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Jeschurun · 1887-04-21 · Heft 15-16 (21.4.1887) · p. 241

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 15-16 (21.4.1887)
Article
Gutachten über das Schächten
Date
1887-04-21
Page
241 (sequence 1)
Language
German
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«U IS 83• ZT. vom Professor der Physiologie an der k. k. Universität zu Wien, Herrn, Dr. med. Ernst Fleisch! von.Marxo w.») In den letzte» Tage» des verflossenen JahrcS wurde ich von dem Herrn Proviuzialrabbiner in Fulda, vr. M.'Cahn, brieflich aufgcfordert, ein Wissenschaft- UchcS Gutachten vom physiologischen Standpunkte aus über die in den rituelle» Spcisegcsetzcn der Israeliten enthaltenen Vorschriften für das Abschlüchten von Thiercn zu erstatten, und speziell darüber mich ausznsprechen, ob der vorschriftsmäßige, die großen Blutgcfäße dcS Halses quer durchtrennende Schnitt, der sogenannte ״Schächtschirktt", eine Grausaiukeit involvire, welche durch gewisse nachträglich vorzunehmende Manipulationen (Schlag auf den Schädel, Genickstich) deseitigt oder doch vermindert werden könne. Um dem von Herrn vr. M. Cahn geäußerten Wunsche. zn entsprechen, beantworte ich die einzelnen, mir von ihm vorgelegten Fragen: 1) nach der Grausamkeit, mit welcher die Ansführung der im israelitischen Speiscritual enthal- ' ' teuen Vorschriften für die Abschlachtung von Thicren (..das Schächten") verbunden ist; 2) nach dem Einfluß auf die Qualität des Fleisches als Nahrungsmittel, den gewisse Nachtrags- Manipulationen zum ״Schächtschnitte" haben sollen; ,, . ~ 3) nach bei* Bedeutung dieser selben Nachtrags- Manipulationen für die Vernnnderung der Graufauifcit des ganzen Verfahrens in folgendem ' .; ־ f;• •־־׳ , ־® -Gutachten. 7.1) Wie den Physiologen auS zahllosen Beobachtungen und Versuchen bekannt ist, erlischt das Bewußtsein, und somit auch die Fähigkeit, einen Schmerz zn empsindcn, bei den warmblütigen Thiercn mit der Unterbrechnng. der Zirkulation ärtcnellcn Blutes in den Gefäßen des Gehirnes. H'urauf beruht unter Anderen auch die .in »jauchen Staaten (England, Oesterreich- Ungarn n.s.w.) vorgeschriehene Vollziehung der.Todes- . strafe durch Aushängen der Dcliqncnten an einem Galgen mittelst eines in Form einer Schlinge un: den Hals gelegten Strickes. Hierbei wird das Leben, und lange Zeit vor diesem, das Bewußtsein des Hinzunchtenden aufgehoben — nicht konform einer sehr all¬ *) Auö der soeben crfchicnenen zweiten Auflage der vom Vorstände der freien Veremigung für die Tuteressen des oriho. doxen Judeuthums herauSgcgrbcnea Gutachten.Sammlung über - das ״Schachten". 241 ZsschNE. gemein verbreiteten Meinung durch Erstickung in Folge . der Kompression der Luftwege, sondern — durch die Verschließung der großen am Halse zieinlich oberflächlich verlaufenden Blutgefäße. Selbst wenn 'in vereinzelten AuSuahmöfällcn die großen Halsschlagadern (Art. carotkles) nicht bis zur gänzlichen Vernichtung ihres Lumens zusamntengedrückt werden, so findet dies doch ausnahmslos an den großen Blutadern des Halses (Venae jugulares comm.) statt; und da somit wenigstendie Rückflußbahnen für das Blut unwegsam und verschlossen sind, so bcrvirkt eben dieser absolut regetmäßig eintrctende Zustand an und für sich schon binnen weniger Sekunden eine Anstauung und totale Stockung des Blutes in den Adern und Kapillargefäßen de- Gehirnes und dann, wenn nach Ablauf von abermals nur wenigen Sekunden der Sauerstoffvorrath dieses Blutes ansgebraucht ist, tritt völlige und andauernde Bewußtlosigkeit ein. - Ich wähle auS zahlreichen Erfahrungen, welche alle das gleiche erwähnte Verfahren bestätigen, die eines bekannten französischen Forschers ans, um sie hier zu erwähnen. Derselbe entschloß sich, seinen schönen, großen und sehr intelligenten Hund, den er schon seit geraumer Zeit besaß und der ihm ungemein zngethan war, zu opfern, um sich von der Abhängigkeit nicht bloß des Wahrnehmungsvermögens, sondern auch der sogenannten höherenpsychischen Funktionen, die man gemeinsam als Fähigkeiten, wie z. B. des Verstandes, Gemüthes n. s. w. ansieht, von dem Vorhandensein eines arteriellen BlutstromeS im Gehirne nachzuweisen. ׳ Zu diesem Behufe wurde zunächst das Blut eines anderen Hundes, um cs gerinnungsunfähig zu machen, durch Schlagen mit hölzernen׳ Stäbchen desibrinirt, und dann in einem eigenen Behaltniß auf einer der normalen Blutwärme des Hundes entsprechenden Temperatur und durch Schütteln mit Luft in dem arteriellen Zustande erhalten, bis zum Augenblick, iw welchem cS verwendet werden sollte. Nun wurde dem ersterwähnten Haushund mit einem kräftigen Streich der Kops abgeschlagen, und es wurden in die an der Schnittfläche zu Tage liegenden Lumina der beiden Karotiden schleunigst Kanülen eingebunden, die durch Röhren mit dem das defibriuirte Vtut des anderen Hundes cnthalkcnden Gesäß in Verbindung standen. Sowie das warme arterielle Blut, welches durch die Kanuten eingeleitet wurde, im Gehirne dc'S vom Rumpf abgetrennten Kopses zu zirknliren begann, belebten sich die bereits erschlafften Zuge des Hundelopses, die AugmdeckeL hoben sich, und als nun der Herr des Hundes vor den Kopf hintrat, folgten die Augen den Bewegungen desselben, die Mienen des Kopfes bewiesen auf's Deut« lichste, daß der Kopf den Herrn erkannte und sich über seine Anwesenheit freute u. s. w. Sowie man mit

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