Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 3
- Article
- Literarisch-kritische Übersicht
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 21)
- Language
- German
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Lhalnwd. 111 EhajeS' Arbeiten auf dem Gebiete deS Ihalmudö, welche daS System darzustellen beabsichtigen, zeigen zwar thalmudische Gelehrsamkeit, sind jedoch ohne alle wissenschaftliche Einsicht. Wie den alten methodologischen Werken stehn ihm alle Schriften dieses Gebietes auf einer Linie, eine geschichtliche Entwickelung innerhalb desselben kennt er nicht, ja ihm wie jenen sind Behauptungen spaterer Nabbineu über diese Gegenstände gleichfalls von bindender Kraft. Werke dieser Art haben daher bloS den Werth von Marcrialien-SammInngen. Daß Hir schfcld'S „aggadische Eregese" ganz wie die halachische desselben Verfassers bloS die eine Kunst beweist, ein dickeö Buch ohne einen guten Gedanken zusammenschreibcn zu können, darf man von dem Manne schon voranösetzen. Noch seltsamer sind einige neuere Bücher, die unö gerne mir einem wissenschaftlichen Anstriche wieder ganz in die Casnistik hineinwcrsen möchten; dcr wissenschaftliche Anstrich aber soll darin bestehn, daß man sich auf daö Gebiet dcr thalm. Nechtslehrs wirst, durch deren Behandlung man einerseits in gar keinen Conflict mir dem Leben gerälh, da sie schon längst praktische Geltung verloren hat, und andererseits doch einen Zweig dcr allgemeinen juristischen Wissenschaft anzubaucn glaubt. Allein solche Arbeiten würden nur dann wahren Wc.th haben, wenn uns die Entwickelung der NechrSidcen im Iudenthume mit den Einflüssen, die sich bei dieser Entwickelung geltend gemacht, klar vorgcsührt würde. Zuerst müssen diese Ideen in ihrer biblischen, durch manche damalige Anschauung bedingten Ausprägung, dann die gewaltige Umgestaltung, welche Staarö- und Volköleben, besonders in seiner Berührung mir den Römern, als dem Volke der alten Junöprudenz, in den Nechtöbestimmungen herbeigcführt haben, wie sie in der Mischnah unö entgegentritt, dann die weitere Umwandelung, welche persische ^,chlöLegrjffe und die stsrgewordene cigenthümliche Interpretations-Methode erzeugt haben, wie die Gemara sie uns vorsührt, und endlich die Einflüsse der Systernatisirung und deS VölkerlebenS, unter dem die Juden später sich befanden, wie wir sie aus den Schriften der Nabbinen kennet, lernen, dargestellt werden; eine solche historische Vehandlungsweise würde allerdings dem Gegenstände Interesse verleihen und Schlaglichter auf die ganze Entwickelung des JudenthumS werfen. Allein eine dogma-