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Jeschurun · 1887-11-17 · Heft 46 (17.11.1887) · p. 722

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 46 (17.11.1887)
Article
Zum Wiederbeginn der Thora
Date
1887-11-17
Page
722 (sequence 2)
Language
German
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722 utaf, biologische Thatsachen liegen seit Jahrtausenden von diesem Stamme der ganzen Welt klar und unbestritten vor Augen. Unbestrittene, auch von den verbissensten Judenfeinden aller Zeiten anerkannte Thatsache ist es einmal, daß im großen Durchschnitt das jüdische Volk hinsichtlich der Klarheit dcS Geistes, der Schärfe des Verstandes, der Weichheit des Herzens, der Reinheit und Innigkeit des FauliliculcbeuS und des Mcidens grober sinnlicher Ausschreitungen den großen Durch« schnitt der andern Kulturvölker überragt. Unbestrittene Thatsache ist cs ferner, daß dieser Stamm Jahrtausende hindurch in seiner leiblichen Ernährung bestimmte Gcsetze befolgt hat, die, während sie die vegetabilische Nahrung uneingeschränkt gestatten, in seiner animalischen Nahrung eine streng und scharf abgegrenzte Auswahl trafen und Schranken schufen, innerhalb derer die Borfahren aller Derjenigen, die wir noch jetzt als Juden kennen und an denen eben jene Eigenschaften hervortreten, sich Jahrtausende hindurch streng gehalten haben. Ist cs da nun nicht im allerhöchsten Grade wissenschastlich gedacht, und entspricht eS nicht gerade ans dem Baden jener Anschauung, der alle psychischen Erscheinungen nur LebenSanßerungen des Körpers sind, aufs aller Strengste den Forderungen unvoreingenommenen strcngwissenschafrlichen Folgern- und Schließen-, zu sagen: Wenn jene Eigenschaften und jene angeführten Wirkungen derselben sich bei diesem Stamme in höherem Grade entwickelt zeigen, als bei andern Stämmen derselben Gattung, und andererseits bei diesem selbigen Stamme eine bestimmte Verschiedenheit in der animalischen NahrungSwahl sich zeigt: so sind die crsteren durch die lchirrcu bedingt, und sic Verhalten sich zu einander wie Ursache zur Wirkung, wie Grund ׳zur Folge. Wir sind freilich nicht im Staude — der Naturforscher würde selbstverständlich sagen: noch nicht im Staude — die Art und Weise dieses Zusammenhanges zu erklären, allein das vermögen wir überhaupt noch bei keiner Be- Ziehung zwischen den somatischen und psychischer! Erscheinungen, jedoch die Thatsache dieses ursächlichen Zusammenhanges ist darum eine nicht minder wissenschastlich konstatirte — So und nicht anders müßte der wirklich unbefangene matrialistische Biotog und Ethnograph strengwissenschaftlich über die Bedeutung der Speisegesetze*) urt heilen. Haben wir nun zu viel gesagt, wenn wir meinten, daß gerade durch die wirklichen und vermeintlichen Er« ־*) Wir haben hier selbstverständlich nur diejenigen Speisegcsetzr im Angc, die gewisse Stoffe demernd dem Genüsse dcS Juden entziehen, mit Ausschluß der symbolischen Speisegesetze, wie z. B. des CtzamczvcrbolrS am Peßach, die nur zur Bczeugimg gewisser Wahrheiten zeitweilig einen sonst erlaubten Nahrungs- Post vrrbielea. gcbniffe der Naturwissenschaft den Angriffen auf die Speisegesetze aller und jeder Boden entzogen werde? Und gehen wir jetzt zu weit, wenn wir meinen, daß auch von diesem, doch gewiß ״unverdächtigen" Standpunkte aus alles Vorbringen der Lehrer und.Prediger des Abfalls sich als unendlich gedankenlos und seicht erweise, und daß der Vorwurf oberflächlichen und unwissenschaftlichen Denkens mit voller Schwere gerade auf sie zurückfalle? So für die Denkenden unter den Zweiflern, so für alle Diejenigen, denen man die Göttlichkeit des Gottesgesctzcs schon durch das bloße Vorhandensein der Speisegesetze diskrcditiren und sie vor jeder Annäherung an den Boden dieses Gesetzes fern halten will. Für uns aber, die wir voll und ganz auf dem Boden der Offenbarung, auf dem Boden dieses Gesetzes stehen, sind jene geistig-sittlichen Errungenschaften der Juden freilich nicht ausschließliches Produkt der Speisegcsetze; sie sind vielmehr das Resultat unserer Erziehung durch den ganzen Komplex der Gottcsgesctzc und durch unsere von Gott gestaltete welthistorische Geschickesführuug. In die Totalität dieser Gesetze aber fügen sich unter diesen Erwägungen die Speisegesetze nicht nur harmonisch ein. sondern sie schaffen, wie sich das aus dem ganzen Gottesgcsctze crgiebt, ganz eigentlich erst die Möglichkeit, aller erziehenden Einwirkungen auch der andern Gesetze uns voll hinzngcben, sie schassen erst den Boden, aus dem die andern Gesetze ihre Verwirklichung finden können. Denn freilich nicht Urheber und Quell der psychischen Vorgänge, sondern das vom Schöpfer dem Geiste für die Zeit seines Hierseins gegebene Organ ist für uns der Körper, ein Organ, dessen Gefügigkeit im Dienste des Geistes aber von bestimmten Verhältnissen erhöht oder gemindert wird, und welches seinerseits durch seine Beschaffenheit eine bestimmte Rückwirkung auf die Acnßeniugen und Bethätiguugcn des psychischen Seins ausübt. UnS aber hat zum Mcnschhcirspricstcrvolk unser Schöpfer berufen und für diesen Beruf uns Aufgaben gestellt, die über die allgemeinen menschlichen Pflichten hiuausgchcn, Aufgaben, deren Erfüllung nach allen Richtungen an unsere Gewissenhaftigkeit, an unsere Selbstlosigkeit, an unsere Bereitschaft, materielle Güter für ideale Ziele zu opfern, au die Reinheit unseres GcmüthcS, an die Festigkeit unseres Willens, an die Schärfe unseres Urt Heils, an die Korrektheit unseres Handelns Anfordcrungcn stellt, die einen viel höheren Grad geistigen Wachseins und sittlicher Selbstbeherrschung erfordern, als die Erfüllung der allgemeinen menschlichen Pflichten. Und deshalb hat unser Schöpfer uns für die Erfüllung unserer Aufgabe als Pricstcrvolk besondere Gesetze für die Ernährung unseres Körpers gegeben und cs ausgesprochen, daß durch den Genuß der von ihm für uns

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