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Jeschurun · 1887-02-03 · Heft 5 (3.2.1887) · p. 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 5 (3.2.1887)
Article
An den Gestaden des Schilfmeeres - an dem Ufer des Kischon
Date
1887-02-03
Page
66 (sequence 2)
Language
German
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66 Diese scchßnuilhuuderttausend freien Männer waren aber keine kricgSmuthigen Helden, die sich die Freiheit selbst erstritten. War cS doch Gott, der sich ihres Elends erbarmte und ihrem Herrn den Freibrics für sic abnöthigte. Sie fühlten ihre Ohnmacht gegen die ägyptischen Reisigen und wagten den Kamps nicht. ויצעקו בני ישראל אל ד׳, sie hatten dem ans sie einstürmenden Feinde nichts cutgcgeuzusetzcn als den Aufruf zu Gott, daß Er, der sic erlöst, ihnen auch jetzt Hülfe sende. Und diese Hülfe ward ihnen bcschiedcn. Wie ihre Befreiung in Aegypten nicht der Menschen Heldenmnth verherrlicht, idtc sic nicht das Werk eines die Herrschaft des Tyrannen in mächtiger Erhebung brechenden, zun, Sclbstdewnßtscin gelangten unterdrückten Volkes war, sondern ein ewiges Denkmal der in die Geschichte machtciuzig eingreifenden Hand GoltcS darstellt, also ist der Untergang des ägyptischen Heeres und die Rettung Israels am Schilfmccrc eine gleiche Offenbarung der Allmacht und Liebe GottcS, der allein das Geschick der Menschheit lenkt. Durch alle Zeiten tönt der Sang MoschehS und Israels von den Gestaden deS SchilfmccrS, nicht die Tapferkeit der Menschen und ihren'Heldcnmnth preisend, nicht die Vernichtung׳ des Feindes bejubelnd, sondern die Allmacht und Allgcgcuwart GottcS verkündend. ד, ימלך לעלם וער tönt cs seitdem durch die Gänge der Geschichte. Es kommt der glückliche Tag, an - welchem die Völler alle Gott allein huldigen und seiner Herrschaft in Wahrheit sich beugen. Wie auch immer dem Auge der Sterblichen dieser Tag verhüllt ist, wie auch immer der wahnbcthörte Sinn der Menschen in der Macht der Helden und Gewaltigen den einzig gestallenden Faktor der menschengcsejlschasllichcn Verhältuisse erblickt, wie sie auch immer sich sträuben, Gott und sein Gebot als die einzig wahrhaftige Macht anznerkennen; — die gewaltige Offenbarung GottcS am Schilfmcere hat doch eine Ahnung von' der Ohnmacht menschlicher Größe 111׳b von der Allmacht Gottes in die Brust der Völker gesenkt, und sic werden allcsammt dereinst in den Sang MoschehS und Israels jubelnd ciustimmctt: ד׳ יבולך לעלם וער! Von des SchilfmcerS User, in überwältigendem Anschaucu der allgewaltigen, schirmenden und erlösenden, richtenden und strafenden Wallung GottcS, sah Israel das Ziel der seiner harrenden Wüslenwandernng in hehrem Glanze als das נזק ד ש ארוני כוננו ידיך, als das Hciligthum GottcS,. des Herrn und Meisters der Welt, von Ihm längst vorbereitet und fest begründet. In seiner vollen Herrlichkeit erschien in dieser großen Stunde dieses GoltcShciligthnm vor Israels entzücktem Auge. Auf festem Grunde ruht dieses Hciligthum. ES ist eingcsügt in den Urban des Universums. Alle Stürme der Jahrtausende vermögen cS nicht zu. erschütter». Weit geöffnet laden seine Portale von jeher zun, Eintritt ein, und eS harret Aconcn hindurch dcS Einzuges der Menschheit, der hier allein seliger Friede winkt, die hier endlich anSruhcn wird von allen Irrführte» und Kämpfen, die sic. zu überwinden hatte, weil ihr der Kompaß und das Steuer abhanden gckommen, um dcS WcgcS zu diesem Hciligthnme nicht zu verfehlen.. - Israel erkannte in jenem einzig großen Augenblicke der Begeisterung daö Hohe der ihm gewordenen Aufgabe: der Menschheit voranzuwandcrn den Weg zu diesem Hciligthnme, dessen Pforten allen צדיקים, allen vor Gott in Wahrheit sich beugenden Menschen, längst geöffnet sind, erkannte in diesem Augenblicke die einzige Bedeutung dcS an ihm vollzogenen göttlichcn ErlösungSwundcrS, die einzige Aufgabe srincö ganzen ferneren Daseins, daö einzige Ziel seines mit יציאת יזצרים begonnenen Eintritts in die Reihe der Brudervölker.-^ -- Vom Schilfmccr zum Sinai, vom Sinai zum verheißenen Lande — eine ununterbrochene Kette von ErziehungSwcrkcn an dem von Gott für dieses Ziel der Geschichte auserkorenen Stamme! Und angelangt in dem Lande, daS seinen Ahnen verhießen, ans daß er hier mit dem am Sinai empsangcn.cn Gesetze diesen Boden zu dem der Menschheit verloren gegangenen Paradiese wiederum gestalte — wie klein erscheint er/ wie wankelmüthig und zaghast, wie wenig reif für die ihm zngclhcilte Bestimmung! Iehoschua, der 'עבר ר, der würdige Nachfolger seines großen Meisters, war gestorben. Er hatte seines. Amtes gclrculich gewaltet. Er hatte daö Volk in daS Land geführt, vermochte aber nicht, den Verirrungen desselben vorznbengm, vermochte cS nicht zu schützen vor den Verlockungen zum Abfall. Mit ihm war der treue Mahner und Führer hcimgcgangcn, welcher sein Volk trotz deS wiederholten Ungehorsams doch immer wieder auf den Pfad dcS Rechten zurückzn lenken verstand. Ein anderes Geschlecht war hcrangcwachscu,. welches Gott nicht erkannte und nichts wußte von dem. großen Werke, daS Gott au Israel vollbracht. ES hatte Gott, der sich in dem wunderbaren Geschicke der Väter als der allmächtige Erlöser geosscnbart, ganz verlassen und war den von den benachbarten Völkern verehrten Gott- Heiken nachgewandelt und erhoffte Glück und Gedeihen von den mächtigen Natnrkräften, wie solche in dem .Kultus deS Baal und der Astarte verehrt und den Menschen günstig gestimmt werde» sollten. ■־־ Da überließ cö Gott dem natürlichen Schicksal, nach welchem der Schwächere dem Stärkerem zum Opfer fällt. In diesen trüben Zeiten, welche auf Iehoschua folgten, ging aber dennoch daö Bewußtsein vonder

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