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Jeschurun · 1887-07-14 · Heft 28 (14.7.1887) · p. 442

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 28 (14.7.1887)
Article
An unsere Brüder in Amerika
Date
1887-07-14
Page
442 (sequence 2)
Language
German
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442 Ihr verabsäumt habt und erwäget das Große, das Ihr noch heute schaffen könnt, das Ihr noch heute schaffen müßt, so Euch das Judenthum wahr- Haft theuer ist, so Ihr Euch und Eure Kinder dem Judenthnme erhalten und vor allen Euer und ihr Gewissen schwer belastenden Irrthümcrn, Fehlern und Gesctzesvcrletzungcn bewahren wollet! Wahrlich, wenn Ihr Euch jetzt in einmnthiger Begeisterung erheben und einen רב כללי גאון בתורה ומוכתר, einen Obcrrabbiner an die Spitze der gesammtcn gottcsfürchtigen gcsctzeStreucn Gemeinden NcwyorkS berufen würdet, der durch Wissen und hohe Geistes- und Charaktereigenschaften dazu in Wirklichkeit befähigt und würdig ist, — wahrlich, eine solche ThaL würde Euch zum Berdienst angerechnet werden und zu Eurem Heile gereichen, wie קבלת התורה, wie die Nebcrnahme des Gesetzes unter den Flammen des Horeb! Demi durch diese That würdet Ihr das glorreiche Banner des einzig wahren Judenthums in Eurer Mitte entrollen und unter die Standarte der Thora eine vielleicht ebenso große Zahl von Juden versammeln, als vor dreitausend Jahren den Sinai umstanden. Neues Leben würde in Israel einziehen, die alte Begeisterung unserer Väter würde in Euren Kindern und Eusiin aufs Neue entflammen, eine Begeisterung, welche sie dem Gottesgesetze den alten Sinäischwnr געשה ונשמע entgegenjubeln ließ. Es würde ein Geschlecht für תורת und יראת' in Amerika erblühen. Gemeinden entständen dort, in welchen der alte jüdische Geist der Treue und des Gehorsams gepflegt würde. Uncrsorschlich sind die Wege Gottes! Vielleicht hat Er Euch nach dem transatlantischen Laude der Freiheit geführt, auf daß dort durch Euch das Judenthum zu einer neuen ungeahnten herrlichen Entfaktung gelange. Bedenket dieses, Lheure Brüder. In Eure Hände ist ein großes Werk gelegt, ein Werk, dessen Bedeutung die Gegenwart überragt, dessen Früchte für die Ewigfeit reifen, dessen Verdienst Euch die Seligkeit des Eden sichert. . Bedenket das Wort (Jeremia 15, 19), welches Gott durch den Mund seines Dieners hat verkünden lassen: ״Wahrlich, wenn du zu Mir dich wendest, so wende Ich mich zu dir und du bestehest dann vor Mir; und wenn du das Köstliche aus dein Geringen yervorzubringcn weißt, so wirst du sein wie Mein Mund!" Wenn Ihr mit voller Kraft und in aufrichtigem Ernst Euch der heiligen, von Gott gewiefetten Aufgabe znwcndet, dann steht Euch Gott segnend und schirmend zur Seite und Ihr findet Bestand vor Ihm. Wenn Ihr ans Eurem gegenwärtigen geringen Stande Euch zu dem Herrlichen erhebet, wenn aus dem Elend, das Euch in das ferne fremde Land geführt, dieses Köstliche, die Blüthe des Indenthums, erwächst, dann seid Ihr Verkünder der göttlichen Lehre und Verheißungen und an Euch und Euren Kindern gelangt sie zur sichtbaren Verwirklichung. Wer darum für dieses große Werk mit aller Kraft handelnd eintritt, durch welches dem Judenthnme eine neue herrliche Stätte bereitet wird, an dem erfüllt sich das Gotteswort. Und auch in anderer Hinsicht würde durch die Bestallung eines würdigen Oberhauptes über die gesammte jüdische Bevölkerung NewyorkS Bedeutendes erreicht werden. Alle die kleinen Genossenschaften ivürdcn sich zu einem großen achtunggebietenden Körper vereinen, in welchem alle noch jetzt schlummernden Kräfte, die in der Zersplitterung nicht zur Entfaltung gelangen können, geweckt werden. Auch die äußere Lage unserer Brüder wird sich dadurch heben. Das Kolonisationswerk würde sehr wesentlich durch seine Autorität gefördert werden können. Die europäischen Inden würden solches gewiß kräftig unterstützen, weil sie in der hervorragenden, achtunggebietenden Personlichkcit und Stellung eines Oberrabbiners von Newyork eine sichere Gewähr für die zweckdienlichste Organisation und Verwaltung der Kolonien erblicken könnten, eine Garantie, an welcher cs bis jetzt noch immcr mangelt. Denn die Herren, welche heute noch an der Spitze der amerikanischen Juden stehen und deren Vertretung nach Außen führen, haben das Vertrauen der GesctzeStrencn in Europa nicht. Darum ergeht der Nus an Euch vor Allem, die Ihr Präsidenten der verschiedenen orthodoxen Körperschäften Newyorks seid, nehmet Euch unseres Volkes, nehmet Euch unserer heiligen Religion in Wahrheit und Ernst, in Selbstverleugnung und Hingebung an. In Eurer Hand ruht das Wohl und Wehe des Indenlhums. Ihr vermögt jetzt in kraftvoller Energie das Banner dcS Indenthums zn erheben, wenn Ihr Euch einmüthigen Herzens eng zusammen schließt, um mit vereinten Kräften, in heiliger Vegeisternng Euch zn einer großen achtunggebietenden orthodoxen Gemeinde zu organisiren — unter der auch nach Außen würdig rcprafcutircnben Leitung u n b F ü h r n!1 g eines bedeutenden Oberrabbiners. Diesem Oberrabbiner mögen alle wahrhaft würdigen מורו הוראת, die Ihr unter Euch zählt, zur Seite stehen, sich ihm unterordnen, ans daß dein einheitlichen Zusammen- und Ineinandcrwirkcn das Große gelinge: ein durch Gottesfurcht und Gesetzestreue, durch wahre jüdische Wisscnschast und ächte Bildung imposantes jüdisches Gemeinwesen in Newyork erstehen zn lassen. Ein solches würde Allen znm Heil und Segen gereichen. Auch der äußere gedrückte Zustand der gesetzestreuen Lehrer und Nabbis bei Euch

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