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Jeschurun · 1887-04-07 · Heft 14-15 (7.4.1887) · p. 223

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 14-15 (7.4.1887)
Article
Ein Besuch in der Joden-Savanne
Date
1887-04-07
Page
223 (sequence 3)
Language
German
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223 1690 cm Aufstand unter den Sklaven ihrer Plantagen aüSbrach; ״die aufständischen Sklaven ermordeten ihre Herren, nahmen die bewegliche Habe mit'sich und flohen in die Wälder." Wenn von einzelnen Schriftstellern zuweilen ein so ungünstiges und ungerechtes Urtheil über die jüdischen Pflanzer ausgesprochen worden, glaubten wir eö Hauptsächlich darin suchen zu niüssen, daß so wenig Quellen für die rechte Kenntniß der Vlüthcperiode der ״Joden- Savcmnä" bestehen. Eine Einzige Begebenheit, das hundertjährige Stiftungsfest der Synagoge, sei hier noch erwähnt. Die Synagoge, so heißt cS in einem alten Snrinam'schcn Almanach, war unter Van Sommclsdyk im Jahre 1685 erbaut worden, und am 12. Oktober 1765 wurde das hundertjährige Jubiläum mit großer Pracht gefeiert. Der Gouverneur und die!ncisten Mitglieder beider Höfe wohnten dem Feste bei, wo alle nur mögliche Pracht entfaltet wurde: kostbare Tafeln mit über 400 Schüsseln, eine Illumination von. 1000 Lampions und herrliche Dekorationen. Es wurde gegessen und getrunken, einige hebräische Gebete wurden verrichtet, viele Toaste ausgebracht und Passende Gedichte vorgetragcn, während ein glänzender Ball das Fest beschloß. -- Der Verfasser beschreibt nun in ausführlicher Weise seine Reise, die er vor mehreren Jahren dorthin gemacht hat, den vollständigen Verfall der ganzen Gegend und fährt dann fort: Welch' einen traurigen und eigenartigen Eindruck macht auf Jemand, der nur ciuigcrmaßcn mit ihrer Geschichte vertraut ist, diese kahle ״Savanua", versteckt in Waldungen, die sie von drei Seiten umgeben und von der Welt wie abgeschlossen halten. Diese ״Savanna", gleichsam der flache Scheitel eines riesigen Hügels, an dessen Fuß der Surinam fließt, liegt so hoch über dem sie umgebenden Terrain, daß man über die angrenzenden Wälder hinweg eine prächtige Fernsicht hat. In Nordosten und Südosten ein unübersehbarer See von Grün, dessen dicht aufeinander gedrängte Wogen 'bis zum Horizont reichen und sich dort in lichtem Nebel verlieren. Die Wälder wachsen wild; die Bäume werden alt, stürzen znr Erde und andere treten an ihrer Stelle, ohne daß je die Az.׳! des Holzfällers die tiefe, Jahrhunderte dauernde Ruhe stört. Hier und da erhebt sich auf dieserbcivcglichcii Fläche ein Hügel, eine Spitze, wie ein Leuchtthurm auf grenzenloser Mecrcsfläche. Uebrigcns ist die Ebene selbst kahl, armselig und wie die User des Flusses ein trauriges Bild des Zustcmdes der Kolonie. Nur verschiedene Grasarten bilden ihre Bekleidung, und die Eintönigkeit der grünen Fläche wird, außer einzelnen mit allerlei Blumen geschmückten Strauchgewächsen, nur von der alten steinernen Synagoge uilterbrochcn, -die als alleinige Siegerin in dem Strkite gegen den Zahn der Zeit in ihrer Einsamkeit sich Noch stolz, aber traurig in ihrer Mitte erhebt. Dieses merkwürdige Gebäude, ganz erfüllt von so vieltti Erlimernngen, steht dort wie trauernd über die Verlassenheit, welcher das zeitgenössische Geschlecht sie überläßt. Und doch war dieser stille Fleck einst eine blühende, Gegend, der Aufenthalt und Lustort vieler reicher, zü den altadeligen Geschlechtern Spaniens und Portugals gehörender Familien. Die alten Unnuden und Annalen erzählen von ihren Neichthümern, .von der Pracht itzröc Synagoge, von den Festen, welche sie den Gouverneuren, die hier bei ihren angesehenen Unterthanen zu Besuch kamen, gaben. Und nun — keine Spur mehr vor! der vünnattgdn Pracht und dem ehemaligen Luxus, selbst keine Spur mehr von einer Stadt. Nur Sandhüg'e! und einzelne von der Zeit verschonte Fundamente weisen die Stelle an, wo früher Leben und Bewegung herrschte; Ltür noch die Synagoge erhebt sich dort, verwittert und verfallen inmitten der Gräber derer, die einst in ihren Mauern Feste feierten. Auf den zahlrcichtti, älter« Lhümlicheu, weiß marmornen Grabmomuneu^a prangen noch die stolzen Namen Jener, die hier auf nielKrländischem Boden einen Zufluchtsort fanden, wo Neligio'ns- י haß unbekannt war. --- Ruinen, besonders wenn sie in engem Zusammenhange mit einer stolzen, ruhmreichen und noch dazu alten Vergangenheit stehen, machen auf den Beschauer meist einen eigenen, überwältigenden Emdrnck, aber schnierzlich wird unser Gemüth getroffen, wenn die Ruine, vor welcher wir stehen, und welche von Vergangerieu Tagen zu uns spricht, ein geknickter Greis, eine m c n f ch li ch c Ruine ist. Ohne zu ahnen, was wir aus ihnen lesen öder lernen!öimtcn, gehen wir üa Leben häufig an solchen Ueberbleibseln der Vergangenheit, au solchen menschlichen Ruinen׳ gleichgültig vorüber. Aber hier kann man von einer ihre Geschichte vernehmen, die Geschichte׳ eines abgelebten Greises, der sich allmählich identisizirt hat mit der reichen und glanzvollen Vergangenheit, in welcher er noch gelebt und gestrebt, von welcher nur noch eine einzige Spür erhallen geblieben; ich meine die menschliche Ruine, drein dieser traurigen Umgebung sich aufhält: Samuel Baruch Louzada, oder, wie die Soldaten des Militärpostens ihn einfach nauEn, den alten Sample. Stoff zu einem Heldengedicht ist in seiner schichte nicht zu finden, aber sicher ist es, daß seine Persönlichkeit und der bittere Humor, der daraus entgegenstrahlt, einem Dichter Stoff liefern könnte. Israelit, wie sein Name andenlet, von einem fn alten Zeiten edlen und blühenden Geschlechte Portugals,

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