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Jeschurun · 1887-07-07 · Heft 27 (7.7.1887) · p. 419

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 27 (7.7.1887)
Article
Der Bene-Berith Orden
Date
1887-07-07
Page
419 (sequence 3)
Language
German
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419 gesctzeS. eS genüge hierfür, die für alle Menschen gkltigcn Gesetze der Moral und Humanität zu erfüllen. Was sagt Herr Benjamin Hirsch dagegen? ״Dieselbe (die Venc-Berith-Loge) sucht vielmehr nur für diesen Zweig (die Pflege von גמילות הסדים) das allen Juden gemeinsame Arbeitsfeld zu knltivircn. Für nnS Orthodoxe bleibt innerhalb und außerhalb der Loge ג׳וז nur das eine Fundament, während תורה ועבודה die beiden anderen Fundamente bilden, ja die Pflege von תורה ועבודה geben uns und dem Judenthum erst die vollste Bedeutung." Kann cs eine cHatantcrc Bestätigung unserer Worte geben, als Herr Benjamin Hirsch hier ansgesprochen hat? Sagt er hier etwas Anderes als: wir orthodoxe Juden kennen freilich kein Judcnthnm ohne תורה ועבודה, der Orden hat aber hiermit nichts zu thun? Daß aber der Orden nicht eine einfache גמילות הסדים Chcwra, ein schlichter ״WohltlMigkeitSvercin" je in will, wie solche überall vorhanden sind, so daß inan sagen könnte, derselbe verfolge lediglich den Zweck, Noth und Leid der Mitmenschen oder der LereinSbrüder zu lindern, und knltivire eben nur einen ..Zweig unseres NcligiousgcsetzeS", ohne damit gerade diesen als das höchste Ideal zu proklamiren, mit anderen Worten: der Bme-Berilh Orden stände mit den Orthodoxen auf dem gleichen Boden der Anerkennung des JudcnthnmS, widme aber seine spezielle Thätigkeit mir der Ausübung einer bestimmten jüdischen Pflicht — das wird Herr Benjamin Hirsch doch nicht zu behaupten wagen. Man kann nicht nach Willkür das Wesen einer Institution verändern. Am allerwenigsten aber vermag ein Einzelner, seine individuelle Auffassung als die-- jciiigc der Gesammtheit auSzngebcn. Herr Benjamin Hirsch, welcher der allcrjüngslcn der nach Hunderten zählenden Logen angchört, kann cS uns nicht verdenken, wenn wir ihn trotz seiner jungen Präsidcntcmvürde nicht berufen und befähigt erachten, über das eigcntliche Wesen dcS Ordens authentischen Aufschluß zu er-!heilen, sobald seiner Auffassung von anderer, erfahreneuer Seite widersprochen wird. Der Benc-Berith Orden zählt, wenn wir recht berichtet sind, etwa 60 000 Mitglieder. Wir glauben nicht, daß einem der jüngsten Ordensbrüder Vollmacht crtheiLt worden ist, das Wesen des Ordens anders darzustellen, als cs bis jetzt in Wirklichkeit war, auch glaube» wir nicht, daß man ihm, diesem Jüngsten, sofort eine solche Machtstellung eingeräumt hat, daß er etwa seine Meinung als die zukünftige Grundlage des Ordens betrachten darf. So gilt uns der Ordensbruder Dr. Krön er von Brandenburg, welcher von der Berthold-Auerbach-Loge nach Halberstadt zur Installation der dortigen Loge als Vertreter entsendet worden war, als eine weit gewichtigere Autorität in Sachen des Bene-Berith Ordens. Wir entnehmen dessen Rede*) bei der InstallationSfcier die folgenden Satze: ״Also erhebt sich der hiesige neue Tempel der Humanität, ein Heiligthum unseres geliebtcn Ordens, der sich, um cs kurz zu sagen, von ähnlichen Verbindungen dadurch miterscheidet, daß er die Besten Israels aus allen Ständen zur schönsten BeLHStigung der hehrsten Ideen des Judenthums, oder, was im letzten Grunde dasselbe ist, des gottverklärten MenschenthumS vereinen will." ״Die Kräfte einigen zu harmonischem Zusammcnwirken in! Liebesdienst der Menschheit, ist das herrliche Hochziel unseres Ordens. Jeder Einzelne, der sich ihm anschlicßt, fühle sich als wackerer Mitarbeiter an dem großen Liebeswerre; er tritt aus dem engen Kreise seiner Sondcrmteressen heraus und hat das beglückende Bewußtsein, daß er wächst mit seinen höheren Zwecken. Wer'in solcher Hingabe unserem Orden dient, an dem wird sich erfüllen das inhaltsschwere Dichterwort: ״Wer immer strebend sich bemüht, Den werden wir erlösen." Ja, der wird erlöst von allem Niedrigen und Gemeinen, von allem Engen und Bedrückenden; eS weitet sich sein Herz und sein Blick, er schaut im Geiste die Zeiten,- die da kommen werden, das Frühroth besserer Tage, die herbeizuführen wir mit vereinten Kräften streben. Liebe Brüder! In des Lenzes lieblichem Schmuck wird Ihr Bund geweiht; er möge — er wird, sagt uns eine innere Stimme — vereint mit den Schwesterlogen, dazu beitragen, daß einst in des Vötkerlenzes noch lieblicherem Schmuck jener Menschheitsbnnd geweiht wird, den die edelsten Geister aller Völker ersehnt, die heiligen Seher Israels zuerst erschaut und verkündet haben. O, welche weltverklärende FesteSstimnumg überkommt das Herz! Wie wird da die Freude anschwellen zu einem himmelstürmcnden Hallelujah aller Geister und Herzen, zu einem Myriadensachen Dankes- Hymnus, der erschallt hin bis zu dem heiligen Urquell alles Lichts, alles Lebens, aller Liebe." Und da könnte noch irgend ein Zweifel darüber obwalten, daß dieses so schwärmerisch überschwänglich gezeichnete Hochziel des Ordens, welches, wohlgemerkt *) Mitgetheilt in NahmerS ״Jüdisches Familie nblatt", Nr. 26.

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