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Jeschurun · 1887-05-26 · Heft 21 (26.5.1887) · p. 322

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 21 (26.5.1887)
Article
Zum Schabnothfeste
Date
1887-05-26
Page
322 (sequence 2)
Language
German
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322 1111b Selbstständigkeit nur aus Gottes Hand empfangen, wirb ihm Qit diesem Tage durch das als המץ darzubringende מגהה die große Wahrheit vor die Seele geführt, daß die Unterorduuug aller irdischen Güter und des ganzen Menschenwesens unter Gottes Gesetz keine Verkümmerung des irdischen Daseins, kein Verzicht auf Genuß und Freude sei, sondern recht eigentlich die Erlangung des wahren Lebensgenusses, der wahren Freude an den irdischen Gütern, der wahren Freiheit und Selbstständigkeit bedinge. Der Lag der Gesetzesosfenbarung ist das ד<נ ״ ,הקציר בכורי מעשיךdas Fest des Schnittes der Erstliuge deiner Thätigkeit" und Ln der Darbringung dieser בבורים, dieser Erstlinge, als ה2ק im מגהה הדשה לד׳ gewinnen wir Selbstständigkeit und heiteren Lebensgenuß. Denn das am Sinai gcoffcnbarte Gottesgesctz will die Erde wiederum zu einem Eden gestalten. Der Zeuge der GottcSoffenbaruug ist zu deren Herold bestellt, um sie allen Menschen zu verkünden, nicht in Wort und Nede, sondern durch das Vekcnntniß in Handlung und That. Wenn dereinst die gesammte Menschheit gelernt haben wird, sich als כבש und פר aus der Gottcsweide zu begreifen, und dem thörichten Wahne entsagen will, für die Begründung ihres irdischen Glückes andere Potenzen als die wahrhaftige Gotteshuldigung in That und Gesinnung durch die Gestaltung aller Menschen- Verhältnisse nach GottcS Willen auSsiudig zu machen, dann, nur et st dann wird die Erde wieder das Paradies, die herrliche Wohnstätte der glücklichen, Gott dienenden Menschheit. ד׳ מלך אף תבון תבל בל תמוט lautet die Botschaft, welche Israel durch die Erfüllung des GotteSgcsftzcS zu verkünden hat: ״ist Gott zur Herrschaft gelangt, dann wird auch die Menschcnwelt fest gegründet sein und nicht mehr wanken." Ihr müht Euch vergebens ab seit Jahrtausenden daS Heil auf Erden ohne die Unterordnung unter Gottes heiligem Witten zu begründen und gelanget nicht zum Frieden. Eine Furcht macht der andern Platz, unb Blut und Thräncn, Seufzer und Elend sind der Inhalt der Geschichte von den Versuchen der Menschheit zur Bcgründnng dcS Heils ans anderen als von Gott gewiesenen Bahnen. Erst wenn ihr in den שייר הדיש, den die ganze Erde durchhallcudcn Sang von der Rückkehr der Menschen zu Gott und ihrer GottcS- Huldigung anstimmen wollet und eure בבורים als 'מנחה הדשה לר auf Gottes Altar zu Seiner Huldigung niederlegt, erst dann wird der langersehnte Wcltensriede cinzichen auf Erden. Wie fern auch dieses einzige Ziel der von Gott gelenkten Geschichte der Menschheit noch liegen mag, — mit dem Eintritt Israels in die Geschichte, mit der Offenbarung des GottcSgcfetzcS am Sinai ist dessen Errcichung sicher verbürgt, und auf dem Auge dcS Sicrblichen verborgenen Pfaden führt der große Weltenmeister die Menschheit diesem Ziele zu. Wie wenig auch der Herold dieser Hcitcsbotschaft selbst den Anforderungen bis heute entsprochen hat, die sein Pricstcramt von ihm heischt, er hat dennoch die Grundsteine für den Bau des Weltcnheils zusammengetragen, und dennoch sind von seiner Botschaft manche Worte Gemeingut der Menschheit geworden. Trotz aller Unvollkommenheit, trotz des immer wiederholten LäutcrungsprozesseS, welchen daS jüdische Volk unterworfcn werden mußte, ist cs der Menschheit zum Segen geworden. Daß dieselbe nicht in Verzweiflung und Gottcntfremdung zu Grunde gegangen ist, daß auch sie den Läuternngsprozeß bestehen kann, verdankt sie dem jüdischen Volke, welches seiner ihm von Gott zugewiesenen Mission niemals ganz untreu gewesen ist. Wohl harret es mit der Menschheit seit Jahr- Hunderten des Heiles. Es hat seinen Boden verloren, seine stattliche Selbstständigkeit cingcbüßt. Sein Heiligthnm liegt in Trümmer. Ocdc ist das heilige Land, auf welchem ehedem die Saaten als Gott geweihte Saaten reisten, um unter dem Jubel der nach dem Zionöhciliglhum wallenden Schaaren in ihren Erstlingen als Ausdruck der GottcShuidigung getragen zu werden. Es feiert den fünfzigsten Tag nach der Omer-Wende als הג הקציר und יום הבכורים nur im Geiste. Das הג שבועות ist er ihm aber i» voller Gegenwärtigkeit, das Fest der Wochenzählung, der Vorbereitung für זמן מתן תורתנו, für die Zeit der vierzig Jahre währenden Osfenbarnng dcS göttlichen Gesetzes. Als הג שבועות möge cs von uns in seiner vollen Bedeutung begangen werden. Mögen wir inne werden, daß eö der unausgesetzten Sclbstläutcrnng bedarf, nur sich zu der Höhe der dem jüdischen Volke gewordenen Aufgabe zu erheben. Mögen wir an ihm dem Wahne entsagen, welcher in dem erlangten irdischen Glücke das höchste Ideal menschlichen StrcbenS erblickt. Mögen wir die Wahrheit endlich in ihrer vollen Bedeutung erfassen, daß daS Judcnthum das von Gott offenbarte Gesetz ist, und Er, der alleinige und allmächtige Gott, auch von uns und unseren Kindern die gelrcncstc Befo!gung aller von Ihm gebotenen Satzungen heischt. Möge auch endlich in allen nuscrcn Krcistn die Wahrheit ganz erkannt und beherzigt werden, daß nur in dieser unerschütterlichen Treue, in diesem unbedingten Gehorsam unser Heil zu finden sei. Wenn wir also allesammt das ה( שבועות begehen, dann fördern wir das Herannahcn der Zeit, in welcher Israel wiederum cö als יום הבכורים wird feiern können, die Zeit, in welcher die gesammte Menschheit den שיר הרש anstimmt und die aill Sinai geoffcnbarte Lehre als die alleinige Richtschnur ihrer Handlungen anerkennt. Die Zeit, in welcher aus Erden nur Gott allein in

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