Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1887)
- Article
- Der Bene-Berith Orden
- Date
- 1887-07-07
- Page
- 422 (sequence 6)
- Language
- German
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422 Der Bene-Berrth Orden erkennt ein anderes Ideal a!S das jüdische an. Wer an ihm mitarbcitct, fördert das Werk der Reform. Art iinfrre Mer in Amerika. (Fortsetzung.) DaS hauptsächlichste Hinderniß für eine umfassende Umgestaltung der jüdischen Verhältnisse in der großen Stadl Ncwyork ist die Zersplitterung der Kräfte, der Mangel eines cmigk-ndcn BandcS. Hieraus resultirt die Ohnmacht und Schwache, welche bis jetzt eine kraftvolle Entfaltung dcS hier in den Einzelnen schlummcrudcn religiösen Gefühls nicht aufkommen ließ Einer Vereinigung aller hier vorhandenen acht jüdischen Elemente, die in den bestehenden kleineren religiösen Gemeinschaften sich bislang ein Genüge sein lassen, unter einem religiösen Obcrhaupte, unter einem Oberrabbiner der orthodoxen Juden Neu Yorks, würde wahrhast Großes begründen können. Im physischen Organismus bilden sich oft Gebrechen und Schwächczustände aus, welche durch die lange Dauer als natürliche und normale betrachtet werden. Ja, diese Zustände der Hinfälligkeit und des Leidens erscheinen mit der Zeit oft interessant und angenehm. Dem Kurzsichtigen und GesichtSschwachen dünkt die Brille als Zierrath, wahrend sie doch eigentlich nur ein Nothbehelf für sein Gebrechen ist. Achnlich ergeht eS unseren gotteSfürchtigeu und frommen Brüdern in Newyork. Sie haben sich an ihre Schwäche derart gewöhnt, daß sie den daraus rcsnltircndcn Mangel nicht empfinden und nicht ein sehe n, welche Schädigung dadurch den religiösen Anforderungen erwächst, daß sie den Mangel einer Vereinigung der religiösen Korporationen unter einem hervorragenden geistlichen Ober- Haupte nicht begreifen. Wir haben schon vorhin darauf hingcwicsen, daß im Anfänge der dortigen Niederlassung unsere frommen und gottcSfürchtigen Brüder sich im Zustande der Armuth und dcS Elends befanden und nur vereinzelte Elemente vorhanden waren, welche einen innigen gegenseitigen Anschluß zur Kräftigung des religiösen Bewußtscinö anstrebten, während zu gleicher Zeit aber die Nefornr sich immer mehr ausbreitcte. Es mußte deshalb von Sciten der wahrhaft gefctzestrcnen Inden mit vollem Rechte schon als ein Großes freudig begrüßt werden, wenn eS ihnen gelang, einen kleinen Kreis Gleichgesinnter zu sammeln, der Lurch die vereinte Kraft der schwachen Einzelnennothdürftig für die dringendsten religiösen Bedürfnisse zu sorgen vermochte. Sie sollten aber niemals vergessen, mit welchen Schwierigkeiten sie hierbei zu käntpsen hattenund zur Genügeerkannt haben, daß nur wegen ihres Unvermögens sie sich mit dem Wenigen begnügen mußten, und daß nur aus diesem Zu stände der Schwäche diese kleinen Gesellschaften hervorgegangen sind, von denen jede einzelne wie ein Samenkorn ist, daß aber anö der Vereinigung aller dieser Körnlein' ein großes, herrliches Ganze erwachsen könnte. Wir wollen uns auch nicht verhehlen, daß bei der Gründung dieser vielen kleinen Korporationen oft auch eine wenig lobenSwürdige Eitelkeit mit unterlief. Je mehr Gemeinden, desto mehr Präsidenten und Ehrenämtchcn. Die von kleinlichem Ehrgeize Erfüllten fördcrtcn oft die Trennung und Sonderung und verhinderten den Anschluß an bereits bestehende Gemeinden. Sie suchten vielmehr neue kleine Korporationen zu gründen, um in ihnen eine gewichtige Stellung einzunchmcn. So zersplitterte sich die jetzt' ansehnliche Zahl unserer Brüder in Newyork in lauter kleine Verbände, zerstreuten Saatkörnern gleich, die kraft lös und unfähig sind für die hier zu lösende große Aufgäbe auf dem jüdisch-religiösen Gebiete etwas ErspricßlichcS zn leisten. Wer auch nur einigermaßen Einsicht von den für die Erhaltung jüdischen Geistes und Lebens :1olljwendigen Erfordernissen besitzt, wird darüber nicht im Zweifel sein können, daß ebenso wie cs für jeden Einzclncn heilige Pflicht ist, Thesillin anzulegcn und sich des Genusses unerlaubter Speisen zn enthalten 11. j. w., cs der Gemeinde heiligste und oberste Pflicht ist, an ihre Spitze einen in der Kcnntniß der jüdischen Religionswisscnschaft wirklich durchaus erfahrenen Rabbincr zu stellen. Die wahre theoretische Erkenntniß sowohl, wie die gewissenhafte praktische Bcthatignng des IudcnthnmS ist hiervon bedingt. Nur unter der Leitung und Führung eines Rabbiners, den man in Wahrheit als einen רב גדול בתודה bezeichnen kann, ist für die religionSgcsetzmäßige Einrichtung und Handhabung aller jüdischen Institutionen volle Gewähr geleistet.' Wahrlich, unsere Weisen ז״ל haben mit Recht Denjenigen, welcher spricht: was nützen mir die Nabbinen? zn den Gesetzes- Verächtern gezählt. Und zu diesen zählen auch in der Thal Diejenigen, welche heute sagen: was bedürfen wir eines großen, bedeutenden Nabbinen? wir können uns sehr wohl mit irgend einem Manne begnügen, welcher im Stande ist, über *דבר וטרפד nothdürftig eine Entscheidung abzngcben. Würde man denn nicht der Einfalt und Thorhert spotten, welche eine derartige Sprache führen wollte, wenn eS sich um materielle und physische Anliegen handelt? Spricht man auch so. wenn eS der Heilung eines Kranken gilt? Sagt man da auch: ich bedarf keines wirklich geschickten und erfahrenen Arztes, mir genügt ein Stümper und Medizin-