Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 15-16 (21.4.1887)
- Article
- Gutachten über das Schächten
- Date
- 1887-04-21
- Page
- 242 (sequence 2)
- Language
- German
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242 dem Drucke, der das Blut durch die Gefäße des Kopfes trieb, nachließ, begann dieser ״zu sterben", der ״Blick" der Augen, ihr intelligenter Ausdruck, das Mienenspiel, welches die auf den Herrn gerichtete Aufmerksamkeit des Hundekopfes verrieth — alles dieses erlosch äugenblicklich, um nach Wiederherstellung des künstlichen Blutkreislaufes gleichfalls wieder eiuzutreteu. Da also beim ״Schächten" wenige Sekunden, nachdem der Halöschnitt vorgenommen ist, das Bewußtseiu, und mit ihm die Fähigkeit, Schmerz zu empfinden, vollständig und für irnmer erlischt, kann weder der ganze Vorgang als ein grausamer bezeichnet werden, noch ist eS möglich, die ihn begleitenden Schmcrzempfindungcn durch eine Nachtragsmanipulation zu vermindern — wenn nicht diese letztere in' der Applikation eines wuchtigen Hiebes auf den Schädel ganz unmittelbar nach der Ausführung des Halsschnlttcs bestehen soll. WaS von einem solchen Vcrfahren aber in der That zu erwarten wäre, wird in der Beantwortung der dritten Frage erörtert werden. 2) WaS die Qualität des Fleisches anlangt, so traue ich mir kein Uriheil zu darüber, ob diese im Allgemeinen, oder hinsichtlich einer bestimmten Rücksicht, durch den. einen oder anderen Vorgang beim Abschlachtcn, in dem einen oder dem anderen Sinne, beeinflußt werde. Es ist mir wohl bekannt, daß hierüber ganz bestimmte Anschauungen bestehen; auch kenne ich die physiologische Argumentation, auf welche dieselben sich berufen, bin jedoch — wie gesagt'— nicht in der Lage, derselben bckzupflichteu, ebenso wenig wie ich mich berufen fühle, ihr cntgegenzutreten. Ich will nur bemerken, daß eine Durchtrcnnung des verlängertcn MarkcS (metlulla oblongata), wie sie bei richtiger. Ausführung des ״Geuickstichcs" sLattfindet, die Entbluiuug des -ThiercS ungemein befördert, und viel vollständiger werden läßt,' als sie unter irgend welchen anderen Bedingungen werden könnte, doch ׳hat diese letztere Bemerkung keine Beziehung zu der hier zu erörternden Frage, da gewiß nicht daran gedacht werden darf, daß diese Ausführung des ״Gcnickstichcö", welcher bei allere in Betracht kommenden Thicrcn sehr erhebliehe Schwierigkeiten technisch-anatomischer Natur, und zwar Lei jeder Spezies andere Schwierigkeiten, entgegenstehen, jemals in solcher Vollkommenheit werde zum Gcmeiugute des mit dem Schlachtnngsakte betrauten- Pcrsonats gemacht werden-können, daß dieses den in Rede ׳stehenden ״Genickstich" hinlänglich rasch nach dem Halsschnitte anzubringen, ‘ und mit einer solchen Gewandthcit und Präzision, und dabei so. geschwind zu vollziehen sähig wurde, daß sowohl die oben — ex non coneessis ~ ins Äuge gefaßte nützliche Wirkung desselben aus die größere Vollständigkeit der Entblutung sich geltend machen könnte, als auch eine direkte Verletzung deS Prinzipcs ausgeschlossen bliebe, aus welchem ja die ganze Maßregel erwogen und beurtheilt werden muß, nachdem sie eben zu seiner Vcthätignng zn dienen bestimmt wäre: ich meine, daß eS über - jeden Zwcifel sicher gestellt schiene, daß dem Thiere mit diesem ״Genickstich" statt einer Verminderung respektive Ab« kürzung deS Schmerzes, nicht vielmehr hinnen der wenigen Sekunden nach dem HalSschnitt, während deren es eine solche überhaupt noch zu clnpfiudeu vermag, eine arge und zwecklose Grausamkeit zugcfügt werden. WaS die Frage nach der Einwirkung der andern namhaft gemachten Nachtragsmauipulation (des Schlages auf den Schädel) auf die Qualität des Fleisches der in. solcher Weise erst ״geschächtcten" und hierauf erschlagenen Thiere anlangt, so genügt der Hinweis auf die zu Beginn der Alinea 2) von mir abgegebenen Erklärung über meine Stellung zu der allgemeinen Frage, welche sich auf die Qualität' de'S Fleisches bezieht, um daraus entnehmen zu können, welche. Antwort ich auf die spezielle Frage zu geben vermag. 3) Die dritte Frage, welche auf die Abkürzung, allgemein, die Verringerung des Schmerzes gerichtet ist, findet, insofernc sie speziell die Folgen dcS ״Genickstiches" angeht, ihre Beantwortung bereits in den, über diesen Akt und seine Folgen im vorhergehenden Absätze uicdcrgelegten Ansichten. Die dort vorgcbrachtcu Bcdenken wegen der schwierigen und heiklen Technik des ״Gcnickstlcheö" finden nun freilich keine Anwendung auf die Ausführbarkeit einer so einfachen Handticrung, wie ein Schlag mit einem schweren Hammer oder Beile auf den Kops eines Thicrcs eine ist — wenn sie an und für sich isolirt betrachtet wird. Hier stehen jedoch die Dinge anders! Der Streich mit dem Hammcr (und selbstverständlich auch J)cr Schnitt durch das -HalSmark) hat, wenn die bcabsichtigte^Wirkung über- Haupt noch Zeit finden sott eiuzutreteu, in mnuittclbarstem zeitlichem Anschlüsse au den vorausgegangcnen Halöschnitt stattzufiudcu; und durch diese Einschränkung wird die scheinbare Leichtigkeit der Ausführung auch für den Kopsschlag wieder sehr in Frage gestellt. Denn unmittelbar nach der Führung dcS ״Schächtschriittes" dürste sich im Altgemcineu der Schädel dcö ״geschach׳ tetcu" ThiercS keineswegs in einer, für die Applikation eines wuchtigen Hiebes günstigen Lage vorfinden, Die Manipulationen an einem solchen Thiere, welche erforderlich werden, um seinen Kopf in eine solche günstige Lage zu bringen, haben aber nach meiner Meinung die Bedeutung von ebenso vielen, dem sterbenden Thiere zugcfügten Grausamkeiten — leiten also ihren Zweck durch eine Reihe demselben genau entgegengesetzt zuwider laufender Handlungen ein. Endlich möchte ich noch zu bedenken geben, daß die Hast der beginnenden