Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1887)
- Article
- Der Bene-Berith Orden
- Date
- 1887-06-23
- Page
- 388 (sequence 4)
- Language
- German
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stolzem Siegesmnthe und süßen Phrasen für die Halber-- städter Orthodoxen über, während jener Leitartikel die Orthodoxie in den Staub zieht. Wie im Gemeindcbunde, so sollen auch hier die Orthodoxen an den Triumphwagen der Reform gespannt werden. Die orthodoxen Bcne-Verith Brüder helfen das jüdische Bewußtsein trüben und arbeiten, sicherlich unbewußt, im Geiste der Reform zur Kräftigung der Reform. An uttfm Mer in Amrikrii.*) Liebe Brüder! Die Mitlheilnngen, welche durch die geschätzte Zeitschrift ״Jeschuruii" über die aus Rußland und Rumänien an dem jenseitigen Ufer des Atlantischen Ozeans sich angesiedelten Glaubensgenossen zu uns gelangt sind, haben hier stets das lebhafteste Interesse wachgerufcn. Bilden wir doch allesammt eine einzige große Familie, deren Glieder durch die Bande des Bluts nicht nur, sondern auch durch das noch viel heiligere und darum festere Band des gemeinsamen Vekenntnisses und der uns Alten obliegenden.Bestimmung: durch die treueste und hingebenste Erfüllung der Satzungen des Iudcnthums לקרא בשם ה׳, den Namen GottS der Menschheit zu verkünden, auss Innigste mit einander verknüpft sind. Wenn cs Euch wohlergehet, so freuen wir uns mit Euch, wie wir Eure Sorge und Euren Knmmer Mitempfinden. Die in den letzten Jahren so bedeutende Dirnen--' sionen angenommene Auswanderung nach Amerika ist aber ein so wichtiges Ereigniß in der Geschichte des jüdischen Volkes, daß sie die ernsteste und eingehendste Beachtung und Erörterung des gesammten Israel vcrdient. Möchten doch alle angesehene, geachtete und gottcssürchtige Männer überall ihren Sinn auf die Immigration in Amerika lenken, hierüber reiflich nachdenken und sich auSsprcchen. Die Auswanderuugssragc ist von der eminentesten, allgemeinsten Tragweite, sowohl in Hinsicht der äußern Verhältnisse wie der religiösen Seite. Ganz Israel ist bei derselben intercssirt. Die Auswanderung nach Amerika ist nach der Gestaltung der obwaltenden Verhältnisse in den detreffenden europäischen Ländern säst zu einer unumgänglichen Nothwendigkeit geworden, so daß es *) Diese vornehmlich au unsere aus Nußsand und Rumänien flammenden Brüder in Amerika gerichtete beherzigenswerthe Mahnung ist uns von hochachtbarer, mit den amerikanischen Verhältnissen wohl vertrauter Seite znr Veröfsemlichnng zu׳ gegangen. völlig überflüssig ist, eine Untersuchung darüber anznstcllen, ob solche für die Entwickelung des religiösen Lebens und Geistes heilsam und wünschcnSwerth erscheint. Wir nehmen die gegebene Thatsache hin, ohne hierüber uns in zwecklose Erwägungen zu ergehen. Verfolgung. Bedrückung, Beschränkung und Roth zwingen mm einmal viele tmserer Brüder in verschiedenen europäischen Staaten, die Hcimath zu verlassen, um ׳ sich eine Stätte zu erspähen, wo sie ungehindert für die Ihrigen ein Stückchen Brod sich erringen können. Sie wenden sich nach Amerika. Sie fragen nicht, ob sie dorthin gehen sollen. Wir sind deswegen hier auch der Antwort überhobcn. Wir haben die gegebene Thatsache hinzunehmcn und uns daraus zu beschranken, wie wir durch entsprechenden Rath dazu beitragen können, wahrhaft jüdischen Geist bei ihnen zu fördern und zu pflegen. Die Verhältnisse der hier vornehmlich ins Auge gefaßten Immigranten waren bis vor wenigen Jahren sowohl in allgemeiner wie in religiöser Hinsicht ziemlich untergeordneter Art, ganz besonders aber in letzterer Vezichnng. Bis vor etwa zehn Jahren, che die Kalamität des wiederum in schrecklicher Gestalt offen' auftretenden Judenhasses über Europa hcrcinbrach, waren dieser Immigranten vcrhältnißmäßig nur wenige, und diese zählten meistcntheils zu den Allerärnistcn und Niedrigsten. Sie waren durch verschiedenartige, sie allein persönlich betreffende Beweggründe veranlaßt, nach Amerika anSznwandcrn. Das allgemeine Augenmerk war nicht ans sie gerichtet, man beachtete sic kaum. Das ist aber jetzt, wo die furchtbare, nnerbittliche Nothwendigkeit die Immigration zu einer ständigen allgemeinen Angelegenheit gemacht hat, zu einer Unmöglichkeit geworden. Es ist nunmehr zu einer unabwcisbarcn Pflicht der Allgemeinheit und vor Allem der geistig Hochstehenden in Israel geworden, dieser Frage die vollste Aufmerksamkeit znznwenden. Sie dürfen sich derselben nicht entziehen. Ganz besonders und au allererster Stelle gilt dieses hinsichtlich der Gemeinden, welche seitens unserer aus Rußland und Polen stannncnden Brüder in Amerika entstanden sind. An diesen ist es zunächst, unter Aufgebot ihrer vollen Kraft, einznstchen für Gott und Seine heilige Sache, für das achte, wahre, ganze Iudcnthnm, auf daß cs im neuen Wcltthcil, in der neu gefundenen veimath, in dem gegenwärtigen und zukünftigen Gesch!echte Männer und Frauen sinde, welche hier das Banner des alten ewigen HeiligthnmS Israels entrollen und in Treue und Begeisterung zu ihm stehen alle Zeit. Das ist cs, worüber wir zn Euch, liebe Brüder, hier sprechen möchten. Laßt nnS über Eure Verhältnisse ein osseneS Wort reden.