Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1887)
- Article
- Die Bedeutung des Purimfestes
- Date
- 1887-03-10
- Page
- 147 (sequence 3)
- Language
- German
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147 und der anderen Männer der großen Versammlung. Und zu diesem Zwecke ward auch das Ereigniß der Purimtage in seiner Bedeutung zum bleibenden Gcdächtniß den! Festzyklus eingereiht. Im persischen Reiche erfreuten sich die Juden eines wohlwollenden Entgegenkommens des Hofes.und Volkes, und sie glaubten sich dieser Freundlichkeit wirrdigcr und sicherer, zu machen, wenn sie, des Gesetzes GotteS uneingcdenk, die durch dasselbe bedingte eigen- Lhümliche LcbenSgcwohnhcit abstreifen und ihr Juden- 11)11111 prcisgebcn wurden für die volle Gunst ihrer Umgebung. .Da sollten sic ihres Irrthums inne -werden. Ein Jude erregt den Unwillen eines Großen, und die geträumte gesicherte Stellung der gesammten Judenheit ist mit einem Schlage vernichtet, ja sie selbst sind der Vernichtung verfallen. Hätte das persische Israel sich nicht losgerisscn ans seinem Wahne, hätte eS sein väterliches Erbe völlig prcisgcgcbeu, so wäre cS mit dem Perserreiche untcrgegangen. Das mächtige Perserreich ist zcrtrümwert, Israel aber lebt noch in ungebrochener Kraft. Die seinem Gesetze bewahrte Treue ist sein Palladium; sie schützt cS vor dem Verderben und-sichert ihm sein ewiges Dasein. Wunderbar aber waltet Gottes Hand über dem überall der Willkür auSgesctzten Häuflein. Von den blöden Augen der Menge nicht geschaut, lenkt Gott die Geschicke der Völker nach dem Plaue seiner Weisheit. Ec vereitelt den Anschlag der Ucbermüthigen. Er bricht des Gewaltigen Macht im Zenith ihrer Größe. Er bringt Rettung dem Ohnmächtigen, über welchem schon der Mordstrahl gezückt ist. Dieser unsichtbaren GotteSwaltung in der Geschichte, diesem allmächtigen GottcSschntz, dessen das treue Israel auch in der Zerstreuung allezeit gewiß sein kan;!, gilt die Punmfcier, welche das^Herz Israels mit der unerschütterlichen Zuversicht auf Gott erhält, der cs zum Herold seines Gesetzes erkoren. Sie ist der. Ruf zur Treue, zum Gehorsam; sie ist die Warnnng vor Abfall und Verräth. In dieser Purimgeschichte tritt vor Allem die Gestalt MordcchaiS in., erhabener Größe hervor und gewährt dem Israel in der Zerstreuung das leuchtende Vorbild, wie der Jude im vollsten Ausmaße dem Fürsten und Laude treue Ergebenheit zu bezeigen, und dennoch in unerschütterlicher Treue und in unverbrüchlichem Gehorsam die Gesetze des JudeuthumS zu beobachten habe. Möge, der Purim also in seiner Bedeutung von uns Allen erfaßt und beherzigt werden, dann wird sich auch an uns zu jeder Zeit bewahrheiten: ליהודים היתה אורה ושמחה וששן דקר. Die M'jMBHt der Mschcn NklißMlSlehr«. Frankfurt a. M., 3. März 1887. Der Vorstand der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Indenthums hat sich unterm 2. Dezember v. I. mit einer Vorstellung an den UnterrichtSminister gewandt und gebeten, den jüdischen Lehrern, welche das vorfchrifLSmäßige Volksschnllchrcr-Examen bestanden, die früher genossene Vergünstigung einer nur scchswöchentlichen Militärdieuftzeit wieder zu bewilligen, selbst wenn dieselben an einer jüdischen NeligiouSschule als Lehrer wirken. Hierauf ist dem Vorstände unterm 15. Februar d. I. die Erwiderung geworden, daß zu einer allgemeinen Bewilligung keine ausreichende Veranlassung vorlicgc, eS vielmehr für jeden einzelnen Fall Vorbehalten bleiben müsse, zu prüfen und. darüber >zn befinden, ob besondere . Umstände obwalten, welche eine Ermäßigung der Militärdienstzeit dc§ betreffenden Lehrers rechtfertigen lassen. Eine Veröffentlichung dieser beiden Schriftstücke erscheint im Interesse der betreffenden Gemeinden und Lehrer, und folgen dieselben hier ihrem Wortlaute nach: I. Frankfurt a. M., 2. Dezember 1686. An Seine des Hochwohlgeborenen Königlichen StaatSministerS, Ministers der Knltuö-, UnterrichtS- und Medizinal-Angelegenheiten, Herrn von Goßlcr, Exzellenz, Berlin. Ehrerbietigste Vorstellung des Vorstandes der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Jndenthums zu Frankfurt a. M.,. die Militärpflicht jüdischer NeligionSschnllehrer betreffend. Hochwohlgeborener, Hochzuverehrendec Herr Minister, Ew. Exzellenz! Die in Ehrerbietung gehorsamft Unterzeichneten Vertreter einer Vereinigung für die Interessen deS orthodoxen JudeuthumS wagen eS, Ew.. Exzellenz eine Angelegenheit bittendnahe zu legen, welche, wie sie glauben, Hochdicselbe einer wohlwollenden Inbetrachtnähme zu würdigen wohl geneigt sein dürsten. Die staatliche Wohlfahrt, meinen sie, sei wesentlich durch das sittliche Wohlverhaltcn aller StaatSgenossen, und dieses in ganz besonderem Maße durch die Pflege bedingt, welche dem religiösen Momente in der Erziehnng und Bildung der Jugend zugewendet wird..