne diese Uebcrzcngung auszwangen, gerade damit cö fortan, nach seinem Eintritte in daS Land und irr normale Verhältnisse, vielmehr deS ״Außerordentlichen" und ״Wunderbaren" nicht mehr bedürfen sollte, um Gott in der Geschichte zu erkennen. *) Bon Alechls wegen müßte der Here Professor eigentlich den Weisen die von אוירא דארץ ישראל מהכיס sprechen, eine., .flute Note wegen aus11al,1nrwcisc an den Tag gelegten kritischen Bliäcs mrrtcnncn. Mein dann müßte er ihnen auch die Priorität dieser ״ans Autopsie" bernhenden kostbaren (?nldecknng zugesteha! Doch um nachzuweisen, was dieser Geschichte die Thora ist und wie sie von den Thatossenbartingen GotLeS als noch jetzt frei über die Natur und die von ihm gesetzten Ordnungen gcbictcudcn'Hcrrn und Meisters nur stets mit stillem Vorbehalt und in'höchst׳ uneigentlichem Sinuc sprich(, -darüber wird nnS ein׳ viel direkterer Ausschluß, ohne daß wir noch weilcv nöthig hätten, die den Behauptungen und Aussprüchen des Verfassers zu Gründe liegenden unausgesprochenen VoranSsctznngen hervorznkehren und klar zu stellen. Seite 25 wird ur.S nämlich mit dürren Worten mitgetheilt, daß zu SaninclS Zeit in dem ״von Mose stammenden Gcsctzbüche" noch nichts, oder'nur wenig von Opfern enthalten war!! Also von den 27 Kapiteln deS dritten Buch Moses, von welchen nicht weniger als 18 ausschließlich und außerdem ztvci thcilwcise von Opfern handeln, wären nicht weniger als zwanzig und ebenso alle die anderen Stellen, die in den andern Büchern der Thora von Opftrn handeln, ganz oder fast ganz gefälscht! Nicht nur nicht Thora GottcS, sondern nicht einmal mehr Thora Moschc's! WaS bleibt überhaupt noch für den Bersasser von der Thora übrig? Schon nach dem, was sich unS bis jetzt ergeben hat, besitzt auch daS erste und der geschichtliche Thcil deS zweiten, sowie deS vierten Buches für ihn keine Authentizität. Bon dem vierten aber bleiben nach Abzug deS geschichtlichen Thcilcs fast nichts als einige wenige Partien übrig, die noch dazu unglücklicherweise stark mit Opfern durchsetzt und demgemäß von mindestens höchst zweifelhastcr Authentizität sind. DaS fünfte Buch aber ifi, wie Verfasser anderwcitig auöführt, von einem ganz andern ״Verfasser", der jedenfalls viele hundert Jahve später gelebt hat — waS also bleibt voit der Thora übrig?? Wir haben nnS der äußerst nnerq.iickticheu Arbeit unterzogen und unS in dem großen! GeschichtSwcrke nach Schcingriindcn nmgesehen, die man ja auch bei den traurigsten Irrlehren und ungehenerlichsten grundlosesten Behauptungen zu erwarten berechtigt ist. VergebenS. .Nichts a!6 das Spiel-.bodcn- - und schranken-/ losester Willkür. Doch wir brechen für heute ab. Wir haben Dem einen besonderen Artikel zu widmen. Einen Gedanken jedoch vermögen wir nicht zu bannen, den lies traurigen Gedanken au die vielen, vielen jüdischen Jünglinge und an die vielen jüdischen. Familien,, in deren ahnungSlossn Kreis diese Geschichte, mit dem, waS sie sagt und wie sie cS sagt, und mit. dem. was sic verschweigt, jeden Keim achter jüdischer Gottesfurcht ersticken und den letzten Funken achter jüdischer GcsctzcStreue uiiSlöschen. wird. ..Sie geht, um so sicherer, je vorsichtiger sie anstritt, sie ist um so gefährlicher, je uumerklicher sie daS Vertrauen er-, schlittert und je mehr sie cS versteht, die hehren Ge-

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