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Jeschurun · 1887-06-09 · Heft 23 (9.6.1887) · p. 355

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 23 (9.6.1887)
Article
Jüdische Geschichtsanschauung
Date
1887-06-09
Page
355 (sequence 3)
Language
German
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355 gesellt sich in dieser wahrhaften Huldigung Gottes die Allmenschheit zu. ״ ושכנתי בתובךDann lhroue Ich in deiner Mitte, und dann wirst du erkennen, daß der Herr der Hccrschaarcn mich zu dir gesendet," dann wird die Wahrheit des Prophctenworts, dessen unmittelbare Göttlichkeit, voll und ganz allseitig degriffen werden. Das Gchcimiil'8 der jüdischen Geschichte, das Geheimniß der Geschichte der Menschheit ist hier durch das Gottcswort, durch Secharjah, den Sohn Bcrcchjah's, im zweiten Negicrnngsjahr des PerscrkönigS DariuS gcosscnbart worden. הנני מביא את עבדי צמה Wie die Pflanze in dem dunkeln Schoosse der Erde ihre Keimkraft sammelt und allmählig, dem Auge des Menschen verborgen, zur Entfaltung gelangt, also ״bringe Ich Meinen Diener." Allmählig reist die Gottcscrkcnntniß im Schooßc der Menschheit. Der von Gott gelegte Keim überdauert alle Stürme, er wächst endlich empor und wird zum gewaltigen Baume, in dessen Schatten die Menschheit sich ausruht von dem langen Wege, den sic zuriickgclegt; er beut ihr seine Fruchte, auf daß sie sich erlabe und vergesse aller Kämpfe, aller Schmerzen, aller Leiden, die die eigene Thorhcit ihr bereitet. 'לא נחיל ולא נכה ני אם ברוחי אכזר ד׳ צבאו ״Nicht durch Macht, nicht durch Gewalt, sondern durch Meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen." Die Leuchte, welche ans Zion entzündet worden ist, bedarf nicht der äußern Macht, nicht der Gewalt. Das Licht des göttlichen Gesetzes ist mit einer solchen nuwidcrstchlichen Kraft ausgerüstet, daß es sich selbst den Sieg über die Fiusterniß, welche die Welt gesungen hält, erringt. Wie cs unüberwindlich und von irdischen Einflüssen unabhängig in den Kreis der Menschheit von Gott gesendet worden ist, ebenso ist sein Träger, Israel, unüberwindlich und unsterblich. Das ist daS ׳Wesen der jüdischen Geschichte. Vcrstehen wir dieses, so wird sic uns selbst zur Offenbarung Gottes, so führt ihre Erkeuutniß uns zur n׳ahrhaften Anbetung Gottes, so crsüllt sie unser Herz mit der Begeisterung, לשמר משמרת ה קדש, unseres heiligen Dienstes zu walten, des Gotteslichtcs zu warten, und GottcS Gesetze zu erfüllen bis zun! letzten Athcinzngc. Die lüipifrie&nicn. Bon Bezirtsrabbiucr l)r. H. ט Ij 1* manu iu Baden « Schweiz. (Z» פרשת יתעלתך.) Drei Tagereisen hatten sich die israelitischen Männer von dem Gottcsberge entfernt. Die Lade, welche das am Gottcsbcrgc geschlossene Bündniß verbrieft enthielt, zog vor ihnen her, aber in die Geister und Gcmüther war ihr Inhalt noch nicht eingezogen. Sie hatten daher die Ruhe noch nicht gefunden, die GottcS Wort für sie erspähen wollte und die sein Besitz allein zu gewähren vermag. Bon der schützenden GottcSwolke, die über ihren Häuptern dahin zog, sahen sic deshalb, nur den düsteren Schatten, den sie ans ihren Lebensweg wars. Dieser 'Weg führte durch die Wüste in eine ׳Welt, welche Haß und Feindschaft diesem Gottes- Worte uud seinen Trägern entgegen brachte. Wohl war der unerschütterliche Führer von dem Bewußtsein durchdrungen, daß jeder Schritt, den das von treuem Levitcusinn getragene Gotteswort vorwärts thut, die Erhebung Gottes im Kreise der Menschen fordern und den Feinden des Göttlichen ans Erden Zersplitterung und Untergang bereiten werde. Aber um den! Gotteswort diese Siege auf Erden zu ermöglichen, mußten seine Träger erst selber davon durchdrungen sein. So lange aber Gottes BnndcSIadc nur räumlich, äußerlich — ובנחה — aber uoch nicht mit männlicher Festigfeit in dem Gedankenimd Thateulcben des sie umlagernden Volkes ruhte, so lauge begleitete der göttliche Führer jede solche Niederlassung mit der Bitte, daß Gott nun selber unverlierbar für alle Zeit unter den Myriaden weilen möge, welche die Tausende Israels ZN bilden berufen sind. ויפעו מהר ה׳ דרך שלשת ימים וארון ברית ה׳ נסע לפדהם דרך שלשת ימ-פ לתור להם מנוחה וענן ה׳ עליהם יומם בנפעם מן המהנה ויהי בנסע הארון ויאמר משה קימה ה׳ ונו׳ ובנחה יאמר שונה ה׳ רבנות אלפי ישראל. Denn das Voll war wie mit sich selber unzufrieden, schlecht, mit dem Bewußtsein, ja mit der Absicht, daß diese Uuznsricdcuheit mit Gottes Führung zu Gottes Ohren gelange. Das Baud, welches sie imauflöslich mit Gott verknüpfte, erschien ihnen als lästige Fessel, die sic abzustreifcn trachteten. מבקשים עלילה לפרושי מאחרי המקום. Sic suchten Vorwände, um sich ihres göttlichen Berufs zu entschlageu und scheuten nicht davor zurück, dieser ihrer Gesinnung Ausdruck ZN geben. באזני ה' מלמד שיהיו ישראל מתכוונים להשמיע את המקים. Gott verstand dieses Gebühren, sein Zorn erglühte, und das Gottesscncr, das wenige Tage vorher vom Sinai in die Geister hineingelcuchtet hatte, brach nun in der Mitte des Volkes aus und ergriff das Ende des Lagers. ויהי העם כמתאוננים רע באזני הי — ותנער נם אש הי ותאכל נקצה המהנה. Hier, נקצה המהנה, ist daher die Quelle zu suchen, von welcher die Unzusricdeuheil ausging und die Reihen des Gottcsvolkcs vergiftete. Erwägt man, daß dieser Darstelliing unmittelbar zuvor die neue Lagcreiuthcilung vorausgeht, nach welcher die sammt-

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