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Jeschurun · 1887-10-13 · Heft 40-41 (13.10.1887) · p. 641

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 40-41 (13.10.1887)
Article
Reichstagspräsident Smolka über die Judenfrage
Date
1887-10-13
Page
641 (sequence 9)
Language
German
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M 40 11.41. Jeschurmi. 641 und auch deswegen, bamit sie, unter unö lebend, die Qualen Christus deö Herrn uuS in Erinnerung bringen; damit ferner aus der Verachtung und den Strafen, die sie als unsere Sklaven erleiden, die göttliche Gercchtigkcit erhelle;" endlich: ״damit sic, zerstreut über den ganzen Weltkreis, ans den ihnen verhaßten Glauben als Zeugen sehen sollen." Dessenungeachtet verordnet die Synode, daß die Juden nicht geduldet werden, daß sie in den Städten nicht bauen sollen u. bergt.: hier kam die heftigste Intoleranz zum Ausdrucke, und sic erreichte damals dm höchsten Grad, so daß cö durchaus nicht zu verwundern ist, daß die Juden auf diese Weise wieder gewaltsam in jene Absonderung gedrängt wurden, welche bis zum heutigen Tage exislirl. Welchen Einfluß diese Synodalkonsututioucn damals hatten, ist leicht zu begreifen, wenn mau sich erinnert, daß zu jenen Zeiten die ganze öffentliche Erziehung und alle Schulen unter dem Jesuitenorden standen, daß . sogar in den-Häusern der Adeligen und Magnaten die Erziehung der Kinder, dieser künftigen Gesetzgeber und Staatswürdenträger, gänzlich den Jesuiten in die -Hände gegeben war, und diese die ganze Erziehung im Geiste jener Syuvdalgesetze leiteten. Trotz dieser wiewohl nicht gesetzlichen, aber faktischen Zustände bestätigten noch immer die Polnischen Könige, und zwar alle Wahlkönige ohne Ausnahme, die älteren Privilegien der Juden, namentlich das Wistitzcr Statut, und nicht nur bestätigten sic diese älteren Privilegien, sondern/ wie ich bereits in der Sitzung vom 30. September d. I. erwähnt habe, einige Könige, wie Stephan Baiory nah Johann UL, crtheilten ihnen neue bedeutende Privilegien. Jetzt übergehe ich zu den Ncichslagcn dieser dritten Periode. Anfangs glänzten noch drc Neichstagsbeschlüssc in Bezug auf Rcligivusverhältnisse durch Erleuchtung und Berstündniß, aber dieser Geist der Toleranz erschlafste später immer mehr, besonders seit Sigmund III., als die Jesuiten die ganze össeutliche Erziehung vollständig beherrschten, bis endlich unter den sächsischen Königen den Geist des Adels die bleierne Decke der Intoleranz schwer darnieder drückte. ׳ Doch lauge dauerte dies nicht, denn schon unter bem Könige Stanislaus August, als Polen dem Verfalle nahe war, cntwickeUe die polnische Nation in ihren Todcskämvfen um die Rettung des Vaterlandes all ihre moralische Kraft, und weckte aus der Lethargie die durch schädliche Einflüsse eiugcjchläserte religiöse Toleranz, die sonst den Nationalgcist der Polen ehrenvoll charakterisntc; immer Heller und Heller wurde cs im Vaterlande, bis endlich der Nationalgcist vollends wieder ansflammte, um gleichsam vor dem Erlöschen aus dem vierjährigen Reichstage noch einmal im vollen alten Glanze aufzuleuchten. Meine Herren, wer in den Arbeiten dcS vierjährigen Reichstags geforscht; wer sich lebhaft vorstellt, mit welchen Schwierigkeiten dieser Reichstag zu kämpfen und welche schädliche Einflüsse er zu besiegen hatte; wer sich erinnert, das; dieser NUchstag, ungeachtet der von den Nachbar Mächten ihm zugcsügtcn Gewalt, und ungeachtet er gleichsam gebunden und gefesselt, dennoch alle Hemmnisse durchbrechend, die Konstitution vom 3. Mai 179! beschloß, der muß zugestchcu, daß dieser Reichstag ein beinahe übermenschliches Werk zu Wege brachte, daß er in Bezug ans die Gesetzgebung einen Höhepunkt eiuuahm, ans dem in jener Zeit noch keine Nation, weder in Hinsicht auf die Gesetzgebung über- Haupt, noch insbesondere in Hinsicht ans Freisinnigkeit und religiöse Toleranz stand. Meine -Herren, wer alle diese Verhältnisse, Thalsachcn, Vorschläge, Beschlüsse, alle diese Gesetze geprüft, dem muß sich unfehlbar die Ueberzengung anfdrängc«, daß zu jener Zeit den Inden die Gleichberechtigung in jeder Beziehung ausnahmslos znerkamit, oder eigentlich zurnckgegeben wurde, und daß deren Jnslcbentreten nur durch die Theiluug unsers Vaterlandes gehemmt wurde. Nun, meine Herren, dieser Natwualgeist, welcher ans jenen Gesetzen des letzten polnischen Reichstags in Bezug aus religiösen Freisinn und die volle Gleichbcrechtiguug der Juden hervorlcuehtet, hat uns wohl die Vollziehung derselben unter Strafe unsers eigenen Unterganges überwiesen, denn eine 'Nation, die von ihrem leitendenNationalgedauken zurücktritt, muß untergehen. Der Nationalgeist, meine -Herren, hat uns die Vollziehung dieses seines letzten Willens überwiesen, deshalb, meine -Herren, werden Sic wohl die heutige Kommilsionövorlagc in ihrer Gänze annchmeu. (Bravo und Beifall.)" Korrcspoudcn.zcll und A!ul)rilhle!1. D e u t s ch l a 11 b. Hattllvver, 2 Oktober. Wir haben kürzlich (in Nr. 33) milgelheilt, daß einer großen Anzahl hiesiger Gemciudcmitglicder von anonymer Seile ein Exemplar des ׳Neuen Testaments zngcseudet worden ist und dabei eine Anzahl Schriststctlcn bezeichnet sind, welche man lesen möchte. Es scheint bcabsichligt zu sein, nach und nach alle Gemciudemitglicdcr mit diesem Angebinde zu erfreuen. Es wird uns von den ver- I schiedcnsten Seiten mitgctheilt, daß dorthin die gleiche

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