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Jeschurun · 1887-01-06 · Heft 1 (6.1.1887) · p. 5

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Journal
Jeschurun
Volume
20 (1887)
Issue
Heft 1 (6.1.1887)
Article
Ein Bezirksrabbiner als Missionär und sein Anwalt
Date
1887-01-06
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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mit dem Ersuchen Mittheilung gemacht: ich möchte über den Autor dieser sonderbaren Schrift, als welcher sich ein I. Lichtenstein, angeblich amtirender ״Bezirksrabbincr in Tapio-Szclc" anSgicbt, Auskunft ertheilen. Bald kam diese Missionsschrift auch iti Wien in zahlreichen Exemplaren zum Vorschein, und eingehende Erknndigungcn über den Verfasser ergaben nach genauen Informationen von maßgebenden Persönlichkeiten in Budapest, daß derselbe tatsächlich in Tapio-Szele, einem Dorf von 4—5000 Seelen, in der nächsten Nähe der ungarischen Residenz gelegen, als ״Bezirksrabbincr" amtirt. Die Flugschrift führt den Titel: ״Mein Zcugniß von L. Lichtcustein, Bezirksrabbiner zu Tapio-Szele. II. Heft. Budapest. Buchdruckerei von Viktor HörnyanSty. 1886." AnS dem Inhalte der Brochure ziliren wir nachfolgende Sätze: ״Mein Zengniß. WaS mich beim Niederschreiben dieser Zeilen einschüchtert, ist — weil mein Zengniß für Christus so einfach, allgemein, selbstverständlich erscheint, daß, wenn ich schweigen möchte, die Steine cs auSschrcien würden." ״WaS ist denn eigentlich der Grund und Eckstein der erhabenen christlichen Lehre, der Himmelsthan, der daö gläubige, geangstigte, verzagte, gequälte, arme Herz erfrischt, die innersten Saiten mitleidsvoll erbeben!nacht bei den Leiden Anderer...(S. 5.) ״Ja, Christus ist die Grundveste der Wahrheit, der herrlichste HimmelSschatz, die stolzeste Zierde der Schöpfung, der erhabenste Menschensohn, der je auf Erden gewandelt — die verkörperte Gerechtigkeit — der Weltheiland — der WeltmessiaS . ..(S. 8.) ״So wie das Weltmeer alte Ströme und Flüsse in sich a'ufuinnnt, also finden wir alle diese erhabenen, göttlichen Eigenschasten in himmlischer Harmonie mit Christi vermählt, von dem Mose spricht: ״״Einen Propheten aus deiner Mitte, von deinen Brüdern, wie ich cS bin, wird der Ewige, dein Gott dir erwecken, ihm sollt ihr gehorchen."" 5. V. M. 18, 15 (S. 9.) ״DaS Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit ist durch Jcsum Christum geworden. Johannes 1,17...." (S. 13.) Das sind die Kernsätzc des ״bezirkSrabbinerischcn" ״Zeugnisses". Diese Lehrsätze versucht der Herr ״BezirkSrabbiucr" allen Ernstes — anö dem Talmud und Midrasch zu erweisen, als ob die Rabbiner! alle heimliche Christen, oder, wie der Herr ״BezirkSrabbiuer" in Tapio-Szele, nur verkappte Missionäre gewesen wären. Da dies bereits die zweite Flugschrift unter demselben Titel von demselben Autor war, eine dritte unter der Presse sich befand, während außerdem eine vierte unter dem Titel: ״Der Talmud auf der Anklagebank vom BezirkSrabbincr I. Lichtenstcin" in Kreisen der MissionSgcscllschast zirkulirte, ohne daß man jüdischcrseitS davon auch nur eine Ahnung hatte, so war eö höchste Zeit, diesem ״Bezirksrabbiner" ösfentlich entgegen zu treten. Es mußte vor Allem gefordert werden, daß dieser Mann das ״rabbinische" Amt, welches er zu MissionSzweckcn mißbraucht, zurücklcgt, oder daß die Behörde ihn amovirt. Unter der lieberschrift ״Ein christlicher BezirkSrabbincr" publizirte ich in diesem Sinne einen Artikel — den. einzigen, den ich überhaupt gegen die MissionSgcsellschaft je pnblizirt habe — von welchem idj Ihnen uachstend einen Ausschnitt gebe: ״Man wird cS uns zu Gute halten, wenn wir mit diesem sonderbaren talmndisch-christlichcn Theologen in leine Polemik cintrctcn und auf eine Widerlegung seiner funkelnagelneuen ״Veweisführungen" verzichten. DaS kann unsere Aufgabe nicht sein gegenüber einer Vrochüre, welche die zahllosen, alljährlich auf Kosten diverser Gesellschaften in die Welt gesetzten MisfionSschriftcn nach keiner Richtung überragt, sondern in vielen Beziehungen hinter denselben znrückbleibt. Wir lasst« dem Herrn seine ״Ucberzeuguvg", er lasse unö die unsere." ״Ein Anderes ist cS, was öffentlich zur Sprache gebracht werden muß, was von Christen nicht ntinder als von Inden gefragt wird: Wie kann der Herr Lichtcustein cS mit christlichen ״Ucberzeugnngen" vereinbarlich finden, Seelsorger einer — jüdischen Gemeinde zu sein, das Amt eines ״Rabbiners" zu bekleiden und zu behalten? Durch sein ״rabbiuischcS". Amt allein, durch den talmndischcn Titel, welchen er mit besonderer Betonung vor der Ocffentlichkeit trägt, negirt und verleugnet er daö Christcnthnnt, zu dessen ״Wahrheiten" er sich bekennt. Kein gewissenhafter Christ, welcher mit seiner religiösen Ilcbcrzcugnng cS ernst nimmt, wird cS über sich gewinnen, ״rabbinische" Funktionen zu versehen. Wir wissen nicht, ob Herr Lichtcustein die Taufe bereits empfangen hat . wenn etwa die Rücksichten für sein Amt ihn zurückgchalten haben, so wäre das noch weniger moralisch." ״Indessen, in wie weit dieser Herr den Pflichten gegen seine christliche Ncligionsüberzengung gerecht wird,- entzieht sich unserer Bcnrthcilung. WaS wir aber vor Allen! nicht begreifen, was man von allen Seiten mit steigender Entrüstung fragt, und daö religiöse Gewissen zahlreicher Glaubensgenossen beunruhigt und mit Bekümmcrniß erfüllt, ist, wie ein Mann, welcher ösfentlich bekennt, von den Wahrheiten des ChristenthumS

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