Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1887)
- Article
- Plaudereien aus der Schule
- Date
- 1887-11-24
- Page
- 740 (sequence 3)
- Language
- German
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740 trflcnb wo!)in — an das Ende, nicht an den Anfang des religiösen Unterrichts. Ucbrigens sind sie mehr .c!onfiriifttoncii des menschlichen Scharfsinnes und Erzengnisse der Reflexion, als besondere Gestaltungen der göttlichen Weisheit, opfern den gefunden Menschenverstand und die klaren Aussprüche der Bernau ft und des Gewissens der Bewahrung Desjenigen aus, was man die gleichmäßige Uebercinstimmung der Kirche genannt hat, legen dem Hehrer und dem Schüler Fesseln an und verhindern die freie Thätigkeit des Geistes und Herzens. Ich schließe diese Zitate, die sich leicht verzehnfachen ließen, mit einem überaus bcherzigenswerthen Wort des bclannten Pädagogen Diestcrweg: ..Bon den Inden und ihrem Glauben kann man mit Achtung nicht reden, ohne von den Rechtgläubigen mit Achselzucken angesehen zu werden. Trotzdem aber sage ich: daß sie niemals ihren Kindern ein formulirtes Glanbcnsbekenntniß vorlcgcn und dieses bis znM heutigen Tag nicht ihnu (Diestcrweg wußte also nichts von unserer Nachäffung des von ihm bekämpften Rctigions- Unterrichts), sondern sich darauf beschränken, durch die historischen Schriften des A. T., insbesondere durch den Pentateuch, sittlich religiös auf die Jugend zu wirken: darin haben sie ein sehr tiefes Berstündniß der kindlichen Natur bewährt. Ein so unterrichtetes und in seiner Familie ausgewachsenes Kind wird (halb-) berangeivachsen ohne Weiteres, d. h. ohne Bekenntnis;-, zwang, ohne Versprechen :e, in die Gemeinde ansgenommen. Das Verjähren der christlichen Kirchen muß dagegen als ein znrückgckommenes bezeichnet werden. In jener Weise spricht sich das Vertrauen zu dem Heden auS, das Vertrauen, daß dieses unendlich wichtiger sei als alle Hehre, daß das Kind unter Personen jüdischen Glaubens ausgewachsen, in das Wesen desselben lebendig hinein gewachsen sei. Diese tiefe Wahrheit scheint, nach dem herkömmlichen Verfahren zu urtheilen, den Ehiisten abhanden gekommen zu sein; sie wollen durch streng bindende Hehre ersetzen, was daS Heben nicht bringt, was aber nur das Heben bringen fann." ״Diese Wahrheit wollen wir hier denn nach Gebühr noch besonders akzcntnircn. Das Heben, welches in der Familie und in der Schule herrscht, das ist der Meister.' nicht die Hehre, nicht das Dogma, nicht das Bekenntnis; cs kommt auf die religiöse Gesinnung an. Und dann sagen wir weiter: diese religiöse Gesinnung in solcher Innigkeit und Stärke, daß sie als der cigcnttiche Hebenosaltor gilt, kann bei aller Verschiedenheit der Glanbensbekenntnisse bestehen, unter den Bekennern aller religiösen Gesellschaften und Parteien hat es ücht religiöse Brenschen gegeben. Ja, wir müssen noch niehr sagen: je weniger der Mensch zur Belebung seiner religiösen Gesinnung der Dogmen bedarf, desto höher steht er.-Darum lege man im Jugenduliterrichte nicht nur keinen Werth auf formnlirte Bekenntnisse, sondern man überschätze auch die Ncligionslthrc nicht; der Gebrauch jener wird vor. der Pädagogik verwoiscn, der Werth dieser vcrsch vindet fast vor dem Einfluß lebendig-religiöser Umgebung." ״Indem wir der religiösen Gesinnung, die sich an bestimmte Dogmen nicht bindet, allein den Preis zncrkcm'.en mußten, maßten wir uns gegen den Gebrauch der Glaubensbekenntnisse und gegen den bisherigen dogmatischen Religionsunterricht erklären. Wir sind prinzipielle Gegner derselben — ans Religion. — Die Welt, d. h. die jetzt in der Schule und über sie herrschenden Gewalten sind lins entgegen, sie behaupten die Heilsamkeit des Herkommens und suchen cs von Rcucm zu stärken. — •Unter diesen Umständen bleibt uns nichts übrig, als die Zeitgenossen zum Nachdenken ausznrafseu lind an das Urtheil der Nachwelt zu appetliren." So, diese Ausführungen berufener Anwälte des gesunden Menschenverstandes sollte doch wohl Jeder prüfen, die darin ausgesprochenen schweren Bedenken müßten doch alle Diejenigen entkräften, welche die Verbreitnng der Religion nicht handwerksmäßig betreiben, die wirkliche Hehrer 11 ub nicht bloße Stundengeber denjenigcn Kindern sein wollen, deren religiöse Erziehung ihnen mwertraut ist. Dabei enthält das bisher Borgebrachte nur erst einen Theil der ernsten Bedenken, die sich von rein menschlichem Standpunkte diesem unmenschlichen Verfahren gegenüber jedem denkenden Beobachter ausdrängen. Die von rein jüdischem Gesichtspunkt sich gegen dieses unjndijche Gebühren geltend machenden Ausstellungen sind hier noch kaum berührt. Bevor wir dieselben zur Sprache bringen, möge hier noch auf eine äußere Eigeathümlichkeit hingewiescn werden, die jo recht die ganze Verschrobenheit und Verworrenheil unserer allgemeinen Verhältnisse auch Denjenigcn zu Bewußtsein za bringen geeignet ist, welche sonst den gegenwärtigen prekären Zustand unserer sümmtlichen jüdischen Anliegen als glorreichen Fortschritt nicht laut genug bejubeln können Wie allgemein bekannt, scheiden sich dic Bekenner des EhristenthnmS innerhalb der verschiedenen Konsessioncn und Sekten in Anhänger der streng kirchlichen, gläubigen Richtung und in solche einer freieren Auffasst׳.ng ihrer Religion. Die elftere, orthodoxe Rich. tung, will den;rindern ihren Glauben durch den Katechismns gelehrt wissen, dic freisinnige Richtung bekämpft diese Methode als der Natur des Kindes und den Anforderungen der Pädagogik nicht entsprechend. Ohne ein Urtheil und zwar ein absprechcndcs über die eine