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Jeschurun · 1887-12-22 · Heft 51 (22.12.1887) · p. 802

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 51 (22.12.1887)
Article
Eine volksthümliche Geschichte der Juden
Date
1887-12-22
Page
802 (sequence 2)
Language
German
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einer Darstellung nicht zugesprochen werden, die auf Seile 1 Erlebnisse als nur vermeintlich wunderbar bezeichnet, von denen sie auf Seite 3 als von schlechthin ״wunderbaren" spricht! Und dies in demselben Athem, in weichem sie diese Ereignisse thatsächuch ihres WundercharakterS entkleidet! Wie soll man eS denn bezeichneu, wenn die Erlösung auS Aegypten in folgender Weise erzählt wird: ..Moses und Ahron hatten vergebend von einem der Pharaonen die Freiheit für ihre StammeSgen offen zur Auswanderung verlangt — (von einem göttlichen Aufträge ist nicht die Nede). Erst als mehrere schwere Plagen hinter einander Land und Leute getroffen hatten (von einer göttlichen Fügung keine Silbe), war einer der Pharaonen gezwungen, ihnen diese Erlaubniß zu crtheilen" — und cs dann weiter heißt: ״Zu diesem wunderbaren Ereignisse waren noch andere hinzu gekommen" — Ist das nicht ein unwürdiges Spiel mit Worten? Scheinen dieselben nicht geradezu gebraucht zu werden, um den Gedanken zil verhüllen? Welcher wirklich denkbare Gedanke eigentlich verhüllt werden soll, ist übrigens ganz unerfindlich. Moses verlangt, nach der Darstellung: aus eigener Initiative die Freiheit von Pharao, zunächst! umsonst. Da treffen schwere Plagen Land und Leute — waren dieselben ein Zufall? War eS wirklich ein zufälliges Zusammentreffen, und standen sic in keinem kausalen Zusammenhänge mit MoscS' Forderung, dann kaut! ja nicht eigentlich gesagt werden, daß Pharao ״gezwungen war". Ist cs aber, das fragen wir mit aller Eutschiedenhe'it, überhaupt auch nur möglich, an einen solchen Znjall im Ernste auch nur zu denken? Standen aber die Plagen sichtlich im Znst,mmenhange mit der Forderung Moses', so kann ein solcher nur ^vlirch 'ein unmittelbares Einschreiten Gottes bewirkt worden sein. Dann aber wäre der Verfasser nicht berechtigt, ans Seite l ein solches Erlebniß als nur in ״ihren Augen" wunderbar zu bezeichnen. Ohnehin wird ferner ein Eiugveiscu GotteS von dieser Geschichte perhoreszirt, die auch MvseS nicht von Gott gesandt werden läßt, sondern Seite 2 von ihm und Ahron nur wc׳ß, daß sie ,,in der Tiefe ihres Herzens die angestammte GotteSerkenntniß bewahrt hotten und als lebendige Zeugen derselben hcrvorleuchtetcn." Also MoseS' GottcSerkenntniß nur ״angestammt" — Alles, was von der Erscheinung und dem Worte Gottes an MoscS in der Thora berichtet wird, ist also von dem kritischen Rothstift gestrichen, was wiederum nicht hindert, daß in dem nächsten Sähe MoseS als — ״GotteSmann" bezeichnet wird. Wie gesagt, eS ist ein so empörendes Spiel mit Worten, das hier getrieben wird, daß diese Geschichte sichtlich auf einen ganz unglaublichen Grad von Gedankenlosigkeit, ja bei dem von ihr ins Auge gefaßten Publikum von israelitischen Lehrern und Familien rechnen muß, um wagen zu können, ihnen׳ Derartiges zu bieten. - -׳o' Denn wie könnte sonst der Verfasser einen- Satz leisten, wie B. den folgenden:; ׳ ״Mose, der Gottcsmann, dev erste und größte der Propheten, war ein BolkSerzieher ohne Gleichen, der, auch nur als Gesetzgeber betrachtet, alle späteren überstrahlte, und der zu allen Bor« trefftichkciten seines Wesens auch Bescheidenheit und Sauftmuth hiuznfügte." Eine wahre Perle von einem Satze, in welchem alle Vorzüge dieses GeschichtswerkeS im hellsten Lichte strahlen. Gestatten wir nnS zunächst die bescheidene Frage an den Herrn Professor, was er denn eigentlich von der ״Sauftmuth" unseres großen Mannes MoseS weiß? Bescheidenheit? Gewiß, jür uus einfältige Orthodoxe bezeugt sie ja kein Geringerer als Gott selbst. Aber Sauftmuth? Die Thora berichtet uns ja überhaupt von MoscS nicht allzu viele Charakterzüge. Charakterzüge können sich ja nur in dem äußern, was er auS eigener Initiative that; in demjenigen aber, waS wir in dieser Beziehung von ihm wissen, kommt gerade Sauftmuth nicht zum Ausdruck, vielmehr spricht sich darin nur der Ernst anS, , ber ihn in der Anssührung seiner göttlichen Sendung beseelte. Daß er den mizrischen Mann nicderschlug, der seinen ״ibrischen" Bruder mißhandelte, war eine herrliche That, aber Sauftmuth verriet!) sie eigentlich nicht. Daß er die Gesetzestafeln am Fuße des GotteSbcrges im Anblick deS so lief gesunkenen Volkes niederschmetterte, war eine That, die Gott nachher billigte —: allein Sanstmuth verriet!) sie eigentlich auch nicht. Daß er die Trcngcbliebcnen sodann aufries zu.rückuchtSloscm schärfsten Einschreiten gegen die Abgefallenen, war eine Großthat, war geradezu eine rettende That — jedoch große Sanstmuth venicth eigentlich auch sie nicht. Sein: Höret doch, ihr Widerspenstigen! war gewiß tief berechtigt, allein als Beleg für seine Sanftmnth eignet auch es sich nicht. Daß er für sein Volk, das von Vernichtung bedroht, für seine Schwester, die von AuSsatz,bctroffen war, betete, wird doch wohl nicht als besondere Sanftlunth rubrizirt werden sollen. Also'?? Wir haben absichtlich ein ganz harmloses Beispiel heransgchoben, wo die schöpferische Fantasie, deren Stempel diesem GcschichtSweike überall lies ausgeprägt ist. einmal absichtslos und harmlos waltet. In der Regel kann man leider weder das eine noch daS andere Prädikat ihr znbilligcn, da namentlich bei Allem, was die Authentizität der heiligen Schriften, bei Allem, was Lhalsachcn und Pcrlönlichkciten betrifft, die in Be״ Ziehung zu dem göttlichen Charakter des Gesetzes bezw. der göttlichen Sendung der Propheten stehen, vielmehr uugenirteste tendenziöse Entstellung und willkürlichste

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