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Jeschurun · 1887-01-06 · Heft 1 (6.1.1887) · p. 9

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 1 (6.1.1887)
Article
Gutachten über das Schächten seitens des Direktors der Königlichen Thierarzeneischule zu Hannover Medizinalrath Professor Dr. Dammann
Date
1887-01-06
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Mt 9 Zsschurm». Gutachten über das Schächten Seitens des Direktors der Königlichen Thierarzeneischule zn Hannover Mediziualrath Prosessor vr. Damniann. Herr Landrcrbbiner 1)1°. Gronemann hieselbst hat die oben genannte Autorität um eine gutachtliche Acnßerung über die Schcchita ersucht und dieses Giltachte» vom 12. Dezember v. I. uns freuudlichst zur Verfügung gestellt. Wir geben im Folgenden einen Auszug aus demselben. lieber bc« Akt des Schächteus spricht sich Prosessor 1)1°. Dam m aun dahin auö: Um diesen anSznsührcn, spannt der Schächter mit der linken Hand die Haut des Halses und führt mit dem in der rechten Hand gehaltenen haarscharfen und von jeder Scharte freien Messer etwas unterhalb des Kehlkopfes rasch einen Schnitt durch die Weichtheile des Halses, so tief, daß er bis auf die Wirbelknochen vordringt. Durch denselben werden die Haut, die Luftröhre, der Schlund, die Blut- und Pulsadern, sowie die Nervenstämme, welche diese großen Gefäße begleiten, vollständig durchtrennt. Das Blut strömt anfangs massenhaft ans den geöffneten Gesäßen hervor, allmählich spärlicher; binnen 2-1:״ Minuten pflegt die Blutung ihr Ende erreicht zu haben. Im Beginn derselben liegen die Thiere gewohnlich ruhig; alsbald aber wird die Athmnng verlangsantt, unregelmäßig und röchelnd, und weiterhin stellen sich krampfhafte Znsammenziehnngen der Muskeln an den Gliedmaßen und auch wohl an dem ganzen Körper ein, die bei den einzelnen Thicrcn von verschicdcncr Heftigkeit sind, nach und nach schwächer werden und in einigen Minuten vollständig anshören. (Sine vornrthcilSfreie Erwägung muß sofort die Ueberzcngnng ausdrängcn, daß gegenüber diesem eigcntlichcn Schächtaktc von einer Thierqimlerei schlechterdings nicht gesprochen werden kann. Gewiß verursacht da- Durchschneiden der Haut und der übrigen Weichtheile des Halses dein Thiere einen Schmerz, aber dieser ist wegen der außerordentlichen Schärst des Messers und der Schnelligkeit der Schnittführnng nur gering und nur momentan. Empfindet schon der Mensch selbst bei einem tiefen, mit scharfem Werkzeuge rasch ansgesührten Schnitte nur ein müßiges Schmerzgefühl, so ist dasselbe bei den crhel.'lich weniger sensiblen Wiederküncrn natürlich noch viel unbedeutender. Man sicht das anch ans das Deutlichste an der Thatsache, daß das Thier weder während der Messers»hrnng noch nnmittelbar nach derselben einen Laut von sich giebt oder Miene macht, ans den Fesseln sich zu befreien. Stürzt dann das Blnt ans der Schnittstelle hervor, so ist das Bewußtsein des ThiereS in wenigen Augenblicken erloschen. Denn das Gehirn, welches der Sitz der Scelcnthätigkcit ist, vermag, wie anch die übrigen Körperorgane, nur regelrecht zu funktioniren, wenn cö die hinreichende Menge normal beschaffenen Blutcö zugcführt erhält. Diese Möglichkeit ist aber gcnoimnen, weil die Pulsadern des Halses, die sogenmmten Karotiden, welche dem Gehirne fast das gesammte Blntqnantnm, welches es empfängt, zuleiten sollen, infolge ihrer Dnrchschneidnng ihr Blnt nach außen ergießen, und die Blutleere dieses Organs wird umsomehr beschleunigt, weil die gleichzeitig durchschnittenen Blutadern des Halses, die Drosselvcncn, welche das von dem Gehirne kommende Blut ansnchmen, ihren Inhalt ebenfalls hastig nach außen entleeren. Ist das Bcwnßtsein aber infolge der Blutlosigkeit deö Gehirns geschwunden, so kann von dem Thiere auch absolut nichts empfunden werden. In einer im vorigen Jahre von dem Verbände der deutschen Thierschntz-Vereine an den Deutschen Reichstag gerichteten Petition ist angegeben worden, daß von dem Momente des SchächtschniltcS bis zum völligen Schwinden des Bewußtseins und der Empfindung oft )0 Minuten vergingen, was zumal durch die bei der Blutenllecrung anftrctcndcn Krämpfe bewiesen werde, und bei* Berichterstatter der Petitions-Kommission hat diese Behauptung ohne Weiteres als richtig angenommen. Die bczcichnetc Angabe und Annnahme beruhen indessen auf einem wissenschaftlichen Irrthnm. Wenn der unmedizinische Laie die krampfhaften Muskelkontraktionen, welche sich einige Zeit nach dem Durchschneiden der Kehle cinstcUcn, als Zeichen von Angst und Schmerz ansieht und durch sie, sowie durch das röchelnde Geräusch, welches der Strom der Lust in der dnrchtrcnnten Luftröhre erzeugt, unangenehm berührt wird, so erscheint das begreiflich. Der medizinisch Gebildete. muß aber wissen, daß die in dem sogenannten Todcökampsc eintretenden Konvulsionen nichts als Reflexbewegungen der MuSkelgebilde sind, welche unwillkürlich von dem verblutenden, bewußt- und empfindungslosen Thiere anSgeführt werden und gerade das deutlichste Kenn- Zeichen dafür liefern, daß das Bewußtsein bereits gcschwnnden ist. Sie sind ans eine Stufe mit den Krämpfen zu stellen, welche den von einem epileptischen Ansall betroffenen, bewußt- und empsindnngSloS daliegenden Menschen dnrchschütteln. Es erscheint sonach nicht berechtigt, den Verblutung-- tod als einen qualvollen zu charaklerisiren. Vielmehr wird dem von den Thicrschntzvereinen mit vollem Rechte als Psticht der Gesittung bezcichnetcn Gebote, die Tödtung auf möglichst rasche und schmerzlose Weise zu vollziehen, durch den Schächtschnilt in der exaktesten Weise entsprochen. Es ist ein großer Vorzug desselben,

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