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Jeschurun · 1887-02-10 · Heft 6 (10.2.1887) · p. 85

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 6 (10.2.1887)
Article
Gutachten über das Schächten
Date
1887-02-10
Page
85 (sequence 5)
Language
German
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85 schlag, weil die Energie des Herzens übcreinfttmmeiib mit dem Aussprunge und der Berbreituug der Nervenfasern dieses Organs ganz sicher durch einen bloßen Kcnlenschlag beeinträchtigt werden muß und das Blut daher langsamer ausslicßt als beim Schächten. Auö der schnellen und vollständigen Blutentleeruug folgt aber, daß das Fleisch gegen Fäuluiß weit besser gesichert ist, weshalb das Schächten auch in hygienischer Beziehung den Vorzug verdient. Wenn nun der Fleischer auf geeignete Weise die Legung des ThicrcS besorgt hat, und der gelernte Schächter die Tödtung durch Halöschnitt genau nach Vorschrift wahrnimmt, ist die glimpflichste Methode der Tödtung angcwendct und cS kann von Thierquälcrei nicht die Rede sein.. DaS Thier wird in möglichst kürzester Zeit bewußtlos! Die stattfiudendeu Zuckungen und Bewegungen des ThicrcS sind kein Zeichen eines bewußten Schmerzes, sondern lediglich Reflexbewegungen. Auch ist jegliche nach dem Halsschnitt folgende Manipulation des bewußtlosen Thiercs überflüssig und ganz zwecklos. Wenn man gefordert hat, daß nach dem Halsschnitt ein Gcuickstich oder Kenlmschlag gemacht werden soll, um das bewußtlose Thier noch einmal zu betäuben, so muß in Betreff des Gcnickstiches erwidert werden, daß ein derartiger Vorgang gegen die einfachsten physiologischen Grundsätze streitet. Der obere Theil des zu durchschneidenden Rückenmarks enthält die Summe aller Gcfühlsnerven des Körpers, und seine Durchschncidnng ist daher mit dem höchsten Schmerze verbunden; es wäre daher sogar denkbar, daß das Thier trotz seiner Verblutung durch einen Genickstich zum Bewußtsein kommen könnte, aber bloß momentan, um den Schmerz zu fühlen. Es ist durchaus falsch, daß der Geuickstich betäubend wirkt; seine Wirkung ist nur lähmend, indem alle Thcile, welche sich unterhalb des Genicksticheö bcfinden, des Gefühls und der Bewegung beraubt werden und zumal wahrscheinlich uüt vollständigem Bewußtsein im Gehirne. Der Körper und alle vier Extremitäten eines Menschen oder eines ThicrcS können unterhalb einer Beschädigung des obersten Thciles des Nuckenmarks vollständig gelähmt und gefühllos sein 1utt vollkommenem Bewußtsein wenigstens für eine Zcitdancr. Von einem nach dem HaLsschnitte porgenommcnen Keulcnschlag gilt zum Theil dasselbe als vom Genickstich; ohne Zweifel ist der Kculenschlag an und für sich schmerzhaft, und da Bewußtlosigkeit und Tod nach dem Halsschnittc sicher folgen, ist ein Keulenschlag unter solchen Umstüliden durchaus überflüssig und zwecklos., •?•: Aus der obigen Auseinandersetzung geht endlich hervordaß das Schächten niemals, als Thierquälerci angesehen werden kann, und. daß .man Unrecht thut,. wenn man den Bekcnncrn der jüdischen Religion irgend einen Zwang oder eine Einschränkung in Bezug auf die vorschriftsmäßige Alisfnhrnng deS SchächtenS auflcgt. Kopenhagen, den 17. Dezember 1686. Vag ge, Professor an der königlichen Thicrarzneischnlc. A. Hannover, Dr. mal., Professor. ' ■ ׳; ' VI Gutachten dcS Gcumil-Jiispektors.der frauzösischeil Thicrnrzncischillcu Professor A. Chatican. An Herrn Dr. M. Cahu, Provmzialrabbincr in Fulda. Ich wurde schon mehrmal über die Frage, die Sie mir stellen, konsnltirt. Meine Antworten sind' schon von Ihren Glaubensgenossen in verschiedenen Ländern, besonders in der Schweiz, veröffentlicht worden. Meine motivirte Ansicht ist demnach wohl bekannt. — Ich kann hier nur bestätigen, was ich bereits gesagt, daß ein Thier, welches die zwei Carotidcn (Halsarterien) durch die Schlachtmethodc nach dem israelitischen NitnS durchschnitten bekommt, beinahe augenblicklich alles Gefühl verliert, weil das Gehirn nicht mehr genug Blut empfängt, um seine Thätigkcit bcizubchalten. — Der Kopfschlag oder der Gcuickstich, vor oder nach dem Schachten, ändert nichts in seinen Resultaten bezüglich der dem Thicre anferlegtcn Leiden. — Ich bin erstaunt, daß die Frage wieder zur Diskussion kommt. Me Angaben der Physiologie bezeugen, daß es nicht grqusamer (sogar könnte man behaupten, daß cS weniger grausam), die Schlachtthicre nach der israelitischen Methode zu schächtcn als nach jeder im Allgemeinen üblichen Prozedur. Genehmigen Sie, mein Herr, die.Versicherung meiner vorzüglichen. Hochachtung. ׳ ' Paris-Passy, Rne de la Pompe (Avenue Iule, Ianvicr), 3. Ianvier 1687. . . ״ ׳ A. Chauveau, Mcmbre de l’3nftitut'ion de France. VII. ־ ' Gütlichten des königliche!! Deplirtementsthierarztes C. Müller in Stettin. Unterzeichneter ist im Interesse dcrrituctlcnSchlachtmcthodc, (Schächtcn) der Israeliten aufgefordert worden, ein wissenschaftliches Gutachten über folgende drei Fragen abzngebcn." .1) Liegt eine Veranlassung vor, nach Vollzug des HalSschnittS beim Schächtcn von Schlachtthiercn durch irgend eine Art die angeblich noch an׳ . dauernden Schmerzempfindnttgen des ThiercS.zu ׳ vermeiden? . . . :׳;- ׳ ׳ 2) Würde eine Betäubung durch,Kopsschlag . oder .Genickstich nach, dem Schächtschnitt hinsichtlich

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