Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1887)
- Article
- Eine volksthümliche Geschichte der Juden
- Date
- 1887-12-08
- Page
- 770 (sequence 2)
- Language
- German
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cs von seinen Führern dahin erzogen, daß sich diese dunkele Ahnung zu einer mwcrtilgbarcn Ueberzengung befestigt, dann kann es nicht fehlen, daß ein solches Volk in einer solchen Umgebung einen eigenen unverwischbaren Charakterzng aniiiiniiil. Ein solcher Erdstrich war das Land Kanaan, und die Bevölkerung, die sich darin ansiedclte, waren die Söhne Israels oder Israeliten." Also, wenn bei den Söhnen Israels oder Israeliten bei ihrer Ansiedelung in Kanaan die Meinung vor- Händen war, sie seien zu ״etwas Großem, sie von anderen Völkern Unterscheidendem und Abhcbcndem" berufen, so war daö nur eine ״Ahnung", und noch dazu eine ״dunkele", und wenn sie später von dem, was sic ursprünglich angeblich nur ״dunkel ahnten", felsenfest überzeugt wurden, so war diese Steigerung des FürwahrhaltenS nur eine Folge der Erziehung durch ihre Führer. Sehen wir uns doch etwas näher an, was für GottcsauSsprüche, Thatsachcn und nationale Erlcbnissc hier plötzlich in den Nebel dunkler ״Ahnungen" zerfließen. Gleich das erste, zu ihrem und unserem Stammvatcr Abraham gesprochene Wort, von welchem sie bei ihrem Einzuge in Kanaan ja durch die in vierzigjähriger Wüstenwanderung zu Thcil gewordenen genauen Kenntuiß der Thora klarstes und präzisestes Wissen hatten, sprach ihnen diese Stellung und Bedeutung aufs Klarste und Präziseste aus. ״Ich werde dich zu einem großen Volke machen, deinen Namen groß werden lassen, werde du ein Segen, ich möchte segnen, die dich segnen, und wer dir Fluch bringt, dem werde ich fluchen, und cS werden durch dich alle Familien des Erdbodens gesegnet werden."l) Also die Berufung Abrahams nichts als dunkle Ahnung! — Abraham soll ja zu einem großen und mächtigen Volke und durch dieses sollen alle Völker der Erde gesegnet werden! Denn ich habe ja nur deshalb ihn erkannt, damit er seine Kinder und sein Haus nach ihm verpflichte, daß sie den Weg Gottes hüten, Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu üben"׳) — die Bestimmung seiner Nachkommen gleichfalls — nichts als dunkle Ahnung! ״Und cS werden sich durch deinen Samen segnen alle Völker der Erde, als Folge' dessen, daß du meiner Stimme gehorcht hast"׳') — die Akeda — nichts als dunkle Ahnung! — ״Durch deinen Samen werden sich segnen alle Völker der Erde"') ward Israel verheißen, ״durch dich werden alle Familien der Erde gesegnet werden und durch deinen Samen"'') — ward Jakob verheißen. — ״Ich führe euch heraus von unter den Lasten MizrajimS — und erlöse euch mit gestrecktem 1) 1. B. M. 12, 2. 3. -) Daselbst 18, 18. 19. 2)!. B. M. 22, 18. 4j 1. B. M. 26, 4. s) 1. B. M. 28, 14. Arme und mit großen Strafgerichten und nehme euch mir zum Volke und werde euch sein Gott und ihr werdet cs ersahrcn, daß ich Haschcm euer Gott bin, der euch vor dem Erliegen unter Mizrajims Lasten hinausführt"''') — mit welchem Worte Gott Israel seine bevorstehende Erlösung anknndigcn ließ, und sodann alle die OsfenbaruugSthaten der Allmacht Gottes in Aegypten, in denen sich Gott als frei über die Natur gebietenden Herrn und als Richter im Kreise der Menschen offenbart, alle feine gewaltigen Eingriffe in den gewöhnlichen Laus der Dinge, bei deren warnender Vorheraukündigung cs ausdrücklich ausgesprochen ward, daß Gott einen ״Unterschied machen werde zwischen dem Lande Goschen, in welchem .,״mein Volk"" lebt und dem übrigen Aegypten" — die gewaltige Sprache der selbstcrlebtcn unurittelbaren Eingriffe Gottes in die Natur der Geschichte zum Werke ihrer Befreiung und Erhaltung, die Auscrstchungsnacht. der Durchgang auf ״trockenem Boden" durchs Meer, das Wasser zu ״Mauern ausgethürmt zu ihrer Rechten uub<:/.-׳r Linken" und Wiedcrzusammenbrcchend über ihre Nachfolger, die Mannaspcisung und endlich die Offenbarung am Sinai, cingcleitet durch den ausdrücklichen Hinweis unserer besonderen Stellung inmitten der Völker und durch die ausdrückliche Verkündigung unseres McuschhcitSpricstcr- Berufes: ״ihr müßt mehr als alle Völker mir ausschließlich au gehören, denn mein ist die ganze Erde, ihr aber sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk"^) — so denn die ganze unS unter allen Völkern allein verpflichtende Gesetzgebung, ' die wiederholten Warnungen vor der Verthierung des Volkes, das wir verlassen und vor der entsetzlichen Entartung der Völker, deren Land der allmächtige Gott : uns gab, der Gottesbnnd mit Israel, die GeschichtS- Verkündigung im dritten und fünften Buche, die die Dauer unserer Blülhc im Laude und unserer staatlichen Selbstständigkeit ausschließlich von unserer Treue gegen das unseren besonderen Beruf konstiiuircnde GcNtcsgcsctz abhängig macht und mit ihren alle Jahrtausende der Zukunft überschauenden Worten bis auf den heutigen Tag sich an uns bewahrheitet, die ganze wnndcrreiche Führung und Erhaltung in der Wüste. Kurz die ganze große Reihe in einer vierzigjährigen göttlichen Erziehung von einer ganzen Nation jclbsterlebter Thatsachcn und fortwährend gemachter Erfahrungcn, auf die Mosche vor seinem Scheiden zusammenfasscnd mit den Worten hinweist?) ״Denn frage doch nach den früheren Zeiten, die vor dir waren, von dem Tage an, da Gott Menschen ans Erden geschaffen und von Himmclscndc bis Himmelscnde, ob wie °) 2. B. M. 6. 6 u. 7. 2 (׳. B. M. 19, 6. *) 5. B. M. 4, 32.