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Jeschurun · 1887-02-17 · Heft 7 (17.2.1887) · p. 101

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 7 (17.2.1887)
Article
Gutachten über die Betrebungen der Thierschutzvereine und das jüdisch-rituelle Schlachten der Thiere
Date
1887-02-17
Page
101 (sequence 3)
Language
German
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101 geschieht, das Thier nicht einen Augenblick lang einen heftigen Schmerz empfindet, bleibt fraglich.... Geschieht das Niederschlagen des Thieres mit einem Veil, dann kommt es nur gar zu oft vor, daß durch Ungeschicklichkeit des Metzgers der Schlag ans den Kopf des Schlachtstückes wiederholt werden!!!!!§, oder daß Ochsen und Kühe trotz erhaltenen furchtbaren Schlages, in Folge dessen ne in die Vorderknice sanken, sich wieder anfrafsen und in die Höhe steigen. Auch bei Anwendung der Schlachtmaske (Brnncansche Bomerole) häufiger bei Benntzung der Hackenbouterole, ist nicht selten eine Wiederholung des Schlages nothwmdig, weil der Stift (Hohlmeißel) der Maske nicht korrekt getroffen, oder seine Beweglichkeit ans' irgend einem Grunde keine genügende war. oder weil ein ungeschickter Schläger die Maöke dem Kopf dcS ThiereS nicht angelegt hatte.... Wird in den Fällen, wo mehrere Schläge auf den Kopf eines SchlachtthiereS nothwcndig werden, nicht letzteres wüthcnde Schmerzen empfinden? Ganz gewiß. Denn, wiederholte Schlüge, die erst in ihrer Gesammtwirkung tödtlich sind, wirken viel zu langsam, um Schmcrzenöempfindungcn ganz anSznschließeu.... Das vorschriftsmäßige Schächten des bereits auf den Nucken gelegten SchlachtstückcS beansprucht nicht mehr Zeit als 15 bis 20 Sekünden, oft aber auch nur wenige Sekunden, das Ausbluten bis zu eintretcnder Bewußtlosigkeit — wie erwähnt — höchstens 30 bü* 45 Sekunden, mithin würde ein zu schachtendes Thier höchstens etwa eine Minute die Schmerzen, die das Geschlachtet - werden mit sich bringtausznhalten haben. Innerhalb 1;,/4 bis 2 Minuten ist das volle Ausbluten, soweit möglich, erfolgt . Der Halsschnitt erzeugt nur geringen Schmerz; solches lehrt die wissenschaftliche, durch Beobachtung an Menschen und Thieren gemachte Erfahrung, ferner aber die geringe Aufregung, welche das Thier, das gcschächtet wird, kund gicbt. — Das Schlachten uni er Anwendung des ״Genickstichcs", der so oft als ״schnell tödtlich" bezeichnet wird, ist zu verwerfen, auch wenn es nicht, wie oben anSgcführt, nicht genügendes Auöbluten zur Fo^ge hätte. Die Erfahrung׳ lehrt, - daß die exakte Ausführung desselben eine ganz besondere Geschicklichkeit des Schlachtenden voraussetzt, die auf Kosten der Thiere erlernt und geübt werden muß, auch daß der Genickstich durch unglückliche oder unvorhergesehene Zufälle, trotz der Geschicklichkeit des Metzgers, zuweilen nicht gelingt. Der Genickstich führt endlich nur Lähmung des getroffenen Thieres herbei, es hebt nicht dessen EmpsindungSfähigkeit auf; solche ist gebunden an das Durchströmen des Gehirnes von Blut, welches. auch nach der Trennung des Zusammenhanges 'zwischen. Gehirn nnd Rückenmark statthat, da die Herzthätigkcit durch den Genickstich nicht sistirt wird, sondern noch längere Zeit nach Anbringung desselben bei einem Thiere fortdancrt (nach Gerlach bis 15 Minuten nach ansgesuhrtcm Gcnickstich). Von dieser Schlachtmethode ist also gänzlich abzusehen. DaS Schächten ist eine leicht cmSzusührcnde Schlachtweisc, wird auch — wie erwähnt — erfahrungS« gemäß durch sehr geübte Leute vorgenommcn, was bei dem gewöhnlichen Schlachten durchaus ost nicht, der Fall ist, und da das zu schachtende Thier durch das Niederlegeu vollkommen bewältigt ist, kann das Tödtcn desselben durch allerlei, bei anderen Schlachtmcthoden vorkommende Zufälligkeiten (Rücken, Zucken, Unruhigsein des Schlachtstnckcs re.) nicht irritirt werden, wie auch der Halsschnitt, kaum durch ähnliche Vortomnisse, wie sie beim Niederschlagen oder Gcnickstich manchmal hinderlich werden (sehr starke Schädelknochen, sehr dicke Haut im Genick, sehr breites Nackenband) beeinträchtigt werden kann. Der Halsschnitt, den das zu schächtcnde Thier erhält, führt mit absoluter Sicherheit und mit einem Male den raschen Tod herbei; bei dem Gcnickstich, bei dem gewöhnlichen Niedcrkeulcn nnd be.i Benutzung der verschiedenen BontcrolcS ist häusig zu beobachten, daß der TodeSstrcich, nicht allein in Folge der Ungeschicklichkeit der Schlachtenden, sondern auch in Folge verschiedener Zufälligkeiten, die beim Schächten nicht statthaben, ein- oder mehrfach wiederholt werden muß. Ans dem unter a. und b. Gesagten geht unzweifelhaft hervor, daß das Schächten eine der besten Sch lacht Methoden ist, die es giebt. e. Die Vorbereitungen zum Schächten, das Niederlegen und in die Nückenlagebringen dcö SchlachtthiereS, können, wenn sie ordentlich ausgeführt werden, auch nicht als Thicrquälcrei angesehen werden; denn 1) das mosaische Gesetz verlangt durchaus sorgsame nnd humane Behandlung des zu schachtenden Thieres; 2) die Vorbcreitungcn zum Niederlegeu desselben und letzteres selbst geschehen schnell, denn sie dauern etwa zwei bis drei Minuten, Schachtakt inklusive Vorbcrcitu'ngen etwa vier bis fünf Minuten; 3) das Niedcrwerfen sichtselbst wenn es korrekt geschieht, schlimmer ans, als eS ist; . 4) das Nicdcrlegcn ist zweckmäßig, weil das Schlachtthicr dann. ganz in der Gewalt deS Schlachtcndcn ist, somit auch das Tödten desselben mit größter Sicherheit vollzogen werden kann, auch niemals ein Sichbefreien des SchlachtthiereS nnd dadurch herbeigeführte Unglücksfälle, wie es oft genug in Schlächter- Werkstätten vorgckommen, möglich werden können. Nachdem eine große Anzahl von namhastcn Fachleuten sich entschieden dahin ausgesprochen, daß da-

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