Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 15-16 (21.4.1887)
- Article
- Gutachten über das Schächten
- Date
- 1887-04-21
- Page
- 243 (sequence 3)
- Language
- German
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243 Vorbereitungen für eine noch rechtzeitig eintreffende Nachtragshandlung in! Allgemeinen die Folge für das zu lödtcnde Thier haben wird, daß die erste Manipulation, der ״SchächtschintL" nicht mit der gehörigen Umsicht und Vorsicht und Nutze auSgesührt werden wird, weiche ganz unzweifelhaft die erste und mchtigste Bedingung darstcllt, für die Vermeidung von Grausamfeiten an dem Thiere. Wer den Hergang bei ahnlichcn Anlassen und Vorfällen, bei denen eS auf die Konzentrirnng der Aufmerksamkeit aus einen einzelnen Augenblick ankommt, einigermaßen kennen zu lernen Gelegenheit gehabt' hat, der wird mir ganz gewiß beistimmen, wenn ich in der Erwartung einer zweiten, an den HalSschnitt so unmittelbar anzuschließcndeu Operation ein Moment erblicke, welches im Allgemeinen dem zu tödtcndcn Thiere" keineswegs zum Bortheile gereicht, sondern dasselbe vielmehr einer Reihe neuer Grausamkeiten aussetzt, welche aus der schlcudcrischen, unaufmerksamen Art der Ausführung der ersten OPeration, wie sie. unter solchen Umständen sicher zu gewartigen wäre, hcrvorgehen. Nach den, im Obigen dargelcgten. Ausführungen kann von mir wohl kaum mehr eine andere endgültige Aeußcrung über die mir zur Begutachtung anvertraute Angelegenheit erwartet werden, als eine, die Aufrechterhaltung der bisher geltenden Bestimmungen und. Gepflogenheiten ancmpfehlcnde, die sich etwa in folgende Worte einklciden ließe: . Gerade ein Physiologe, den die Methode seiner Wissenschaft zur Darbringung dcS bei Weitem größten und schmerzlichsten Opfers, daS ihr überhaupt gebracht werden, kann, zwingt, nämlich zur Verübung von planmäßig beschlossenen, und mit Nutze und kaltem Blute auszuführen den Grausamkeiten an Thicren, gerade ein solcher wird׳ ein besonders lebhaftes Bcdürfniß fühlen, wo und wie er nur immer cS vermag.' auch das Seinige beizutragcn zur Linderung und Minderung der Qualen, denen das Thier zufolge der Gestaltung unserer Lebensweise und unserer Gewohnheiten dermalen noch in so erschrecklich hohem Maße unbedenklich unterzogen wird. Und so will ich auch offen bekennen, daß eigentlich nicht so sehr-mein Interesse an der unangetasteten Besonderheit des jüdischen SpcisrritualS. mich bewogen hat, dem an mich gcnäMcn Antrag zur Ausarbeitung dieses Gutachtens nach meinem besten Wissen und Können zu entsprechen, als vielmehr die Hoffnung und das leb- Hasteste Interesse hierbei meine Triebfeder abgabcn, die ich an diese, 'sich mir bietende Gelegenheit anknüpfte, durch eine möglichst ciufacbc und überzeugende Darlegung dcS Sachverhalts vielleicht etwas beitragen zu können, wenn schon nicht zur direkten Erleichterung der SchmcrzcnSlast, die unsere Kultur der Thierwclt zuweist, so doch zur Verhütung einer neuerlichen Vergrößerung dieser Last, die obendrein noch in Folge von Mißverständnissen bei der Bethätigung geradezu thierfreundlicher Absichten,' also von Seiten der wohlwollenden Beschützer Und Verthcidiger der Thiere, diesen zugedacht war, und ihnen eigentlich noch immer droht, solange nicht hie Weisheit und sachkundige Einsicht der hohen Negierung, welche׳ über das. Schicksal der neucrungSsüchtigen Anträge, bic in dieser Sache mit einer ihrer Wichtigkeit so wenig' angemessenen Uebereilung gestellt wurden, zu entscheiden hat, eben diese Neuerungen, soweit sie bisher vorgeschlagen: wurden, sammt und sonders abgcwicsen haben wird.׳ Sollte cs sich so fügen, daß die obige Darstellung' zur Herbeiführung einer solchen ablehnenden Entschfidung etwas beiträgt, so würde ich mich — eben im Sinne der zuvor erwähnten Denkungsart — glücklich preisen,, daß mir vergönnt war, an diesem Erfolge mitznarbeiten! . Wien, Anfang Jänner 1887. vr. Ernst Fleischt von Markow,.' V' . -k. k. a. ö. Professor der Physiologie an der Wiener Universität. Kleine Studien von Dr. Theodor Hanse, m ä h r isch. sch lc sisch em Superintendenten und Mitglied des österreichischen Neichsraths. Die ״Neue Freie Presse" bringt unter dieser Ueberschrift einen sehr interessanten Aufsatz aus der Feder dieses hochangcsehcncn evangelischen Geistlichen.' Wir glauben unseren Lesern einen Dienst zu erweisen, wenn wir denselben in größenn AnSzuge hiermit zu ihrer Kunde bringen. ׳ ' י I. ' . - ' ־ Antisemitische Kategorien. Nichts ist mehr geeignet, die Gedankenlosigkeit zu fördern, das Nechtöbewußtsein zu trüben und das öffentliche Gewissen zu verwirrew, als wenn in Fragen,, welche das gemeine Wohl betreffen, an die Stelle der vernünftigen Begründung ein Schlagwort gesetzt wird. DaS Motiv laßt sich beleuchten, prüfen, bekämpfen und je nachdem cs' die Probe besteht oder' nicht, annehmen oder verwerfen. Das Schlagwort duldet feine Prüfung, keine Bemängelung, keine Einwendung. Seine Herrschaft ist die absolute Tyrannis. Wer sich seinem Terrorismus beugt, ist gut, edel, gerecht, ein Philosoph,, ein denkender Nationalökonom, ein großer Politiker, .ein Mann, der die Gegenwart versteht und dem die Zukunft gehört^ wer sich gegen dasselbe auflehnt, . ist mindestens nicht ganz zurechnungsfähig,׳ ohne Berständniß für die Fragen des Tages, daher für das ösfcnt-