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Jeschurun · 1887-01-06 · Heft 1 (6.1.1887) · p. 6

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 1 (6.1.1887)
Article
Ein Bezirksrabbiner als Missionär und sein Anwalt
Date
1887-01-06
Page
6 (sequence 3)
Language
German
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durchdrungen zu sein, es trotzdem für moralisch hält, vertraglich mit den Begrifscn von Anstand und Rechtlichkeit, ein rabbinischeö Amt zu behalten, dessen Aufgaben und Pflichten er, auch den guten Witten vorausgesetzt, nicht mehr gewachsen ist? Zwischen den religiösen Postulatcn seiner alten GemcinLc und der von ihm plötzlich gewonnenen neuen Ncligionöübcrzeugung hat sich ein scharfer Gegensatz anSgcbildct, welchen zwei Jahrtausende nicht haben auSglcichcn können. Wie kann er fürder ein Amt verwalten, in welchem er bcrufen ist, das religiöse Gewissen seiner Gemeinde zu repräscntireu und öfscntlich zu verdolmetschen? Eine breite Kluft hat sich aufgethan zwischen ihm und dem Iudenthum. Wie will er rin Lehrer dcö JudcuthnmS sein und bleiben." Kaum war die ״Oesterrnchische Wochenschrift" Nlit dem vorstehenden Artikel versendet, als mir die ״Israelitische Wochenschrift" des Dr. Nahmer, Nabbincr in Magdeburg, zugestellt wurde, in welcher ich Folgendes wörtlich Lese: ״UebrigenS macht Herr Dr. Bloch jetzt wieder durch einen unvorsichtigen, ausfälligen Artikel gegen die protestantische Mission in sehr unliebsamer (Weise?) hier von sich reden. Man gicbt sich von jüdischer Seite Mühe, die Angelegenheit gütlich beizulegcn, sollte cS jedoch nicht gelingen, so dürste sie vor dein Richter zum AuStrag gelangen. Solche sensationelle NeligionSprvzessc mögen dem Fedcrheldcn, der gern von sich reden macht, willkommen sein, der jüdischen Gcsaiumtheit sind derartige Prmiyfnl.ioiicu, besonders in gegenwärtiger Zeit, von großem Nachtheil, sie stören den konfessionellen und sozialen Frieden, dessen wir so sehr bedürfen." Ich betone uochiuals, daß ich, abgesehen von obigen! Artikel gegen Lichtcnstcin — einer Ennnziaiion, welche allerdings der MijsionSgcsellschaft sehr nnwillkommen sein mag — gegen diese letztere in! Laufe dcS ganzes IahrcS keinerlei Artikel pnblizirt habe; der unwürdige Anwurf zielt also nur gegen diesen, und ihn nennt der Magdeburger Nabbimr .,eine Provokation"! Nach der Meinung der ״Israelitischen Wochenschrift" soll man demzufolge auch Missionäre im rabbinischcn Atnte belassen, und nur ein ״Fedcrhcld, der gern von sich reden hört", kann daran össcnttich Anstoß nehmen. Durch einen notorischen MW'onär jüdisch rcligionSgesetzliche Entscheidungen lresicn, jüdische Trauungen und Ehescheidungen vollziehen zu lassen, wird zweifellos die sattsam bekannte theologische Gelehrsamkeit des Magdeburger ״Rabbiners״ zu rechtfertigen wissen. Indessen ist eS eine Unwahrheit, daß die Angelegenheit jenes Artikels ״vor dem Richter zun! AuStrag gelange" und ״daß ntan sich von jüdisch-er Seite Mühe gicbt, die Angelegenheit gütlich beiznlegen". Diese durch und durch falsche Darstellung hat offenbar den Zweck, die öffentliche Meinung, welche mit Ungestüm die Amovirung jenes famosen ״VczirkSrabbincrs" fordert, durch die Drohung mit einem Prozeß einzuschüchtern, für welchen jede Basis diesmal fehlt. Nebenbei erzählt die ״Israelitische Wochenschrift" ihren Lesern eine Anzahl anderer Unrichtigkeiten: ״Ich dankte meine Wahl in den NeichSrath bloß dem Prozesie Rohling, die Wahl wäre noch nicht agnoszirt, weil erwiesener Maßen und wie aus den Erhebungen hcrvorgcht über 200 Todte bei jenem Wahlakte mitgestimmt" hatten; ferner hätte ich ״einen geistlichen Herrn Kopaczynski, dem die Berichterstattung über die Wahl zustcht, darum ersucht, die Sache doch endlich vor das Plenum dcS Hauses zu bringen," bei welcher Gelegenheit ich erklärt hätte: Die Inden glauben nicht an die Auferstehung! Selbstverständlich ist das Ganze vom Anfang bis zu Ende unwahr. Meine Wähler haben mich bereits zweima.l in den NeichSrath entsendet, ich war schon ein Jahr Abgeordneter, als ich über Veranlassung der israelitischen Gemeinde in MischkolcS, welche sich an mich, als an den Abgeordneten gewendet hatte, den Artikel: ״Das Angebot des MeineidcZ" in der Wiener ״Morgcnpost" pnblizirte, durch welchen Professor Rohling znr Klagccrhcbung gedrängt wurde. Berichterstatter über meine Wahl ist nicht ein geistlicher Herr Kopaczynski, auch sonst keiner meiner politischen Freunde im ״Rechts Club", den unser Parlament gar nicht kennt, sondern der deutsch-liberale Abgeordnete Dr. August Weber anS Olmütz, 1111b ich war bis heute nicht in der Lage, ״ans die Entscheidung zu drängen," nachdem die Akten über die gepflogenen Erhebungen dem NeichSrath noch nicht zugestellt waren, sondern vorläufig in irgend einem mir unbekannten Archiv dcö Ministeriums ruhen. Von den 200 tobten Stimmen bei meiner Wahl hat bloß der Korrespondent der ״Israelitischen Wochenschrift" in den Akten lesen können, weil außer ihm kein Zweiter die Akten bis heute gesehen. Ich habe dementsprechend auch noch nicht Gelegenheit gehabt, zu sagen: daß die Juden an die Auferstehung der Todtcn nicht glauben. Das Ganze ist ein Gewebe von objektiven Unwahrheiten, sichtlich zu den! Zwecke erdichtet, das Gewicht meiner öffentlichcn MeinuugS.-Acnßerung über den Bezirksrabbiner Lichtcnstcin abznschwüchcn. Indessen hat ein launiger Zufall der Magdeburger ״Israelitischen Wochenschrift" einen schlimmen Streich gcjpiclt. Mein Artikel: ״Ein christlicher Bezirksrabbiner", gegen den Missionär Lichtenstcin erschien in der ״Oesterr. Wochenschrift" an! 24. Dezember und die mehr erwähnte Korrespondenz, welche sich dieses Mannes liebevoll annimmt, erschien in der ״Magdebnrgcr Israelitischen Wochenschrift" am 23. Dezember»

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