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Jeschurun · 1887-02-03 · Heft 5 (3.2.1887) · p. 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 5 (3.2.1887)
Article
An den Gestaden des Schilfmeeres - an dem Ufer des Kischon
Date
1887-02-03
Page
67 (sequence 3)
Language
German
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67 hohen heiligen Bestimmung Israels nicht ganz unter. Gott ließ in seiner Mitte Männer erstehen, welche cö vor dem gänzlichen Versinken in den Abfall zum Hcidenthum schützten und cS auch vor dem durch seine Feinde drohenden Untergänge retteten. Aber auch diesen Männern, seinen Richtern und Führern, gehorchte cS nicht lange. Es verfiel bald wieder in die alten Fehler. Und wenn Gott dann wiederum solche ״Richter" ihm erstehen und ihm Rettung zu Thcil werden ließ, so währte die Erhebung zur wahren GoltcScrkenntniß nur so lange, wie der Richter an seiner Spitze stand. Mit seinem Heimgang schwand auch wiederum dieses Gottesbcwußtscin im Volke, und cS ward dann wiederum seinen Feinden zur Beute. So mußte Israel erst erzogen werden durch seine eigene Erfahrung, und nimmer ruhte die väterlich weise Erziehung. WaS an ihm sich vollzog, war nichts Anderes als die ErzichungSweise des allgütigcn Vaters, die sich an allen seinen Kindern, au der gesammteu Menschheit, bewährt seit dem Tage, da die Pforten dcö Eden sich hinter dem ersten Menschenpaare geschlossen: durch eigene Erfahrung den Weg zu Gottes Heiligthmn, zu dcni Paradiese ans Erden zu sindeu. Othniel hatte vierzig Jahre lang das Volk geleitet. Er halte cö von der Obmacht der mcsopvtamischcn Herrschaft befreit. Nach seinem Tode und dem Rückfalle in die alte Sünde erlangte Moab Gewalt über Israel, bis nach achtzehnjähriger Unterdrückung Ehud es befreite und ihm für acht Jahrzehnte Ruhe schasste. Mit seinem Heimgänge aber zog eine trübe Zeit über das seinem Gott wiederum untreu gewordene Volk herein. Der König von Kenaan hielt cS unter seiner eisernen Faust zwanzig Jahre darnieder. Jede Spur eines selbständigen Daseins ward in ihm verwischt. DaS Gott entfremdete Volk lag ohnmächtig am Boden und schien zn verenden. Da war cS ein Weib, durch welches der schon zn erlöschen drohende Funke wiederum zum?eben angcsacht wurde, ein Weib, die hohe gottbegeisterte Debora, durch welche Gottes mächtige Hand, seine allgegenwärtige Wartung, wiederum Israel und den Völkern allen für ewige Zeiten sich kinidgab. Wie ehedem an den Gestaden des Schilfmeeres, also erschien Gott wiederum in seiner Hoheit und Allmacht, eingreifend in die Geschicke der Menschen, den gewaltigen Tyrannen richtend und strafend, dem Schwachen und Hülsloscn der starte Hort und Erretter. An dem Ufer deSKijchon offenbarte sich nicht die hcldenmnthigcTapferkeit der israelitischen Mannen, die von einem Weibe geführt wurden. ״Gott war es, der SiSra und seinen ganzen Wagenpark und sein ganzes Heer in Verwirrung brachte," und darum war cS auch nicht Baraks Schwert, das hier den Sieg errang und dem Volke die Freiheit brachte, sondern Gott. Der Sang, welcher von Dcbora's Lippen unsterblich durch die Zeiten tönt, ist darum gleich dem ״Sange MoscS und Israels״ Gott geweiht, und gleich ihm schaut er auf das cudliche Ziel der Geschichte hin, für welches Israel vou Gott zum Herold dcö GottcSreichS, zum Pricster der Menschheit bestimmt, trotz allen Untergang drohenden Gefahren erhalten bleibt und stets von Neuem die wunderbar schützende und erziehende Hand GolteS in seinem Geschicke offenbart. '"6, Gott, bcm Schöpfer und alllicbenden Erhalter des Alls, der sich als אלז־י׳ ישראל in der Geschichte des israelitischen . Stammes wunderbar kundgicbt, der Israel anö dem tiefsten Elende zur Freiheit führt, der cö immbcrbar leitet und erzieht, — Ihm gilt Deboras Lied. Die Könige und Helden aller Zeiten und Völker ruft sie auf, den Tönen ihres SangeS zu tauschen. Sie hat die einzige Größe Gottes erfahren und be« griffen gerade in der tiefen Gcsnnkenheit ihres Volkes, welches, jedes inneren Halles bar, schwach und ohnmächtig nach Außen von Gott aufs Nene zur Freiheit und Selbstständigkeit geführt worden. Es bednrste nicht dcö Schwertes, nicht der Kriegskunst, nicht dcö HeldenmnthS — mir deS sich Gott weihenden EutschlnsscS, des erneuten Gelöbnisses der Treue und Hingebung an Gottes Gesetz. Daß in dem seinen Feinden ohnmächtig preiSgegebencu Israel, in dem feiner heiligen Bestimmung entfremdeten Israel dennoch eine solche innere Erhebung dcö Geistes möglich war, dafür fordert sie das Volk auf Gott Zll segnen. Daß ihr Volk so lies sinken konnte und in Ohnmacht zu verenden drohte bis sie, daS Weib, ״eine Mutter in Israel", aufsland und Gott durch ein schwaches Weib die Rettung brachte — das ist ihr die nimmer zn bczweifelnde sichtbare Osjcnbanmg Gottes in der Geschichte, die Verherrlichung der göttlichen Allmacht. Und darum jubelt ihre Seele vorahncnd dem Tag entgegen, au welchen! die gcsammlc Menschheit mit Israel vereint Gott allein die Huldigung weiht und alle, die sich jetzt noch weigern vor Gott den stolzen Nacken zn beugen und seinem Gebote, dem Gesetze des wahren Rechts und der wahren Liebe Gehorsam zu leisten, vielmehr den eigenen Willen den göttlichem cntgegenstellcn und die eigene staubgcborcnc Herrlichkeit der göttlichen, alle die sich bis dahin als die 'אויבי ר, als die Feinde Gottes und Seines Reiches ans Erden bewähren, vcrschwnnden sein werden und die ganze Menschheit ein einziger Verein von אהבי ד׳ von ״Freunden GottcS" bilden wird. In dem 'מקדש ר, beut Gotleöhei.ligthum, das die ganze Erde.umfassen wird, weiten nur 'אהבי ר, Freunde Gottes, die gcsammte Gott huldigende Menschheit.

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