Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 40-41 (13.10.1887)
- Article
- Reichstagspräsident Smolka über die Judenfrage
- Date
- 1887-10-13
- Page
- 640 (sequence 8)
- Language
- German
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640 Kupferschmiede, Büchsenmacher, Ningkragcnmacher,Gnrt-!!er. Messerschmiede, Schlosser, Bcutelmacher, Buchbinder, Schatullenmacher, Mützenmacher, Tischler, Schuster,! Sattler, Wagner, Riemer, Korduanarbeitcr, Wcißgerbcr,! Gerber, Bäcker, Fleischer, Bierbrauer, Wirthshänslcr, j Schmiede, Drucker und Buchhändler. So war also; damals der ganze Handwerkerstand fast ausschließlich j durch Juden vertreten.; Auch ist c*3 nicht lange her — die Herren, welche ■ in mein ent Alter oder älter sind, werden sich wohl darauf erinnern —, daß, besonders auf dem flachen Laude, cs säst gar keine andere, als jüdische Handwerker gab, und wenn mau einen Anzug brauchte, eine Czamara, einen Kontnsch, einen Pelzrock, einen Pelz, , oder eine Mütze, Glaserarbeitcn, Blechsachcn, Schlösser, ■ Uhren, Goldschmiedarbeitcn 11. dcrgl., so machte das alles der Jude, und erst seit kurzer Zeit änderte sich dieser Zustand zu Gunsten der Christen und wird sich bei gehöriger Gewandtheit der Christen unfehlbar noch mehr ändern; demnach sind die Klagen, daß die Christen durch die Juden vom Erwerb verdrängt werden, keineswegs gerecht. Biel mehr hat sich seit jener Zeit in dieser Beziehung ungemein viel zum Bortheilc der Christen geändert, und wird sich unstreitig noch mehr . ändern, wenn unsere christlichen Kanflcntc und Handj werker jenen Nalh beherzigen werden, den die Inden j noch zur Zeit Sigmund des I. gegeben, nämlich, daß! die christlichen Kauflente und Handwerker sparsamer! sein mögen, dann werden sie die Waaren wohlseiler j verkaufen, dann wird ihre Zahl sich vermehren und! ihr Erwerb wird schwungreich werden. Das ist ein! überaus gesunder Nalh, welcher, wie gesagt, auch heute! zu Statten kommt und Berücksichtigung verdient.! So verhielt es sich also zu den Zeiten der Jagiel- : Ionen mit dem Einflüsse der Könige ans die Lage der Juden. Aber auch die Reichstage jener Jagielloitischen Periode vcisuhrcn im selben Geiste, so bestätigte z. B. der Piotrkower Reichstag im Jahre 1538 jenes Statin Sigmund des l. von den ״Tinnulten" und erhob dergestatt dieses Stattlt zur Bedeutung eines Reichstags-- gesctzes. Ich konnte noch eine Menge solcher Reichstagsbcschlüsse zitircn, in denen gar kein Haß gegen die Inden durchschimmert, und die nur ganz objektiv Beslimmnngen über rechtsgcsctljchaftliche und nationalökonomische Angelegenheiten fcststclleu. Anders verhielt es sich in dieser Beziehung mit den Synodalbcschlüssen, — beim diese traten immer heftiger gegen die Inden auf; ich will nur eine solche Synode zitircn, die Wieluncr vom Jahre 1420, welche in der Folge nach Kalisch verlegt wurde, wo der Bischos Nikolaus Traba den Vorsitz sührte. In den Beschlüssen dieser Synode fiubet man z. B. folgende Verordnung: ״ES wird unter Strafe des Bannes verboten, Inden und Jüdinnen zu Gastmählern cinznladcn, und nun gekehrt, besonders wird verboten auf jüdischen Hochzcite׳.! zu tanzen und sich mit ihnen zu nnterhaltcn." Hieraus ist zu ersehen, daß die Christen mit den Inden dazumal im geselligen Verkehr standen. Es wurde ferner das Kaufen von Rahrnngs!nittcln bei Inden verboten, damit die Inden die Christen nicht vergiften; — die bekannte Vorschrift über das rothe Zeichen an der Kleidung der Juden wurde wiederholt cingcschärft: damals konnte man also ivohl noch nicht sonderlich den Inden vom Christen unterscheiden; den Juden wurde befohlen, abgesondert zu wohnen, an Orten, die von den Wohnungen der Christen durch eine Mauer, einen Planken 11. dergl. abgcgränzt wären, hieraus ent-- standen die sogenannten Ghetto's; man verbot den Juden, christliche Dienstboten und Ammen zu halten; cs wurde verboten, die Inden zu öffentlichen Aemtern zuznlasscn; cs folgen dann Verordnungen über die . Höhe der Prozente, endlich wurde den Inden verordnet, den Pfarrern dafür eine Steuer zu zahlen, weil diese durch die Juden Schaden leiden, da an den Orten, die von Inden eingenommen sind, Christen wohnen sollten. Hier maßt sich die Synode offenbar die gcsctzgebende Gewalt in ganz weltlichen Angelegenheiten .an. Jetzt möchte ich noch die dritte und letzte Periode, nämlich die linier den Wahlkönigcn besprechen. Auch diese Periode weist als Hauptmerkmal auf, daß die Könige die Juden in Schutz nehmen, und daß dies Anfangs auch sogar die Reichstage 0)1111; nur die Syuodalkonstikutionen gelangen schon zur höchsten Stufe der Intoleranz. Von den vielem Synodalkoiistirutionen, welche ich diesfalls zitiren könnte, will ich blos die zwei letzten zitiren, nämlich die Lowitzcr Konstitution vom Jahre 1720, die folgenden Befehl enthält: Die Juden sollen ivcder neue Synagogen j bauen, noch alte wieder onfbaucn; früher hatten j nämlich die Synoden wenigstens den Wicdcransban; der Synagogen gestattet, und jetzt verboten sie nicht! mir den Bau neuer, sondern auch den 'Wiederaufbau! alter Synagogen, und dieses Verbot geschah unter j der augedrohten Strenge, daß bei Unfolgsamkeit der Juden das geistliche Gericht sie zur Verantwortniig ziehen werde. Die zweite, und zwar die letzte Konstitution der Plozkcr Synode vom Jahre 1733 enthält z. B. folgende Verordnung: Zuerst beschwert sich die Synode darüber, daß die Juden in Polen sich vermehren, waS nicht sein sollte, und sagt, daß man dieses ungläubige Volk! nur deshalb, duldet: ״damit der Nest Israels sich de-! kehre, und weil der Stamm wegen der Schönheit der > Blume, die daraus erblühte, erhalten werden müsse,