Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1887-07-21 · Heft 29 (21.7.1887) · p. 459

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 29 (21.7.1887)
Article
Ein semitisch-liberaler Ring
Date
1887-07-21
Page
459 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2932754-2932755-2932784-2935951--25533-2936009
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Lehrmeister aufzuwerfen. — In begründetem Hasse gegen alles Unwahre und Undculsche sprechen wir Ihnen, dem begeisterten Anwälte der korrupten, verlogenen jüdischen Presse und jenen keineswegs bcneidcnSwcrthen Vertretern des deutschen Volkes in Oesterreich, welche eines Sinnes mit Ihnen in ihrer Abhängigkeit vom Indenthum es noch nie zu einer wahrhaft deutschen That bringen konnten, unser tiefstes Bedauern aus. Nicht vom Gifte politischer Gehässigkeit erfüllt, sondern in glühender Begeisterung für die Größe und Ehre unserer deutschen Nation entslainmt, werden die Burschenschäften Wien« nach wie vor in freier Selbstbestimmung an ihren deutsch-nationalen und daher antisemitischen Grundsätzen sesthalten. Gegen die Unterzeichner dieses Briefes, welcher kurz vor den Maassen-Tmnultcn an die Adresse des Abgeordneten vr. TomaSczuk gelangte, wurde von der akademischen Behörde die Disziplinär-Untersuchung schleunig angestellt, während die gegen Maassen an der Universität Exzcdircndcn, wie bereits gesagt, von jeder Untersuchung verschont blieben. Das Ergcbniß der Untersuchung gegen die Brief-Unterzeichner war die vollständige Relegation des deutschen Studenten Ursinn von der Wiener Hochschule und die Erthcitnng von amtlichen Rügen an alte anderen Unterzeichner. Der ruthenische Professor der bukowincr Universität und liberale Abgeordnete wurde von den! Wiener akademischeu Senate gegen zukünftige unangenehme Briefe geschützt; nichts aber geschah von Seiten der akademischen Behörde, um dem deutschen Professor der Wiener Hochschule, dem konservativen Herrenhans-Mitgticdc, Genugthuung für die ihm zum zweiten Male tagelang zugefügten öffentlichen Beschinipfungen durch -Hunderte von Studenten zu geben; eö wurde keinerlei Vorkehr actroffen, ׳.!!!! die Wiederkehr derartiger schmählicher Szenen zu verhindern. Die Bestrafung der von der Polizei auf der Straße ergriffenen zwei deutschen Studenten mit einmonatlicher Relegation wird wohl Niemand als eine Schutzvortehr betrachten, sondern nur als eine Mahnung, künftige Krawalle auf die Universität selbst zu beschränken, wo man sie unter den Augen des Rektors, dcS Dekans und verschiedener Professoren ungestört itnd ungestraft durchführen kann, selbst mit Gewaltanwendung gegen akademische Diener, wenn es sich um Beseitigung eines dein jüdisch-liberalen Ringe unangenehmen deutschen Professors und Politikers handelt. Wo aber, so fragt man mit gerechtem Erstaunen, bleibt das Ministerium?" — Wenn Stolz und Hochmnth keine Untugenden wären, so hätten wir nach solchen Ausfällen volles Recht, stolz auf unseren Werth zu sein. Man ist nicht im Stande, Positives gegen uns vorzubringen, darum sicht man sich gezwungen, Thatsachen heranznziehen, die mit Scmitismus und Indenthum überhaupt nichts' zu thun haben. Der Jude ,nutz nun einmal verbrannt werden — darum ist's egal, ob der Begriff ״Liberalismus" und ״Indenthum" sich deckt. Der Jude ist todcsschuldig wenn er liberal ist. Ergo ist jeder Liberale Jude und jeder Jude liberal. KomsMdellzcn und Nachrichten. Deutschland. -a- Berlin, 18. Juli. Am 15. d. M. fand in der durch die Versammlungen der Christlich-Sozialen zu einer Berühmtheit gelangten Bockbrancrei eine von dem deutschen Antisemitenbunde cinbcrufene öffentliche Versammlung statt, in welcher der Präsident dieses Bundes, Herr Louiö Cunow, einen Vortrag hielt, welcher zum Thema, wie solches zuvor durch die kongenialen Organe bekannt gemacht worden war, die These hatte: ״Der gefährlichste Feind für Kaiser und Reich ist die Entsittlichung des deutschen Volkes durch das Indenthum." Und zwar sollte mit dieser grauenvollen These eine ErgcbenhcitSadrcsse an den deutschen Kronprinzen als Gegendemonstration wider die Ihren Kaiserlichen Hoheiten, dem deutschen Kronprinzeupaarc, von dm Vertrctcrn mehrerer jüdischen Korporationen in England kürzlich überreichten Adresse, (deren Wortlaut in unserer jüngsten Numnier mitgetheilt ist), vorbereitet werden. Der fanatischste Judenhaß des düstersten Mittelalters hat keinen entsetzlicheren Ausdruck zu finden vermocht, als diese These der Antisemiten enthält. Man hat die Juden gemordet, geplündert und unterdrückt, aber von einer durch das Indenthum bewirkten Entsittlichung des Volkes hat mau nicht zu reden gewagt. Kann man etwas Furchtbareres gegen eine Religion ersinnen? Ucberantwortet man mit dieser These nicht daö Indenthum und seine Hciligthumer dem Banne und seine Bekenner der Wuth des Volkes? Muß diese nicht sich auch gegen Kaiser und Reich wenden, da Kaiser und Reich daö Indenthum als Neligion anerkennen und schützen und den Juden die gleichen Rechte wie den Christen gewähren? Und mit einer solchen These wagt man, eine Ergebcnhcitsadrcsse an den deutschen Kronprinzen in Verbindung zu bringen, wagt man, den Antisemitismus als den Hort für Kaiser und Reich auszugeben! Und dabei hat man die Stirn, zu versichern, daß der deutsche Antiscmitismus nicht ReligiouShaß nähre! Und dabei crdrcistet man sich, den Juden znznrusen: ״die deutsche Sprache

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.