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Jeschurun · 1887-06-23 · Heft 25 (23.6.1887) · p. 386

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 25 (23.6.1887)
Article
Der Bene-Berith Orden
Date
1887-06-23
Page
386 (sequence 2)
Language
German
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386 Wir wissen wohl, daß man uns entgegcnhalten wird, daß eS uns, die wir diesem-Orden nicht angehören, nicht zustande,. ein Uriheil über denselben abzugeben. Ueber dasjenige, waö zu den Geheimnissen des Ordens gehört, urtheiten wir auch nicht. Wohl aber sind wir vollauf berechtigt, das, was in die Oessenttichkeit tritt, zu besprechen und daran unsere Meinung zu bilden. Drängt sich doch' gerade der Bcnc-Bcrith Orden recht geflissentlich an die Oeffcntlichkcit. Die von Herrn Nahmer in Magdeburg herausgegebene ״Israelitische Wochenschrift" hat ihm eine fast ständige Rubrik: ״Mittheilungcu aus dem U. O. B. B." cingeräumt, und auch die von Herrn De. H. Hildesheimcr in Berlin herausgcgcbene ״Jüdische Presse" veröffcntlicht ziemlich häufig und öfters recht umständlich über die Feste desselben. Auch die Mitglieder selbst, welche sich mit dem Beiwort ״Bruder" schmücken, sprechen sich über das Wesen ihrer Vereinigung offen aus. Was sie etwa verheimlichen, soll das eigentliche Wesen des Bundes gar nicht treffen. Derselbe soll gar kein geheimer Orden sein. Er besteht ja im Angesichte der weitesten Oessenttichkeit, seine Mitglieder bekennen sich offen zu ihm und machen aus seinen Grundsätzen und Zielen gar kein Gchcimniß. Nur gegewisse Symbole, gewisse Gebräuche entziehen sich der allgemeinen Kunde. Veredelung der Gesinnung, Beförderung der Eintracht und Uebung humaner Werke seien die Aufgaben, welche er sich gestellt und an deren Lösung cr arbeite. Und was wäre hieran anszusetzen? Wie könnte eS irgend einen edelgesinnten Menschen geben, der sich solchen Bestrebungen entgcgenstellen wollte? Ist cs nicht in Wirklichkeit die Ausgeburt einer von Fauatismus umnachtetcn Anschauung, welche hier eine Trübung des jüdischen Bewußtseins, eine Gefahr für das Indenthum erkennen zu müssen wähnt? Sicherlich nichts, wenn cs uni einen interkvnjessionellcn Bund sich handelte. Wenn Christen oder Mnha- -mcdaner sich vereinigen, um, wie Lessing von der Freimaurcrei spricht, ״altes mögliche Gute zu fördern, allen möglichen Nebeln entgegen zu arbeiten, ohne Nachtheil des Staats und der Gesellschaft", und auch Juden auffordern würden, sich diesen Bestrebungen anznschlicßen und in ihren Bund cinzutrctcn, so könnte der Jude dieser Einladung willig Folge leisten. Die Verwirklichung der humanen Idee kann auf seine treue Mitavbeit an der Seite des christlichen oder muhamcdanischeu Bruders rechnen. Der Christ und Muhamedancc haben sich in diesem Bunde ein Ideal vorgesctzt, welches dem Ideale des Juden ähnelt. Er hat dieses nicht zu verleugnen, wenn cr mit Jenen gemeinsam wirkt. Er setzt kein anderes an seine Stelle. Er bekennt sich nach wie vor zu dem jüdischen. Er hat sich mit ihnen nur vereinigt, um mit ihnen, die nicht auf das Juden׳- thum verpflichtet sind, an denjenigen Bestrebungen mitzuarbeiten, die auch einen Thcil der von ihm bekannten Wahrheit bilden, in welche sich aber diese nicht erschöpft. Der pricstcrlichc Beruf Israels wird von ihm hier nicht anfgegehen und nicht verleugnet. Anders ist cs aber, wenn Juden zusammentreten, um sich ein gemeinsames hehres Ziel zu setzen. Wenn sie, wie in dem Bene-Verith Orden, der ausschließlich von Juden für Juden gegründet ist,*) das höchste von ihnen zu verwirklichende Ideal aufstcllen und als solches nur den humanen Geist des JudcnthnmS anerkennen, die Verpflichtung zur Erfüllung des ganzen jüdischen Gesetzes aber davon ausschtießen, so ist hier implicite eine Leugnung des Judcuthums angebahnt worden. Der Juden höchstes Ideal ist längst gegeben. Es heißt Erfüllung des ganzen Gesetzes. Der Jude, der hier eine Scheidung vornehmen will, indem cr z. B. die Beobachtung der Sabbath- und Nahrungsgesctze für minder wesentlich jüdisch erklärt, als andere Gebote, welche er mit der übrigen Menschheit zu beachten hat, der verkennt den wahren Geist des JudcnthnmS, der verleugnet dessen eigentlichstes Wesen. Das Jndenthnm hat die reine Humanität zur nothwendigcn Voraussetzung. Es ist aber etwas Höheres. Es ist das von Gott angcordncte Pricsterthnm der Menschheit. * Der Jude, welcher dieses durch die treue Erfüllung der von Gott gegebenen Gesetze zu bcthcitigende Priesterthum leugnet, welcher an Stelle desielben unter Ansschluß der praktischen Befolgung dieser spezifisch jüdischen Gc- und Verbote ein anderes Prinzip als das höchste Ideal ansstellt, selbst wenn dieses die reinste Menschenliebe in sich begreifen würde, welcher dieses jüdische Priestcrthum für das Minderwcrthige oder Unwesentlichcre im Judenthumc erklärt, verleugnet das reine jüdische Bekcnntniß. Innerhalb der jüdischen Gemeinden hat von jeher neben Thora und Aboda auch Gemilnth-Chescd die sorgsamste Pflege und Bethätignng gefunden. Diese aus Thora und Aboda, auf dem Grunde eines acht jüdischen Lebens sich entfaltende opferfreudige und stets opferbereite wcrklhälige Humanität wird in anderen Kreisen vielleicht kaum begriffen, sie ist aber die Herrlichste Krone ans dem Haupte Israels, vor welcher selbst dessen Feinde stets in Ehrfurcht sich geneigt. Ohne Prunk und Schaustellung, ohne hochtönende Phrasen gewissenhaft den zehnten Thcil des Verdienstes ans den Altar der Menschenliebe לשם שמים dar- *) ObNichtjnden grundsätzlich ausgeschlossen sind, ist uns nicht bekannt. Jedenfalls zählt cr thatsäclllich nur Juden zu seinen Mitgliedern und bezeichnet sich überall ulS einen Mischrn Bund. ' ״ ״

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