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Jeschurun · 1887-12-08 · Heft 49 (8.12.1887) · p. 771

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 49 (8.12.1887)
Article
Eine volksthümliche Geschichte der Juden
Date
1887-12-08
Page
771 (sequence 3)
Language
German
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771 dieses Große schon je sich ereignet, oder ihm sehnliches gehört worden. Hat je ein Volk die Stimme Gottes gehört redend aus der Milte des Feuers wie du gehört Haft und ist lebend geblieben? Oder hat ein Gott dich erprobt, zu kommen, ein Volk aus der Mitte eines Volkes herauszugreifen mit Machterprobungen, mit Zeichen und Bclehrungswundcrn — gleich allen dem, was Gott euer Gott für euch in Mizrajim vor deinen Augen vollbracht hat? du bist durch Sehen zum Wissen gebracht worden, daß Gott allein Gott ist, Nichts sonst außer ihm. — Und an die Stelle, daß er deine Väter geliebt hat, erwählte er -Seinen Ihm nachfolgenden Sarnen und führte dich mit seinem Angesichte in seiner großen Kraft aus Mizrajim, größere und mächtigere Völker als du vor dir zu vertreiben, dich hinzubringen, dir ihr Land zum Erbe zu geben, wie nun heute geschielst. So wisse cS denn — und hüte seine Gesetze — was dir und deinen Kindern nach dir wohlthuu wird und damit du lange Zeit auf dem Boden bleibst, den Gott dein Gott dir für alle Zeiten giebt. — Alles dieses, mit einem Worte der ganze Inhalt der Thora, alles was sich auf die Offenbarnng Gottes in der Geschichte der Ahnen und in Aegypten, allls was sich auf die von allen erlebten Offeubarnugst ha ten und an alle gerichteten Offenbaruugs- und Gcsctzcswortc Gottes bezieht, wird in dem Augenblicke nicht nur in seiner Göttlichkeit, sondern auch-in seiner Thatsächlichkcit geleugnet und in das Gebiet der Sage verwiesen, in welchem von Israel im Augenblicke seiner Ansiedelung behauptet wird, daß in ihm nur ״eine dunkle Ahnung" lebte, daß es zu etwas Großem, es von anderen Völkern Unterscheidendem und Absondcrndcm, berufen sei. Nein, Herr Professor, nicht eine ״dunkle Ahnung" war cS, sondern die hellste, klarste, auf Grund einer vierzigjährigen wunderbaren selbsterlebtcn Gottesjührung unmittelbar gewonnenen Erkenntniß. das hellste durch nichts an Klarheit zu übertresfendc B cw u ßt se in. das sicherste, positivste, durch kein geschichtliches Faktum an positiver Sicherheit zu erreichendes Wissen war cs, was in dieser Beziehung die ins Land ziehende Generation erfüllte. Wenn auch das folgende Geschlecht, wie uns im Buche Josua derichtet wird, dem verführenden Beispiele der heidnischen Nachbareu nicht widerstand, und vielfach von der Treue ließ, doch das ältere Geschlecht har cs gezeigt, wie sehr cs von dem ächten jüdischen Geist doch bereits durchdrungen war. Oder ist eS nicht ein Hochsinn, der ohne Gleichen dasteht, wenn die Majorität der Stämme, die selbst das ihnen bestimmte Land noch nicht ganz in Besitz genommen hatten, den Brüdern jenseits des Jordan, drittchalb Stämmen, bei der Kunde, sic seien in ihrer Treue gegen Gott wankend geworden, sofort Wohnsitze in ihrer eigenen Milte anbotcn, ein jeder bereit, von dem eigenen Gute zu opfern? Doch auf die sachliche Kritik kommen wir später. Für jetzt wollen wir nur das BerhLltniß dieser Geschichte zur Thora beleuchten. Daß wir aber in unseren Folgerungen nicht zu streng gewesen sind, und in der Charakterisirung dessen, was ihm die Thora ist, dem Herrn Professor kein Unrecht gethan haben, das lehrt gleich der folgende Satz ans derselben Seite 1, in welchem er von Erlcbnissen, die sie vor ihrer Ansiedelung zu verzeichnen gehabt Hütten, sagt, sie seien ״in ihren Augen wunderbarer Art" gewesen. Also nur in ihren Augen. — Aber was waren sie in Wirklichkeit? Und was ist die Thora, die von ihnen als Wunder berichtet? Haben wir zu viel gesagt, wenn wir meinten, daß schon die erste Seite über die Stellung des Verfassers zu Demjenigen, was die Lebensseelc des jüdischen Volkes bildet, volles, wenn auch recht grelles Licht verbreite? (Fortsetzung folgt.) Iß der ״DnlW-IsrMilWk (Gemeinde־ Hund" M fiilpnj feines Amens herklW? In Nr. 47 haben wir uns dahin ausgesprochen, daß der Deutsch-Israelitische Gemcindebund in Wirküchlcit nichts Anders als eine Bereinigung von Gemein de Vorständen sei, welche in den meisten Fällen keine Vesngniß besitzen, für die Mitglieder der Gemcindcn prinzipielle Erklärungen abzugebcn. Der Deutsch-Israelitische Gemcindebund sei deshalb keineswcgs berechtigt, sich als ein Bund von Gemeinden zu gcriren und seine Angabe, mehr als die Hälfte der ׳deutschen Iudciischaft von den ..Butt des ge mein den" umjaßt zu wissen, müsse ans ihre wirkliche Bedeutung hcrabgcstimmt werden. Es ist uns aus privatem Wege bekannt geworden, daß diese Aeußernng an manchen Orten Anstoß erregt habe. Der Deutsch-Israelitische Gemcindebund sei in der Thal dasjenige, was sein Name bedeute: ein Lund von jüdischen Gemeinden in Deutschland. Durch die Erklärung der Gemeindeverwaltungen zum Beitritt und durch die Entrichtung eines Beitrags aus dem Gemeindejäckel zu der üasse des Bundes hätte die Gemeinde selbst sich dem Bunde angeschlosscn; dieser bestände in Wirklichkeit ans BundcSgemcindcn und sei somit durchaus berechtigt, von sich zu sagen, daß er mehr als die Hälfte der deutschen Judenheit umfasse und rcpräsentire.

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