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Jeschurun · 1887-07-21 · Heft 29 (21.7.1887) · p. 458

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 29 (21.7.1887)
Article
Ein semitisch-liberaler Ring
Date
1887-07-21
Page
458 (sequence 2)
Language
German
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des Statthalters von Niedcr-Oesterreich hcrvorgeht, hat Dr. Mengcr am Vormittage dcS 2l>. Oktobers 1883 : dein Dr. Lorenz gesagt, daß ״Mittags, sobald Professor Maassen seine Vorlesung beginne, eine große Demonstration der Studircnden zu erwarten sei, und daß nach seiner (Dr. MengcrS) Uebcrzengung, Maassen sich nicht behaupten ׳könne, da voraussichtlich die Skandale fortgesetzt würden, bis er sich zurückgezogen habe. ״Die Fornr der Mitthcilung", erklärte Professor Lorenz weiter, ״machte nicht den Eindruck der mindesten Befürchtung, sondern den der Kcnntniß thatsächlicher Verhältnisse". Nun hat aber, wie aus einem zweiten vom ״Vater- Land" hcrangczogenen Aktenstück hervorgeht, derselbe Professor Anton Mengcr mit einigen seiner Kollegen eine aus amtliche Fragen des Rektors gegebene Kollektiv-- Antwort unterzeichnet in welcher versichert wird, daß die Unterzeichner in der großen Menge von Studenten, die sich an den ersten zwei KrawaÜtagen vor Maassens Hörsaal versammelt, nichts als eine gewöhnliche Ansammlung von Inskriptions-Werbern erblickt hätten. Damals kannte aber — wie der ReichSrathsabgeordnetc Greutcr in seiner Anfrage über die Universitäts-Skandalc richtig bemerkte — bereits die ganze Stadt die Natur und den Zweck dieser Ansammlungen. Einen interessanten Blick in das Wirken des liberal-jüdischen Ringes läßt auch folgender ans amtliche Frage des Statthalters gegebene Bericht des Professor Lorenz thun: ״Mittwoch, den 31. Oktober, um halb 10 Uhr begegnete ich an dem Thore der Universität einem Mitglicde des juridischen Professoren- Kolleginins (das ״Vaterland" erklärt, daß ihm dessen Name bekannt sei), welchem ich nnttheilte, daß ich meine Vorlesungen soeben für so Lange Zeit geschlossen hätte, bis dem unerhörten Skandale gesteuert wäre. Mein Kollege fand dies sonderbar und antwortete: Wir Juristen sind durch diese Dinge nicht im Mindesten gestört; er werde seine Vorlesung im Gegcntheil ״mit besonderem Animo" abhalten. Ans dieser Aeußerung — erklärte Professor Lorenz ferner dem Statthalter — ״schloß ich, daß von Vorkehrungen des Prosessoren- Kollegiums nicht die Rede war, und am selbigen Mittage erneuerten sich die bekannten Auftritte." Daß cS sich bei all den ungestraft gebliebenen Exzessen, deren Schauplatz die Wiener Hochschule seit vier Jahren gewesen, um ein Komplott zur Beseitigung des dem jüdisch-liberalen Ringe unbequemen Professors gehandelt, geht auch aus anderen merkwürdigen Ausjprüchen und öffentlichen Reden liberaler Professoren, aus ihrem Verhalten während der Tumulte u. a. m. hervor. Es sei nur an Professor Exner erinnert, welcher am dritten oder vierten Tage der letzten UniversitätSskandale den StndenEen erklärte: durch ihr Vorgehen werde ״das, was wir Me wünschen" (Maassen's Entfernung) nicht erreicht, sie mochten nun aufhören. ES war offenbar die Furcht vor der Schließung der juristischen Fakultät mit ihrer Folge des VcrsiegenS der Kollcgiengelder, was die Herren, die ihre Helle Freude an den Exzessen kaum zu verbergen für nöthig gehalten, plötzlich zum Abwiegeln veranlaßte. Unter solchen Verhältnissen hat das mehrerwahnte konservative Blatt leider Recht, wenn eS behauptet: ״Die sogenannten Maassen-Demonstrationen haben den redenden Beweis geliefert, daß eine Professur an der Wiener Universität mit der Eigenschaft eines christlichkonservativen Mitgliedes eines der politischen Vertretungökörper inkompatibel sei." Zur Ergänzung dieser Skizze der Thätigkcit eines jüdisch-liberalen Ringes gehört auch ein Blick auf das Verhalten der akademischen Behörde gegen jüdischliberale Tumultuanten einerseits, und deutschnationalantlsemitische Studenten, die sich einen brieflichen Protest gegen einen ReichsrathSabgcordneteu zu Schulden fommcn ließen, andererseits. Von den Tumultuanten wurden bekanntlich nur zwei Deutsche bestraft, welche die Polizei auf der Straße verhaftet — ihre jüdischen Kollegen, welche gleichfalls auf der Straße ergriffen worden, wurden von der akademischen Behörde für schuldlos erklärt, gegen die an der Universität Exzedirenden aber wurde nicht einmal eine Untersuchung cingeleitet, obgleich sie in Gegenwart von Rektor, Professoren und Dienern, denen Viele unter ihnen genau bekannt sein mußten, die Krawalle durchgeführt hatten. Auch gegen den Studenten, welcher einen der zum Schutze des Maasscn'schen Hörsaales anfgestellten Diener erheblich verletzt hatte, wurde nicht vorgegaugen. Ganz anders aber verfuhr man gegen die deutschnational-antisemitischen Studenten. Diese jungen Leute sind bekanntlich schwärmerische Verehrer des Herrn v. Schönerer, und als nun ein der dcutschlibcralen Partei augehorige bukowincr Abgeordnete, Dr. Tomasczuk — ein Nuthcne — den dcutschnatioualcu Parteiführcr und dessen studentischen Anhänger im Abgeordnctenhause heftig tadelte, richteten eine'Anzahl deutschnationaler UnivcrsitatShörer folgenden Brief an Dr. TomaSczuk: ״Euer Wohlgeborcn! Unter Hinweis auf die in Ihrer Rede vom 29. v. MtS. gemachten Ausfülle gegen den Verband der Deutschnationalen, welche in den Worten gipfeln: ״Die Korruption (des AntisemitiSmus) wird geradezu ein nationales Unglück, wenn sic sich zum Objekte ihrer Verlockung die Jugend wählt, und wenn sie in das Herz der Jugend das Gift des Hasses, des Neides und der jüdischen Gehässigkcit einimpft," müssen wir deutschen Burschenfchafter Wiens Ihnen als Nichtdcutschen vor allem die Berechtigung absprechen, sich zum deutsch-nationalen

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