Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1887)
- Article
- Eine volksthümliche Geschichte der Juden
- Date
- 1887-12-22
- Page
- 803 (sequence 3)
- Language
- German
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Streichung und Abänderung der biblischen Quellentc$te die Signatur dieser Geschichte bilden. Doch nun zurück zu dem übrigen Inhalt unseres Satzes. . Für den oberflächlichen Blick scheint unser großer Lehrer und Führer vom Herrn Professor ja mit aller gebührenden Ehrfurcht behandelt zu werden. ״Gottesmann", ״erster und größter aller Propheten", ״Bolkscrzicher", ״alle späteren überstrahlender Gesetzgcber"! ״Alle Lortrcfflichleitcu seines Wesens!" — Sckön, sehr schön. Nur schade, daß bei näherer Betrachtuug cS sich herausstellt, daß je eines dieser schönen Worte die faktische Berueiliung des andern ist, und daß die scheinbare Bei hcrrlichnng vielmehr in Wirklichkeil den Größten aller Meuschcn in das zweideutige Halbdunkel jener RcligiouSstifter verweist, die die Ausgebürten ihres eigenen Inneren als Eingebungen Gottes den gläubigen Stammesgenossen, nörhigensalls mit Feuer und Schwert, mundgerecht zu machen wußten. MoscS war also ״Gottcsmann" und ״Gesetzgcber"'? ״GotleSmann" kann doch nur heißen, er war von Gott geschickt, was er im Namen Gottes sprach, war in Wiiklichlcit- GoltcS Wort, was er im Flamen GotteS that, war Gottes Thal, was er im Namen GoltcS anordncle, bestimmte und als Gesetz verkündete, war in Wirklichkeit Gottes Anordnung, Bestimmung und Gesetz. Dann aber verschwindet der Gesetzgeber MoscS spurlos. Fast ebenso spurlos auch der VolkSerzieher MoscS; denn in Wirklichfeit waren ja alle Erlebnisse der vierzigjährigen Wüsten- Wanderung eine ununterbrochene Kette unmittelbarer göttlicher Erzichnngsthatcn. In dem Augenblicke aber, in welchem man, und wäre es selbst nur Hypothctisch — was jedoch hier nicht der Fall ist — von dem ״Gesetzgeber" Moses spricht, verschwindet nicht nur der ״Gottesmaun" und ״Prophet" sanunt sämmtlichen ״Bortrefflichkeiten seines Wesens", sondern es tritt, trotz aller gegentheiligeu schönen Worte des Bersasjers, an seine Stelle ein — Betrüger, der zu ungezählten Malen vorgiebt, im Namen GotteS zu sprechen und zu handeln, um den eigenen Worten und eigenen Handlungen. die Autorität und Weihe göttlichcr Sanktionirnng zu geben. (Fortsetzung folgt.) Ms küunnt mir für niiffrc llllMllr- Wen Müder tjjnn? In Nr. 19 dieses Jahrgangs haben wir diese Frage gestellt und in flüchtigen Umrissen einen Plan gezeichnet, welcher von Herrn Moritz Simon, Vizekonjnl der Bereinigten Staaten von Amerika, in Anrcgung gebracht worden war. Wir freuen uns der Zustimmung, welche dieser Vorschlag in manchen einflußreichen Kreisen gefunden, wenn wir auch sehr zu bedauern haben, daß noch keinerlei vorbereitende Schritte in größerem Umfange geschehen sind, um denselben seiner Verwirklichung entgegen zu führen. Dieser Vorschlag ging dahin, in Europa Kolonien in passender Weise zu grnppircn, und die zur Bildung einer Kolonie bestimmten Personen vereint direkt nach Amerika einznschiffcn, wo sie ohne jeglichen Aufenthalt sofort in die für sic vorbereiteten Ansicdclnngsplätze, welche auS gutem Ackerboden bestehen müssen, eingeführt werden. In Folgcndent wollen wir znsarnmenfassen, was uns in Bezug ans diesen Plan mitgctheilt worden ist. Von einer sachkundigen Seite wird der Ansicdelnng in Amerika bei Weitem der Vorzug vor der palästinensischen Koloniengründuug znerkannt. Ja, cs wird vor dieser geradezu gewarnt, und zwar aus in den dortigen Bodenverhältnissen begründeten schweren Bedenken. Durch die Jahrhunderte lang unvernünftig ausgcführtc Abholzung ohne gleichzeitige Sorge für neue Anpflanzungen hat eine erschreckende Entwaldung des Landes stattgcfnnden. Die dadurch den verheerenden elementaren Einflüssen schutzlos preisgcgcbcnc frnchtbare Decke der Ebene, die Dammerde, ist mit der Zeit ganz hiuwcggcschwcmmt und der Boden durchweg steril geworden. Die lange regenlose Zeit währt hier von Mai bis Anfang November. In den Monaten März und April wird das Ausbleiben des Regens verderben-« bringend und erzeugt einen entsetzlichen Nothstand. So vereinigen sich die denkbar ungünstigsten klimatischen mit den' denkbar ungünstigsten Vodenvcrhältuissen, um für einen "jeglichen Versuch der Anlegung einer ans Landwirthschaft begründeten Ansiedelung fast mit Bestimmtheit ein Mißlingen proguostiziren zu müssen. Nur einer mit bedeutenden Mitteln ansgestattcten Kolonie, welche während eines JahrzchcnlS auf ein genügendes Bodenerträgniß zu verzichten in der Lage ist und sich sorglos und unausgesetzt der angestrengtesten Arbeit zur Melioration des widerspenstigen DodcnS hingcbcn kann, mag es gelingen können, der Schwierigkeilen, die das Erdreich bietet, Herr zu werden, und den widrigen klimatischen Bedingungen Widerstand zu leisten. Einer unter verständiger Leitung auSgcführtcn Kolonicngründung in Amerika, Algerien und Tunesien wird dagegen das Wort geredet, weil dort sowohl die agrarischen wie allgemeinen staatlichen Ver« haltnissc Garantien bieten, die in Palästina durchaus entbehrt werden.