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Jeschurun · 1887-06-09 · Heft 23 (9.6.1887) · p. 354

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 23 (9.6.1887)
Article
Jüdische Geschichtsanschauung
Date
1887-06-09
Page
354 (sequence 2)
Language
German
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354 Ursache, Zweck und Ziel der Geschicke enthüllt, die über Israel verhängt sind, aber ihr Geist hat sie nicht begriffen. Sie dünken sich so überaus weise und halten ihre Einsicht für so erhaben, wenn sie ihren kleinen Verstand in der Kritik dcS GotteswortcS üben, wenn sie in kecker Selbstüberhebung mit seinem Maßstabe die Waltung Gottes und Seine Offenbarung durch die Propheten zu messen sich unterfangen. Sie begreifen jene nicht und leugnen diese. Weil sic die volle Wahrheit dcS IirdeuthumS negiren, fehlt ihnen der Schlüssel zum Lerständniß der jüdischen Geschichte. Was' sie als solche lehren, ist darum thcils überhaupt nicht Geschichte, sondern nur das verzerrte Spiegelbild derselben, welches sich in ihrer Phantasie erzeugt hat, theilö ist cs nur eine leere Nomenklatur, welcher der weseutlichc Inhalt schlt. Was sic als jüdische Geschichte lehren, fördert deshalb nicht nur keineswegs die Erkcmttniß des Iudcnthums, sondern trägt -vielmehr dazu bei, dieselbe zu trüben. Wie der Unterricht, den sic als jüdische Neligionslehrc ertheilcn, . nicht zur wahren Kcuntniß der jüdischen Religion führt, sondern im Gegcnthcil der Jugend einen falschen Begriff derselben bringt und sie zum Abfall und Trcubruch vcrleitet, also ist auch ihr Unterricht in der jüdischen Geschichte ein Mitte! für den gleichen Zweck. Ihr Geschichtsuntcrricht ist eine Fälschung der jüdischen Geschichte, wie ihr Religionsunterricht eine falsche Lehre ist. Die Thora ist ihnen mit Nichten von ברא־שית bis לעיני כל ישראל Gottes Wort, die?,הלבה לשיש שסיני ist ihnen nicht das Moses von Gott auf Ehoreb für Israel crthcilte Gesetz, zu den Propheten hat nach ihrer Anschauung Gott nicht gesprochen, kurz, sie leugnen Gott im Iudeuthume. Und ebenso leugnen sie Gott in der jüdischen Geschichte, und deshalb verstehen sie die jüdische Geschichte nicht, wie ihnen das Judenthum unverstanden geblieben ist. Das Iudcnthum, Israel und seine Geschichte, stehen in so innigem Zusammenhänge, das man daS Eine nicht ohne das Andere begreifen kann. Das Judenrhnm ist dir Lehre und das Gesetz Gottes, Israel ist dcr von Gott jum Verkünder der göttlichen Offenbarnng an die Menschheit bestellte Herold. Israels Geschichte ist die Geschichte des wundcrbnrcu Ganges, den Gott Israel durch die Iahrtanjcndc führt zu dem längst vorgcslccktcn Ziele hin, in welchem auch die Erziehung dcS Menschengeschlecht überhaupt ihrcn Abschluß finden wird. Würden sic die Thatsache der unmittelbaren Göttlichkeit des IudenthumS nicht leugnen, nicht das hislorisch׳: Faktum leugnen, daß Gott die ganze Lehre,, die תורת שבנתב.mit der תודה שבעל פת, gegeben, und daß das von dem jüdischen .Volke bewahrte Jndenthnm .eben dieses von Gott gegebene Gesetz ist, — so. würden sie auch die Geschichte Israels als die Offenbarung dcr göttlichen Waltung auf Erden begreifen. Würde cs ihnen als Faktum gelten, daß ״ פח אל פהMund zu Mund" Gott zu Moses geredet und ihm das Gesetz für Israel überantwortet hat, würde eS ihnen als Faktum gelten, daß ״ על פי ד׳ 'ישעוnach Gottes Ausspruch Israels Söhne zogen und nach Gottes Ausspruch sie lagerten", daun Würde auch das Wort Gottes, daS Er durch Seine Boten, die Propheten, an Israel gerichtet hat, ans daß cS die Gänge dcr Geschichte und deren Ziel erkenne, ihnen in Wahrheit Gottes Wort sein und sie aus diesen» Gottcsworte die Geschichte Israels nicht nur, sondern der Menschheit überhaupt begreifen lernen. Daun würden sie in der Geschichte Israels die allmächtig lenkende Hand Gottes gewahren, welche die Geschicke dcr Menschheit im Allgemeinen und Israels int Besonder!! für Seinen großen ErzichungSzweck gestaltet, und hierin den Schlüssel zu den Wechselvollen Ereignissen aus der Welttribüne und in dem Leben Israels erkennen. Wie die Natnrbctrachtung unter dem Blicke des gottlengncndcn Forschers zur Apostasie, den Gott als Schöpfer und Gestalter der Natur bekennenden Menschen aber zur Gottesanbetnng und wahrhaftigen Naturcrkemttniß führt, also trübt die nicht Gott zum Ausgangs-, Mittel- und Endpunkt der Geschichte sich sctzeudc Forschung die wahre GottcScrkeuutniß, während ans dem Boden einer wirklich jüdischen Geschichtsbetrachtung alle Räthsel in der Ent- Wickelung der Menschheit gelöst erscheinen. Hier tönt die Slinimc Gottes durch den Mund seiner Diener, dcr Propheten, und erhellet den Geist und erweitert den Blick und gewährt das volle Vcrstüudniß für Israels Geschichte, welche unauflöslich mit dcr Geschichic dcr Menschheit verknüpft ist. ״ רני וששתי בת ציידןJauchze und freue dich, Tochter Zions", ruft sie Israel zu, ״denn siche, Ich komme und wohne in dir, spricht Gott", wie gedrückt und xckncchtet du auch bist. Das Hciligthum aus Zion und dein Staat lag von der übermächtigen babylonischen Weltmonarchie zcrtrümmcrt, und dein König und dein Volk ward in Gefangenschaft getrieben — Gott ׳&bcr ließ tu de nt persischen Reiche den Zerstörer des stolzen Babel erstehen, und der Perscrkönig bot Gott seine Huldigung in der Wicdcransrichtttng des Zionshciligthums. Und so ist cs über jeglichem Zweifel erhaben, daß jener große, längst verheißene Tag dereinst anbrechen wird, an welchem die Mission Israels vollbracht ist und die alleinige und ausschließliche Herrschaft Gottes von der gesamtntcn Menschheit ancrkantit wcrdctt wird.. ונלוו גדם רבים אל ד' ביום ההוא ״An jenem Tage schaarcn sich alle.Bölkerfamilicn um. Gott und werden Mir zum Volke." Dann wird Israel nicht allein mit seiner Gotteshuldigttng stehen, ihm

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