Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1887)
- Article
- Gutachten über das Schächten seitens des Direktors der Königlichen Thierarzeneischule zu Hannover Medizinalrath Professor Dr. Dammann
- Date
- 1887-01-06
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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daß er niemals fchlgcht, sondern stets in! Nu mit! vollendeter Sicherheit;um Ziele führt. Das muß de-; sonders gegenüber dem Verlangen betont werden, das! zu schlachtende Thier allemal zunächst durch Schlagen! vor die Stirn in Betäubung zu versehen. Ich habe ’ selbst in Schlachthäusern wiederholt die Wahrnehmung gemacht, daß der Ochse keineswegs durch den ersten Schlag nicdcrgcstrcckt ward, sondern daß nntiinVcr wohl zehn Schläge ersordertich waren, um ihn besinnnngSloS zu machen. Da läge eher Veranlassung vor, von einer barbarischen Prozedur zu reden. Ebensowenig wie der Schächtakt selber, kann das vorbereitende -Versahren ein thierguälcrischcS genannt tvcrden, vorausgesetzt, daß cS in korrekter Weise zur Ausführung gebracht wird. Freilich, wer cnragirtc Schächtgcgncr schildern hört, wie die zur Schlachtstättc geführten Thicre insolgc deS BlntgcrucheS und des Anblickes der cutscclten Genossen von Todesangst gepackt, wie sic geknebelt «ud gewaltsam zur Erde gcmorsen werden, so daß innere Verletzungen, Nippen-, Becken- und Hömerbrüche die Folge seien, wie der Kopf gewaltsam iiingcdreht wird, und das Schlachtopfer in der gezwungenen Lage schwere Qualen auSznstehcn hat, so daß eö oft über und über mit Angstschweiß bedeckt sich zeigt, — der mag wohl von Schaudern durchrieselt werden und geneigt sein, der ganzen Prozedur den Stempel einer unverantwortlichen Grausamkeit und Rohheit aufzndruckcn. In Wirtlichkeit liegt die Sache aber ganz anders. Zunächst beruht der die Todesangst veranlassende Effekt des BtlrlgerucheS und des Anblickes toMer Gc-!!offen lediglich in der Einbildung dcö Erzählers. Ich habe erst am gestrigen Tage in dem hiesigen Schlacht- Hanse, nachdem bereits 7b Rinder geschlachtet waren und reichliche Massen von Blut sich aas den Boden ergossen hatten, Ochsen und Brillen, allerdings durch Angcnlcdcr geschützt, hcreinsührcn und über eine Viertelstunde ruhig dastehen sehen, ohne daß sie auch nur die geringste Spur von Unbehagen oder Aufregung botiuncntivtcn; und genau dasselbe habe ich anderwärts wahrnehmcn ^können, wenn sogar der Anblick der gcschlachteten Stücke, ja auch des SchlachtcnS selber, den Thiercn unbenommen' war. Wer das Fesseln und Nicderwcrscn als barbarisch brandmarkt, der muß logischcrrvcisc auch jedes Wersen von Pferden und Rindern, wie cS der Thicrarzt zu therapeutisch-operativen Zwecken tagtäglich vornimmt, als einen thiergnälcrisehen Akt kennzeichnen, woran doch sicherlich noch Niemand gedacht hat. Verletzungen mögen bei dem Niedcrwcrfcn ganz ausnahmsweise einmal vorkomnrcn, aber jedenfalls sind sie reine Raritäten. Ich habe mehr als hundert Male dem-Schächten bcigewohnt, ohne daß ich jemals das Eintreten von Brüchen oder inneren Läsionen dabei konstatircn konnte, und von SchlachthanSthierärzten ist mir ein Gleiches berichtet worden. Das Wenden des Kopses endlich ans die Stirn und des Halses ans den Kamin kann erst recht nicht als eine Marter angesehen werden, da das Thier, wcrrn es bewirkt wird, sich doch bereits in der Rückenlage oder in einer Nnckeii-Seiten׳ tage befindet. Gewiß wird man cinrüumcn dürscn, daß manche Thiere bei dem Werfen in Erregung gcrakhcn und, wenn sie gefesselt dalicgcn, sträubende Be< rocgnngen ansführen, wie inan eö in gleicher Weise bei de!n Niederlegen zum Bchnse operativer Maßnahmen gelegentlich beobachten kann. Aber diese Erschciniutgcn sind nicht etiva durch die Furcht vor bem Geschsachtctwcrdcn veranlaßt, sondern sie stellen lediglich Reaktionen gegen den störenden Eingriff und gegen die unbequeme Situation dar. Der Mensch, ivclchcr weiß, daß daö Thier in das Jenseits befördert werden soll, mag Qualen dabei einpsindct, besoiidcrS wenn die vorbereitenden Manipulationen sich ungebührlich lange hinziehen. Bei den! Thiere famt man hierbei aber von Berechtigung nicht reden. Wer diese in dem Auge dcö ThicreS liest und ans den! angeblichen Angstschrvciß hcranSdcntet, der sieht und deutet zu viel. Das Gutachten hält im klebrigen dafür, daß die Anregungen hinsichtlich der Legung dcö Schlachtthiercö ans einer weichen Unterlage Berücksichtigung verdienen, und fährt alsdann fort: ..Von verschiedenen Seiten ist noch eine weitere Präposition gemacht wordm, die nänltich, zccr Vcr- Minderung der Quoten der Thiere ans den Schachtschnitt ohne Verzug die Betäubung durch Schlag oder den Gcnickftich folgen zu lassen,?ln manchen Orten wird wenigstens die letztere Methode auch bereits exekutirt. Eine Betäubung dcö bereits geschachteten ThicreS ist aber einfach sinnlos, da dasselbe bis zu den! Momente, wo der Schlag gegen den inzwischen wieder gewendeten Kopf anSgesührt werden kann, infolge der starken Blutung schon längst betäubt und bewußtlos ist. Und nicht vict anders steht cS mit dem nachträglichen Gcnickstich. Durch denselben wird das Rückenmark zwischen dein Hinterhauptbein und dem ersten Halswirbel oder zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel vermittelst eines spitz-scharfen Messers durchtrennt. Wenn derselbe anSgesührt worden ist, so sistircn die heftigen, mnvillkürlich vor sich gehenden Muskelzuckungen, welche einige Minuten nach den! Schachtschnitt sichtbar werden, allerdings sofort, oder wenn er bereits vorgenonnnen wird, bevor dieselben sich eingestellt haben, so treten sic gar nicht ein. Was für den Laien bei dem Schächtaktc besonders abschreckend ist. kommt soinit natürlich ganz in Wegfall. Nichtsdestoweniger muß aber gesagt werden, daß der Genickstich mindestens überflüssig ist, weil er, man mag ihn