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Jeschurun · 1887-03-03 · Heft 9 (3.3.1887) · p. 131

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 9 (3.3.1887)
Article
Die neueste Leistung d. Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes im Dienste der Reform
Date
1887-03-03
Page
131 (sequence 3)
Language
German
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131 traditionellen Gesetze" oblegen. Sie erkennen in ihrem Vorbild und-Meister Friedländcr einen Lügenprophcten und wagen cS nicht, den Kampf gegen ״unsere traditionetlen Gesetze" mit seinem CyniSmuS zu führen. Sie verzagen aber nicht. Wenn nicht in offener Feldschlacht auf freiem Plaue, so doch ans dem Hinterhalte unter falscher Standarte. Man zieht nicht unter Friedländcr'schcm Feldgeschrei in den Kampf, sondern schreibt didaktische Floskeln und historische Forschungen auf sein Banner mit der famosen Devise ״Ausschluß der religiösen Frage" und versucht es mit der lammfrommsten Miene von der Welt, unter taubeusanftem Augenaufschlag, dem orthodoxen Zudenthum den Garaus zu bereiten und der Reform die Alleinherrschaft zu sichern. Unter diesem Gesichtspunkte bilden allerdings diese sechs Friedlander'schen Briefe nebst der Gciger'schcn Einleitung in dem Organe des Deutsch-Israelitischen Gcmcindebundcs ein höchst schätzbares historisches Material, welches über die dunkeln Pfade der heutigen Reform ein sehr intensives Licht ansgießt. Wenn der Deutsch-Israelitische Gcmeindebuud hierfür Anspruch auf -Anerk nnung erheben sollte, so sott ihm solche nicht vorenthalteu bleiben. Betrachten wir nun in Kürze die Friedtänder'schcn Briefe, welche der Deutsch-Israelitische Geineiudebimd als ״von dem begabtesten und talentvollsten Schüler Moses Mendelssohns" stammend, der Vergessenheit entrissen hat. Es ist gut, daß er den Namen des Autors dieser Briefe nebst Datum beigcsngt hat. Würden solche ohne diese Angaben heute in die Oeffentlichkeit treten, so hätte man in ihnen eine der zahllosen zeitgenössischen Pamphlete der Iustus-Briman, Rohling und Marr zu erkennen geglaubt. Es ist auch gut, daß Redakteur und Herausgeber und Verleger genannt sind, nuut würde sonst den Deutschen Antiscmitcn-Buud, Schmcitzer in Chemnitz oder die Bonifacinö-Druckcrei in Paderborn sicherlich in Verdacht haben. Dieselben mögen für diese gewissenhafte Sorgfalt ihren Dank abstatten. Sie sind dadurch vor der Belastung ihres Kontos mit diesem Schuldpostcn geschützt. Die Briese sind an einen Kaufmann Meier Eger in Glogan gerichtet. Der erste enthalt eine Autwort Friedländcr'S aus die Mittheilnng einer Feuersbruust in Glogan. Eger hatte seinem Geschäftsfreunde Friedländer davon Kunde gegeben und hcroorgehobcn, daß die Juden verschont geblieben sind. Er sprach namentlich seine Freude und Dankbarkeit gegen Gott darüber ans, daß die Synagoge von dem Feuer nicht ergriffen worden sei. Friedländcr ergießt über diese, in diesem Ereignisse und dieser Rettung eine Wallung der göttlichen Gnade erblickende Anschauung die ganze Lauge seiner frivolen Laune ans. Ob der von dem Deutsch- Israelitischen Gcmcindcbnnde berufene Redakteur ans Unkcnntmß der hebräischen Sprache, oder ans einer Geschmacksverirrung die in dem Friedländerschcn Schreiben angeführten hebräischen Stellen des Eger'schen Brieses absichtlich oder unabsichtlich so gcschmacksloS ins Deutsche übertragen hat, daß sic im Gewände der Lächerlichkeit erscheinen, können wir nicht entscheiden. Wir gestehen aber gern zu, daß sie ganz im Frkcdländerschen Geiste übersetzt sind. Nur eine Anführung ans diesem Schreiben. Friedlander schreibt: ״Er ubcrhttpste die Häuser der Inden." (1. Woher wissen Sie das? Haben Sie die Engel GotteS gesehen, wie sie mit ihren sechs Flügeln die Flammen auslöschten, die die Jndcnh'äuser anzünden wollten, oder war cS bloß der Windstoß, der über die niedrigen Häuser wcgging und die großen anzünden half? —- -..Die heilige Schul hat er errettet." Die Schul, wo, seitdem sie gebaut worden, kein Andächtiger weiß, was er betet und drei Viertel von den Gebeten voller Gotteslästerung und Abgötterei ist. Das will ich Ihnen beweisen, wenn Sie wollen." ״Es war aber nicht unser Verdienst, sondern das Verdienst imfcm* entschlafenen Väter." Welche Väter? Reb Meier Egcrs seine? Neb Gnantsche seine oder Wolf Elias seine? Oder meinen sie Abraham, Isaak und Jakob? Welcher unsinnige Gedanke! Gott will unsere'Häuser verbrennen lassen, ans einmal fällt ihm ein, daß etwa vor 3500 Jahren ein Mann in der Wüste Arabiens gelebt, der seinen Engeln Rinderzunge mit Senf vorgesetzt hat. Und nun ist er so artig, und läßt das Feuer seine Natur verlassen, daß es Häuser, die ״ans Spinnwcü und faules Holz gebaut sind" verschont und ״Götzendienerwohnnngen" verzehrt." Zeigt sich hier nicht Friedländer in seiner ganzen Frivolität? Wird hier nicht in pietätloser Roheit der Glaub: an eine auch in das Geschick deS Einzelnen eingreifende Wallung Gottes verhöhnt? Wird hier nicht der bescheidenen Dcmnth gespottet, welche in der Rettung ans Gefahr nicht den Lohn für die eigene Tugend, sondern die Vergeltung der Tugend der Väter erblickt? Wird hier nicht das hehre Bild cineö Abraham und selbst die heilige Schrift dem Friedländcr'jchen CyniSmuS anSgesctzt? Und dieser Friedtändersche Geist wird in dem Organ des Deutsch«Israelitischen. Gemcindcbundes adoptirt. ES weiß sich mit ihm eins, es ist ganz mit Friedländcr einverstanden. In der Einleitung zu diesen Briefen heißt es: ״Er (Fricdlanoer) gebraucht Warum diese wenig geschmackvolle Wiedergabe des bebräischen Originals durch Geiger? Ließ sich gar kein edlerer Ansdruck im Deutschen fiudea??

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