Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1887-06-23 · Heft 25 (23.6.1887) · p. 387

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 25 (23.6.1887)
Article
Der Bene-Berith Orden
Date
1887-06-23
Page
387 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2932754-2932755-2932780-2935616--25280-2935669
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

387 gebracht und durch persönliche Leistungen LiebeSwcrkc geübt im Einzclleben und in Vereinen, — in jedem Dürftigen den minderglucklichcn Bruder erkennen und achten, sich als dessen Helfer, nicht als dessen Richter, begreifen, keinen Dank von ihm erwarten, — das ist die vom Judenthum gelehrte und, Gott sei Preis und Dank, in acht jüdischen Kreisen auch bewußt angestrebte Ucdung der Menschenliebe. Wahrlich, hier ist für einen in buntem Aufzug phantastisch ausstoffirten, mit seitsaincm, eitlem, wichtig thncndcm Gebühren auftrctenden und in schön klingenden Phrasen sich ergehenden Bund, der besten Falls die Tausende und aber Tausende von humanen Vereinen, welche seit Jahrhunderten hier heimisch sind, um einen neuen vermehrt, kein Platz. Für einen פס ממלל רברבן, für eine lediglich große Worte im Munde führende Institution giebt es im Judenthum keinen Boden, hier verschiuäht man leeres Gepränge und die Spekulation ans Eitelkeit, GroßmannSsucht und den Reiz des Besondcrn und Gehcimnißvottcn. Eine Institution, die dergleichen nicht entbehren zu können glaubt, ist nicht nach dem jüdischeu Geiste. Will man im Judenthum Veredlung des Menschen an streben, so pflege man die Erkcnntn iß des heiligen Schriftthums und fördere die Befolgung des jüdischen Gesetzes im praktischen Leben. Will man wahrhaft fromme Werke der Menschenliebe üben, so richte man sich nach der altbewährten ernsten, schlichten Vütcrweise, man vereinige sich zu einem bestimmt ansgesprochenen edlen Werke und schaffe dafür rüstig nach bester Kraft und Einsicht im Geiste und nach den Satzungen des Judcnthums. Aber mehr noch als das äußere Gcbahrcu des Beuc-Berith-OrdcnS ist dessen Prinzip durchaus unjüdisch. Jedes Hervorhcben eines einzelnen Gebotes ans der Fülle der Gesetze, welche das Judenthum anSmachen, um gerade dieses als das wichtigste und wesentlichste zu bezeichnen, als das höchste Ideal, dessen Verwirklichung die Lebensaufgabe des Juden erschöpft, ist als eine Verirrung zu beklagen. Das Judenthum ist ein einheitliches Ganzes; wer sich nur zu einem Thcile desselben bekennt, leugnet das Ganze. Eine Scheidung zwischen den Satzungen der Menschenliebe und der Moral einer- und den unser Leben eigenartig jüdisch gestaltenden Geboten Gottes andererseits ist eine Leugnung des JudenthumS. Der Bcne-Bcrith Orden aber statuirt eine solche Scheidung. Er spricht eS aus, daß er seinen Mitgliedern als höchstes Ideal nicht das ganze Judenthum zeigen wolle. Ja, er verbannt grundsätzlich aus seinem Kreise die Erörterung des ganzen JudenthumS. Er proklamirt den Gedanken, daß cs zur höchsten Erreichung der seinen Mitgliedern obliegenden. Lebens-, ansgabe etwas Anderes gebe, als die Erfüllung des jüdischen NeligionSgesetzeS, daß cS auch den Juden, vollauf genüge, die für alle Menschen gültigen Gesetze der Moral und Humanität zu erfüllen. Er schließt deshalb auch wirklich die Religion, das Judenthum, von seiner Pflege auS und leistet somit als ein von Inden für Inden gegründeter Bund der verhängnißvollen Täuschung Vorschub, als ob das Jndcnthum von seinen Bckenncrn keineswegs die gewissenhafte Besolgung des Gesetzes verlange,( als ob die von Gott den Inden für alle Zeiten auscrlegtc Verpflichtung auf diese Satzungen gar nicht ernst gemeint sei, und man feiert Genossen als für das Judenthum begeisterte Inden, die dem Judenthum längst den Rücken gekehrt oder eS niemals bekannt haben. Wir beklagen es deshalb aufs Tiefste, daß man in gesctzestreuen orthodoxen Kreisen so kurzsichtig ist, dieses die jüdische Wahrheit trübende Prinzip des Bene-Vcrith Ordens zu verkennen und sich, wenn auch gewiß auS reinem Beweggründe, diesem anzuschließen. Man dient damit dem Benc-Berith Orden als Empschlung in orthodoxen Kreisen. ״Seht, die Herren N. und welche doch gewiß sehr fromm sind, haben eS für Recht gehalten, Ordensbrüder zu werden!" ruft man den Orthodoxen zu. Und wenn dann der schlichte, gcsctzcstrene Mann, welcher bis jetzt der Ansicht ge- Ms.cn ist, daß man allerdings ein Verächter des jüdischeu Gesetzes und kein guter Jude ist, so man dasselbe regelmäßig Übertritt und sich um dessen Vorschriften gar nicht kümmert, wahrnchmcn muß, wie trotz dieser GesctzeSverachtung Diejenigen, welche sich solcher schuldig machen, von eben diesen anerkannt frommen und orthodoxen Männern als die Edelsten der Edeln in einem jüdischen Vereine mit gefeiert werden — wird er da nicht irre an dem, was im Judenthume Mustergültig und erstrcbenswürdig oder zu meiden ist? Diese frommen orthodoxen Männer haben cs vor Gott und der Welt zu verantworten, wenn im Kreise der Orthoboxen der Ernst und die gewissenhafte Treue Schiffbruch leiden. Mögen sic doch dieses bedenken, falls sie für sich und ihre Treue nicht fürchten zu müssen glauben, wenn sie gar wähnen, durch ihre Förderung der Bene- Berith-Logcn ein gutes Werk zu üben. Sollte» unsere wohlgemeinten Bedenken bei ihnen nichts verschlagen, so mögen sie die jüngste Nummer der Nahmer'schcn Wochenschrift (Nr. 25) zur Hand' nehmen und Len Jubel über die Eroberung der frommen Gemeinde Holbcrstadt für den Bene-Berith Orden mit dem Leitartikel derselben Nummer vergleichen. Die beiden Berichte aus Halberstadt M. II. (M. Nahmer, Redakteur der Wochenschrift?) gezeichnet, fließen vyn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.