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Jeschurun · 1887-03-10 · Heft 10 (10.3.1887) · p. 146

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 10 (10.3.1887)
Article
Die Bedeutung des Purimfestes
Date
1887-03-10
Page
146 (sequence 2)
Language
German
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146 kcit seiner Stimmung, wenn er auf dem Wege zu dem königlichen Palast diesem Juden begegnen sollte. . Wozu der vielen Weitläufigkeiten? Die Sache ist doch ganz einfach. Sprich morgen in der Frühe mit dem Könige. Lasse inzwischen einen Galgen aufrichten, daß man den verhaßten Mordechai daran sofort aufknüpfen und du alsdann fröhlichen Gemüths zu dem Mahle gehest. Also der einfache Nath der klugen Gemahlin und der weisen Freunde. Daß doch der einsichtsvollste Mann oft so kurzsichtig sein kann! Es lag doch so nahe, und die Gemahlin und die Freunde hatten ihn erst darauf aufmerksam machen müssen! Haman fand den Nath vortrefflich und er ließ sofort den Pfahl in seinem Schloßhofe anfrichten. So fröhlichen Herzens sich Haman aber zur Ruhe begab und des morgigen Tages entgegenharrte, der ihm die Befriedigung seines Hasses gewähren sollte, so unruhig verbrächte der König die Nacht. Der Schlaf floh sein Lager, und er ließ sich zu seiner Zerstreuung ans den: Hofjoanml vorlesen. Da wurde ihm gerade ein Bericht von einem früher auf sein Leben geplanten Anschlag vorgelcsen, welcher durch Mordechai rechtzeitig entdeckt und vereitelt worden war. Der König hatte vergessen, dieses Verdienst an Mordechai zu lohnen. In dem Augenblicke, wo er sich dessen erinnerte, trat Haman in daö Vorzimmer, um die Erlanbniß für die Erdrossclung MordcchaiS zu erlangen, —eine ganze Kleinigfeit, über welche nicht allzu viel zu reden. Der König aber verlangte von ihm seinen Nath, auf welche desondere Weise einem verdienten Unterthan eine königliche Auszeichnung verliehen werden könnte. Haman schlug eine ganz außerordentliche Gnadenbezeigung vor, in dem Glauben, daß solche ihm gelten sollte. Der König genehmigte den Vorschlag und beauftragte Han:an mit dessen Ausführung. So ward denn der staunenden Residenz daö Schauspiel zu Thcil, daß der allgewaltige Wesir den mit königlichen Insignien bekleideten Juden durch die Straßen geleitete. ״Haman eilte nach Hanse, traurig und mit verhüllten! Haupte. — — Da sprachen zu ihm seine weisen Freunde und seine Gemahlin Seresch: Wenn Mordechai, vor den! zu fallen dn angefangen hast, von den! Samen der Juden ist, so wirst du nicht nur nichts'gegen ihn vermögen, sondern gänzlich vor ihm fallen." ׳־ ״ , So geschah eS denn auch. An den! Pfahl, welchen Haman für Mordechai bestimmt hatte, endete Haman noch׳'am' selben.Tage, und das königliche Edikt zur Nicdermctzclung und Ausplünderung der Inden ward zurückgenommen.׳ So die alte Geschichte vor zweitausend Jahren, welche alljährlich am 13. Adar Abends und 14. Adar Morgens in Israels Mitte verlesen wird. Denn das, was damals in der Stunde der Errettung von den Juden für sich und ihre Nachkonnucn und Alle, die sich ihnen anschließcn, gelobt worden, nämlich, .״daß diese Tage in jeglichem Zeitalter, in jeglichen! Geschlecht, in jeglichen! Lande, an jeglichen! Orte in Andenken bleiben und festlich begangen werden sollen, so daß diese Purim-Tage niemals schwinden sollen auö' dem Kreise der Inden und ihr Gcdachtniß nicht untergehen soll bei ihren Nachkommen," das ist getreulich befolgt worden bis zu dieser Stunde. Ueberall auf weitem Erdball, wo auch nur ein winziger Bruchtheil des jüdischen StamnieS zu finden ist, wird diese alte Geschichte verlesen und weckt freudigen Jubel.' Welche'Bedeutung wohnt dieser alten Begebenheit inne, daß noch nach mehr denn zwanzig Jahrhunderten ihre Erinnerung bei den Nachkommen derer, die sie erlebt, so lebendig ist, daß nicht als ein der ältesten Geschichte angehörigcs Ereigniß die Jugend in den Schulen sich ihre Daten einzuprägen haben, daß sie vielmehr in urwüchsiger Kraft in das Leben -cingreift׳ und zu einer allgemeinen und von jedem Einzelnen veranstalteten Feier führt, wie in andern Kreisen kaum ein ähnliches, politisches Ereigniß allcrncncstcn Tages. Warn!!! erschien dasselbe den damaligen Zeitgenossen so bedeutungsvoll, daß sie dessen bleibende durch alljährlich überall und für ewige Zeiten zu vollziehende festliche Begehung anordneten? — Mordechai zählte zu den Männern der großen Versammlung, zu jenen wahrhaft großen Männern, welche zu der Zeit des Zusammensturzes des jüdischen Staats die Hüter des Gesetzes waren und die Kette der Tradition in hingcbcndstcr Treue fortsctztcn. Mordechai und seinen Genossen war das große Werk beschicdcn, in dem Herzen ihrer Nation die begeisterte Hingebung an ihren. erhabenen Berns zu erwecken und zu starken, und sie mit der Kraft ansznrüsten, jenen großen schmerzenS- und glorreichen Gang durch die Jahrhunderte zu wandeln, dessen Ende mit der glanzvollen Zukunft zusammenfällt, die der Menschheit winkt. Mordechai und seine Genossen erkannten die nimmer versiegende Quelle dieser Kraft in der. alle Kreise des Volkes durchdringenden Erkenntniß von der allmächtigensürsorgcnden Liebe Gottes, welche über den Geschicken der Menschheit waltet und den jüdischen Stamm zun! Werkzeug erkoren, um deren Entwickelung zu jenem herrlichen Ziele hin zu fördern. Das jüdische Volk zu dem GottcSvolke auch in der Zerstreuung und Abhängigkeit, auch unter Druck und Leiden zu erziehen, daß cS sich, seiner hehren Aufgabe getreu, ׳des allmächtigen GotteöschntzcS stets sicher wisse — das war das bewußte Ziel der Wirksamkeit Mordechai-

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