Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1887)
- Article
- Gutachten über das Schächten
- Date
- 1887-02-10
- Page
- 84 (sequence 4)
- Language
- German
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IV. Gutachten des Professors I. Kuhue z» Heidelberg. Herrn Provinzialrabbincr Dr. M. C ah n in Fulda. Um auf Ihr Schreiben vom 30. Dezember erwidern und die im mitgcsandten Zirkular vom 20. Novembcr v. I. gestellten Fragen beantworten zn können, habe ich der Tödtnug mehrerer Stücke Großvieh durch ״Schächten" im hiesigen Schlachthanse bcigcwohnt. Was ich dabei gesehen habe, widerspricht der Behauptung, daß das Schächten vor anderen Schlachtarten als Thierquälcrci zn bezeichnen sei, ebenso wie alle physiologischen Erfahrungen über den Tod durch Verblutung. Ich sah die Thiere durch Anziehen um die Beine laufender Schlingen sehr rasch zu Boden oder ans einen Schrägen werfen, während der Kops fast gleichzeitig hintcrnbcr aus die Hörner gestellt wurde. Hierauf durchschnitt der Schächter mit einem etwa einen halben Meter langen, vorn abgestumpften Messer, von der Beschaffenheit eines tadellosen NasirmesserS, den Hals in einem einzigen oder höchstens einmal zurückgehenden queren Zuge vollständig bis zur Wirbelsäule. Etwa zehn ^Sekunden nach dem Schnitte wiederholte ich den kurz vorher mehrere Male mit Erfolg angestelltcu Versuch, Schluß deS Auges oder Blinzeln der Lider durch rasches Annähcnr der Hand oder eines PinzettengriffeS hervorzurnfen, vergeblich. Bewußte Schempfindüng war demnach nicht mehr zu konstatiren. Dagegen erhielten sich die Reflexbewegungen in der Umgebung deö AugeS auf Berührung der Bindehaut noch drei oder vier Minuten, die Verblutungskrampfe in. den größeren Muskeln und in denen der Haut noch sechs bis sieben Minuten. Frage I des Zirkulars: ״Liegt eine Veranlassung vor, nach Vollzug deö HalsschnitteS beim ״Schächten" durch irgend einen weiteren Akt die angeblich noch andauernde Schmerzempsindung des ThiercS zu vermindern?" muß ich daher auch nach eigener Anschauung des Schlichtens mit Nein beantworten, denn 1) sinkt die bewußte Empfindung schon im Beginne des AnöblittcnS so tief, daß auch die durch die Fesselung, daö Wersen und den Halsschnitt bedingten Angriffe sensibler Nerven nach einigen Sekunden höchst wahrscheinlich gar nicht mehr empfunden werden, geschweige denn Schinerz׳ cmpsindung erzeugen; und 2) sind die dem Uuhuibuicn als Versuche der Abwehr erscheinenden und ihn erschreckenden - Vcwegmrgen der VerdlutungSkrämpfe gar leine Zeichen von. Empfindung. sondern ebenso wie die am Auge durch direkte Berührung hervorzurufenden Bewegungen, noch möglich, nachdem das Bewußtsein z. B. durch Entfernung deö Großhirns gänzlich aufgehoben ist. Frage 11:. ״Würde eine Betäubung durch Kopsschlag oder Genickstich nach dem Schächtschnitte hinsichtlich der Qualität des Fleisches sich als zweckmäßig erweisen?" ist ebenfalls mit Nein zn beantworten; denn die genannten Prozeduren würden unter Anderen die Verblntungskrämpfc vermindern und damit die für die Haltbarkeit und Zuträglichkeit deö Fleisches sehr sördcrliche Entblutung desselben beeinträchtigen. Frage III: ' ״Wäre durch jene Betäubung eine Verkürznng des Schmerzes für das geschlichtete Thier gesichert?" ist zwar durch die Beantwortung der Frage I schon erledigt, gicbt aber erwünschte Gelegenheit, hinzuznfügen, daß der Kopsschlag oder Genickstich, als gewaltsamste und maximale ErrcgungSmittel der größten Zahl sensiblcr Nerven, das im Erlöschen begriffene EmpfindungSvermögen noch einmal, wenn auch nur für den Moment der Ausführung, zu erwecken vermöchten und einen intensiveren Schmerz zu erzeugen, als der von sicherer Hand mit vollendet geschärftem Messer schnell geführte HulSschnitt überhaupt verursachen kann. In der Hoffnung, nüt den vorstehenden Antworten den Gegenstand bei gegenwärtigem Anlaß mit genügender Vollständigkeit erledigt zn haben, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Kühne. Heidelberg, den 10. Januar 1687. (Physiologisches Institut der Universität.) V. ' Gutachten des Professors an der königlichen Thicrarzncischnle Bagge und des Professors Dr. A. Haimodcr zn Kopenhagen. Das; der Schlachtmodns der Inden, daö sogenannte Schächten, rationell und nicht allein zn den besten Schtachtmcthoden zu zählen, sondern in mancher Be- Ziehung der Tödtnug durch Kculcnschlag .vorzuziehen ist, darüber sind wohl jetzt, die Mehrzahl der Sachkundigen einig. Das Schächten wird durch einen schnellen Halsschnitt durch die Haut, die Lust- und Speiseröhre und die großen Aderstamme,- mit einem vollständig glatten und sehr scharfen Messer auögeführt, und die Bewußtlosigkeit deS.THicreS tritt in. kürzerer Zeit als einer halben Minute ein, ׳ hcrbeigeführt durch die plötzliche Blutcntlcerung des Gehirns. Ohne Zweifel ist auch die Vlutentleerung weit vollständiger beim Schächten als. nach einem vorcmsgegangenen Keulen-