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Jeschurun · 1887-07-07 · Heft 27 (7.7.1887) · p. 421

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 27 (7.7.1887)
Article
Der Bene-Berith Orden
Date
1887-07-07
Page
421 (sequence 5)
Language
German
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421 wiederlegen, und wir erkennen in ihnen eine Bestätigung unserer Ansicht. Warum er den doch in Abschrift vorhandcnen Vortrag seinem Schreiben nicht angefügt hat, ist um so unerklärlicher und bedauernswürdiger, als er in Herrn Dr. Auerbach einen mit so gewichtigeren und unparteiischeren ,.Zeugen" für seine Ausführungen zu besitzen meint, da Herr Dr. Auerbach selbst nicht Mitglied der Loge ist. Uns scheint gerade aus diesem Umstande hervorzugchen, daß Herr Rabbiner vr. Auerbach die Ansicht des Herrn Benjamin Hirsch nicht theilt. WaS für ״lokale Gründe" könnten ihn hindern, dem Orden beizutreteu, falls er ebenso wie Herr Hirsch der Ansicht wäre, daß die Orthodoxen die erhabene Aufgäbe haben, dem Orden beizntretcn? Von einer erhabenen Aufgabe können doch ״lokale" Grunde nicht entbinden. Herr Benjamin Hirsch wohnt doch auch in Halberstadt, und cs liegen keine lokalen Gründe vor, welche ihn dieser ״erhabenen Aufgabe" entziehen konnten. Wir sind begreiflicher Weise über die Stellung dc§ Herrn Rabbiner Dr. Auerbach zum Vene-Bcrith Orden nur auf Vermuthungcn angewiesen, da Herr Benjamin Hirsch gerade bei diesem nach seiner Versicherung stärkstcn Beweise gegen uns es leider vergessen hat, diesen Beweis selbst zur Stelle zu bringen. Wir erklären uns aber das Ausfallende der Thalsache, daß ein Rabbiner bei der Gründung einer so hochbcdeutsamcn Institution, — wie der Bene-Berith Orden doch nach Herrn Hirsch sein soll, — bereu Förderung ״die erhabene Aufgabe" der Orthodoxen ebenfalls nach Herrn Hirsch sein soll, durch einen sehr bedeutenden Dortrag mitwirkt, dennoch aber ihr fern bleibt, auch aus lokalen Gründen dahin, daß Herrn Du. Auerbach allerdings lokale Gründe als Motiv dienten, aber nicht für den Nichtbeitritt, sondern für die Th eil nähme au der Jnstallationsscicr. Dagegen halten ihn prinzipielle Erwagungen von seinem Eintritt in den Orden zurück. So vermuthen wir. Die mit 2) anhcbende AnSstellung vermögen wir, aufrichtig gesagt, nicht zu verstehen. Wir meinen dieses buchstäblich. Herr Benjamin Hirsch, der unter k) behauptet hat, daß der Orden nur גמילות המדים pflege, erhebt hier gegen uns den Vorwurf, daß wir ganz übersehen, wie der Orden die Aufgabe habe, Juden als charakterfeste, makellose Menschen zu erziehen. Alles ohne תורה ועבודה?! Wir sollen mit Stolz Kunde davon geben, daß wir der jüdischen Nasse angehören, ״die seit Abraham die historische Mission übernommen hat, zum Heile aller Völker der Erde, erziehend, belehrend und bildend zu wirken." A u ch ohne תורת ועבודה, ohne In de nt hum?! Was lehren, für was erziehen, wodurch lehren, wodurch erziehen?' Nicht durch הודה ועבודה, nicht durch Erkcnntniß und Bethätigung des JudenthumS, welches doch auch nach Herrn Benjamin Hirsch ohne תודה ועבודה nicht denkbar ist?! Derselbe ist mit uns gewiß von der Wahrheit durchdrungen, daß die Nachkommen Abrahams diese historische Mission von Gott ctnpfangen haben, daß sich kein Jude zu keiner Zeit davon entbunden betrachten darf, will er nicht Gott die Treue brechen. Derselbe ist mit nnS auch gewiß von der Wahrheit durchdrungen, daß diese Ausgabe in nichts Andern! besteht, als in der Erfüllung des jüdischen Ncligionsgesetzes. Wenn wir charakterfeste, makellose Juden zu erziehen haben, so — das sollte uns Herr Benjamin Hirsch nicht zugestehen'? — gicbt es für diese Erziehung gar keinen andern Boden als den Boden des jüdischen NeligionSgesctzes. Und wenn wir selbst bei unseren Feinden Anerkennung finden wollen, so gicbt. es für nnS auch hier kein anderes Mittel als die Erziehung der Juden zu gewissenhaften treuen Juden, zu wahren Bcue-Berith, zu wahren Söhnen des ״Bcrith", in welchen Israel in allen seinen Geschlechtern am Horeb eingetretcn ist. Wer aber diesen ״Bcrith", das jüdische Neligionsgesetz, nicht als für sich verpflichtend anerkennt, der kann wahrlich nicht für die Mission, die Gott dem jüdischen Stamme crtheilt hat, wirken. Es schmerzt uns tief, — und wir erkennen hierin zu unserem aufrichtigen Bedauern die eklatanteste Bestätlgung für unsere Anffassung von bem Bene Bcrith Orden und der Gefahr, die aus demselben droht, — daß selbst ein Mann, welcher, wie Herr Benjamin Hirsch, auf dem Boden des orthodoxen Judenthums steht, durch den schillernden Glanz der Phrase sich hat derartig blenden lassen, daß ihm die Klarheit des Blickes so vollständig abhanden kommen konnte. Er bewegt sich in vollen Widersprüchen und ergeht sich in durchaus irrigen Vorstellungen. Er befindet sich in dem Bannkreise der Reform. Wenn auch nicht für sich persönlich, so giebt er doch im Allgemeinen den einzigen festen Boden dcS Judenthums ans, und erkennt dem Abfall, der Reform, eine Berechtigung neben dem einzig wahren Jndcnthnm zu. WaS wir in der vorigen Nummer bereits kurz erwähnt haben, hat eine nähere Betrachtung erhärtet: Herr Benjaruin Hirsch, der Präsident der Vcrmd- Lehmann-Loge des Bcue-Berith Ordens hat nicht nur keine Widerlegung, sondern recht eigentlich eine Bestätigung der von uns gehegten Ansicht über den Bene- Bcrith Orden geliefert. Wir wollen diese Betrachtung nicht noch weiter ausdchnen. Sie hat schon länger gedauert, als wir eigentlich beabsichtigt hatten. Wir lassen deshalb noch Manches unerwähnt, waS in Herrn Benjamin HirschS Schreiben sich der Erörterung noch darböte.

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