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Jeschurun · 1887-03-31 · Heft 13 (31.3.1887) · p. 194

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 13 (31.3.1887)
Article
Der große Sabbath
Date
1887-03-31
Page
194 (sequence 2)
Language
German
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Den Sabbath hatte Gott auScrsehen, um den ersten Schritt zu der wunderbaren Umwandlung dcS Niedrigsten, Gedrücktesten und Vcrachtetstcn zu dem hohen Priester der Menschheit, zu dein Verkünder des GottcSreichS auf Erden zu vollziehen. Der Sklave hatte das SelbstbesreinngSwerk an sieh selbst zuvor zu vollbringen, ehe Gott das Joch von seinem Nacken lösen wollte. Die Befreiung von fremder Knechtschaft sollte ausschließlich Gottes That sein, die Erhebung aus der eigenen hatte der Sklave selbst zu bewirken.' Er hatte sie zu bewirken durch eine freie Thal, durch welche er die Ketten der Knechtschaft brach und sich in freier Entschließung in den Dienst dcö Königs der Könige, des Herrn und Meisters der Welt begab, um fortan für alle Zeiten in diesem zu verbleiben und ninnner wiederum eine andere Herrschaft über den Hcrrendicnst seines Gottes anzuerkennen. Am ersten des Monats Nissan erging der göttlichc Befehl an ״die ganze Gemeinde Israels״, daß ein Jeglicher am Sabbath, dem Zehnten dcö Monats, das Opfer vorzubcrciten hcibe, nur welchen: er sich an! Abend des Vierzehnten, in jenen! großen weltgcschicht-!ichcn Augenblicke, da Gottes Allmacht sichtbar in den menschcngescttschafttichcn Kreis cingreisen wollte — die Tyrannengcwalt zerkrummend, den Verbrecher strafend, den Unterdrückten erlösend — als das sich seinem Schöpfer weihendes der Führung seines Hirten sich in unbedingtem Vertrauen hingehende Wesen darstellcn wollte. Daß in der Brust des Sklaven ein solcher den Menschen adelnde Entschluß zur That reifen konnte, daß der Knecht es wagen inochtc, gegen die von seinem Herrn vergötterten Machte Protest zu erheben und deren Hinfälligkeit zu verkünden, das war daö stauncnöwcrthe, wunderbare Ercigniß dcö der Erlösung Israels vorangehenden SabbathS. Noch lastete das schwere Joch der Knechtschaft auf seiner Schulter, noch trieb der Vögte hartes Drangen die Sklaven in die Zwangsarbeit, noch waren diese selbst daS Eigcnthnm ihrer Herren, rechtlos, machtlos, besitzlos. Wie lange war cS her, daß der allgewaltige Pharao das LooS dieser Sklaven noch schrecklicher gestattet hatte, um die durch die Sendung MosiS etwa bewirkten FrciheitSgelüste im Keime zu ersticken? Und wie lange war cS her, daß die um daS Elend ihrer Mitbrüder besorgten Häupter deribrischcn Sklaven, welche der Tyrann zu deren Antreibern bestellt hatte, in ihrer Verzweiflung gegen MoscS und Aharon .den Vor- Wurf erhoben, daß sie eö wären, welche durch ihr Auftreten Schuld an der verschärften Qual trügen? Und diese Sklaven erhoben sich an diesem Sabbath im Angesicht ihrer Herren mit dem durch eine That bcsiegelten Protest gegen die egyplischcn Gottheiten —׳ das war das denkwürdige Wunder, welches dem Sabbath vor den! Peßach den Namen dcS großen.allezeit verleiht. '-׳■׳' Mit dieser That erhob sich Israel ans den! Staube und zeigte sich würdig, nicht nur der Befreiung, sondern auch der Erwählung zu der hohen Bestimmung, für welche allein jene erfolgen sollte. בטהר עדיי לבוש התכהני וחחפארי singt die Sabbath-Hagadol-Hy'.nnc׳. in lichten! Prachtgcwandc ivcihe priesterlich und schmücke Dich,-denn die Zeit ist gekommen, cs nahet die Stunde, in welcher Du des Königs Anblicks gewürdigt wirst! Bier Tage lang hatte ein Jeglicher in Israel sich in diesem Gedanke zu erheben und ihn immer fester sich cinzupragen! משם ידיכם מאלילים וקחו לכם צאן של מצוה Freimachung von dem Götterwahne — daö von Andern Vergötterte hat Israel Gott zu weihen. Der Gott dienende Mensch empfängt Alles ans seines Herrn Hand: Dasein, Freiheit, Gennß, und weiht alles ihm Gewordene in allen seinen Beziehungen ganz seinen! Gotte. Seinen! Gott gehört jeder Blutstropfen, jede HcrzenSregnng, jede Willensbethätigung, jedes Besitztheitchcn, jeder Genuß; und er ist nichts als ein Glied der großen GotteShecrdc, von Gott geleitet und gehütet, Gott folgend, wohin Seine Spur weist. ••׳־'• Wohl war die konkrete Darstellung dieses משם וקחו in dem והיה לכם למשמרת, in der viertägigen Bereitstellung des זבה ככה, nur für 'das erste ככה in Mizrain! bestimmt. DaS Bewußtsein davon lebt aber in Israels Geschlechtern und der ״große Sabbath" weckt eS stets aufö Neue. Israels Gemeinde sollte deshalb von jeher an diesen! שבת הגדול durch das lebendige Wort der Belchrnng und Mahnung für daS herrliche, große Peßachfcst vorbereitet werden, auf daß sie für dasselbe befähigt sei, cS in allen seinen Bestimmungen zur Ausführung und sich in seiner Völlen scgcnspendende Bedeutung zur Beherzignng zu bringen. Noch heute herrscht diese Gepflogenheit; — sind aber Prediger und Gemeinde überall in deren Uebung in den! alten und rechten Geiste? Die alten Redner ermahnten zur gewissenhaften Beobachtung der für die rechte Begehung dcS Peßachfestes nothweudigcn Satzungen, und sic suchten die Kenntniß derselben alljährlich neu zu befestigen. Gott verlangt die That. Au jenem ersten ״großen Sabbath" war cö nicht ein Wortbekenntniß, waren eS nicht Gesänge und Choräle, durch ׳welche Israel -sich der Erlösung würdig machen sollte. Man ist keineswegs ein treuer Jude, wenn man Gott Hymnen, singt-undprunkvolle Tempclfeicr veranstaltet. DaS: , בעבור זוז עשה ד" לי, welches die Haggada den! in Frcvelmnth oder - ans Unwissenheit den! Gottesgesetze den Gehorsam ver-

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