Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 20 (1887)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1887)
- Article
- Ein Bezirksrabbiner als Missionär und sein Anwalt
- Date
- 1887-01-06
- Page
- 7 (sequence 4)
- Language
- German
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7 In Magdeburg wußte man also einen Tag vorher, was die ״Oesterr. Wochenschrift" einen Tag später publiziren wird!! Da der Korrespondent in Wien lebt, so ergiebt sich eine Differenz von drei vielleicht gar vier Tagen. Der Korrespondent des Magdeburger ״Rabbiners" berichtete drei oder vier Tage bevor der Artikel in der ״Ocsterr. Wochenschrift" erschienen war, daß derselbe ״unvorsichtig, ansfällig" sei und ״in sehr unliebsamer Weise von sich reden macht." Ja ״man giebt sich von jüdischer Seite Muhe, die׳ Angelegenheit gütlich beizulegcn, sollte eS jedoch nicht gelingen, so dürfte sie vor dem Richter zum AuStrag gelangen," — löse Magdeburger Graf Oerindur diesen Zwiespalt der Natur! Eine Thaisache indessen springt in die Angen: der Wiener Korrespondent dcö Magdeburger ״Rabbiners״ hat von dem bevorstehenden Erscheinen des Artikels gegen den ״Bezirksrabbiner" Lichtenstein genaue Kenntnig gehabt! Wer ist dieser Korrespondent? Kein Anderer als d e r e v a n g e L i s ch e H e r r M i s s i o n s- Prediger C. A. Schönberger, SalzgrieS Nr. 12 in Wien, welcher in einem Briefe an mich für L. eingetreten und von mir auf gleichem Wege die verdiente Abfertigung erhalten hat. Er, der Einzige, welcher von meinem Entschluß, gegen den ״Bezirks׳ rabbiner" Lichtenstcin öffentlich auszutreten, in Kenntniß war, der ihn acht Tage früher erwartet nnd deßmegen antizipirt hat, er ist der Wiener Korrespondent der ״Israelitischen Wochenschrift." Vorbereitet, diese Behauptung vor jedem Forum, auch v o r e i n e m B e t h - d i n o d e r Ehrengericht, in ihrer Wahrheit zu erweisen und zu rechtfertigen, überlasse ich das Unheil über den BezirkSrabbincr zu Tapio-Szcle und seinen Magdebnrger Beschützer der öffentlichen Meinung. Wien, 27. Dezember 1686. Dr*. Bloch, NcichörathS-Abgcordncter. Aus jungst vergangener Zeit. Novelle von Friedrich Nott. (Nachdruck verboten.) Die kaiserliche Jacht hatte die Anker gelichtet. Majestätisch glitt das prächtige Fahrzeug durch die schäumenden Wogen, wie im stolzen Bewußtsein, daß es einen der mächtigsten Herrscher der Welt auf seinem Rücken trage. Ans dem Schiffe herrschte regeS Leben, doch man vernahm kein überlautes Wort, die Ehrfurcht vor dem Gebieter hatte die Stimmen gedämpft. Es war ein sonnig heiterer Tag; blendend brachen sich die Sonnenstrahlen in der glitzernden Fluth. Der Selbstherrscher aller Reußen befand sich auf bcm Verdeck; in lebhafter Unterhaltung mit seinem Liebling, dem Fürsten T.... w, schritt er auf und nieder. Am frühen Morgen, un nulte! bar vor seiner Abreise, hatte er Nachricht erhalten von dent AnSgang eines Prozesses, in dem nur das, was die Menschen Zufall nennen, ein doppelter Justizmord verhütet worden war. Mit der ihm eigenen Lebhaftigkeit hatte der Kaiser zu seinem Begleiter über den erwähnten Fall gesprochen. ״Gott! Gott!" fügte er hinzu, indem er sich mit der Hand über die hohe, gewölbte Stirn fuhr, ״wo werde ich den Math hcrnehmen, je wieder ein Todesurtheil zu unterzeichnen? — Und wenn ich bedenke, ob nicht vielleicht schon öster — nein! — eS ist entsetzlich!" Fürst T....W bemühte sich, in ehrfurchtsvoll beschwichtigenden Worten die Erregung des Herrschers zu besänftigen. Der Kaiser unterbrach ihn ungeduldig. ״Was sagte doch jener deutsche Dichter?— Jst's nicht genug, daß Fürsten Menschen sind?" ״Müssen sich auch noch Teufel in ihren Freund verstellen?" ergänzte T. ...w lächelnd. ״Das habe ich nicht gesagt," entgegnen der Czar gleichfalls lächelnd, ״habe eS auch nicht sagen wollen,- denn auf meine Freunde — Herr Gott, was ist denn das?" unterbrach er plötzlich sich selbst, indem er auf seine rechte Hand starrte. ״Majestät vermissen den Brillantring?" fragte sein Begleiter, dessen Blick dem Blicke des Gebieters gefolgt war. ״Freilich vermisse ich den Brillantring," entgcgnete der Kaiser, ״ich sehe ihn ja nicht an meiner Hand." ״Haben Majestät vielleicht in der Eile des frühen Aufbruches vergessen, ihn anzulegen?" ״Nicht doch, nicht doch, ich weiß mit Bestimmtheit, daß ich ihn am Finger trug, als wir Q.... verließen." ״Majestät halten ihn auch noch am Finger, als wir uns cinschissten," siel der Adjutant lebhaft ein, ״ich erinnere mich deutlich, den prächtigen Stein funkeln gesehen zu haben, als Majestät sich über die Brüstung neigten und die Hand von den Wellen bespülen ließen und dann die Stirn sich damit kühlten." ״Dabei wird mir der Ring vom Finger geglitten sein — zum Teufel! DaS ist heute ein Unglückstag!" ״Der Ring wird sich vielleicht noch finden — ״Ans dem Grunde des Meeres, ganz gewiß.'-— Aber wer wird ihn dort suchen? — Oder meinen