Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 3
- Article
- Literarisch-kritische Übersicht
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 10)
- Language
- German
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100 Literarisch-kritische llb erficht. als die wohnlichen Häuser anögebcn lvollie, trockneten sie Sümpfe auS, dir uns herrliche Ströme ersetzen sollten. Es ging eine freie geistige IUchtung hervor ans diesen Kämpfen, welche, alle Ausschweifungen bei Seite lassend, die Krankheit der verblichenen Romantik erkannte, ein gesundes, nicht ein patriarchalisches Staatsleben wollte, ein inniges gläubiges, aber nicht wässeriges, pietisUscheS Bewusstsein erzeugte, eine kritische Auffassung der GeschichtSdcnkmale, aus welchen unsere politische wie religiöse Gegenwart beruht, verlangte, nicht mit?iiier schminkenden AuSputzung, nicht mit einer gutmüthig rationalisircnden Umdeutung sich begnügte. In ihrer Konsequenz trug Ncse Richtung für die Beurtheilung der jüdischen Verhältnisse gute Früchte. Jene alten Stichwörter, die Grcnzpsähle bildeten zwischen der sogenannten christlich-germanischen Welt und der jüdischen, schwanden für den Liberalismus; nur noch einige zähe Geister hielten z, B. in der Badischen Kammer daran fest, sonst war die Losung! Freiheit für Alle! Die inneren Verhältnisse der Juden aber erfuhren eine gänzliche Umwandelung. Eine neue Kraft erfüllte die Juden selbst; ein volles Bewusstsein ihrer Ansprüche trat an die Stelle bettelnder Demuth, eine edle Beharrlichkeit an die Stelle schwächlicher Nachgiebigkeit. Eine jugendliche Emancipatwnö- Litcratur erwuchs voll tüchtiger Gesinnung, kerniger Charakterstärke, und bei allen Landtagen erscholl ihre Stimme, eine bittende zwar, aber keine stehende, eine schmiegsame, aber keine kriechende. Und dieses Bewusstsein drang zugleich' in das innerste Mark dcS jüdischen Lcbcnö eilt. Auf tüchtige innere Umgestaltung, kritische Sichtung deö Iudenthumö, Erfüllung vom Glauben, oder Absircisen von Missbrauchen, Bekämpfung der Gemohubcit, AuSseguug von Vorurtheilen und falschen geschichtlichen Annahmen drang eine nett emporstrebenve religiöse Literatur. Daö war eine Zeit herrlicher Anregung, begeisterten Aufschwungs! Kam eö auch wenig zur Thal, war die Reform mehr Wunsch, Sehnen, so war dieses Sehnen so innig, so überwältigend, daß eö die Geister mit Macht zn sich hinzog. Doch die Früchte soll daö neue Jahrzehnt genießen, nicht ungestört, doch unaufhaltsam sie sich erringend. Es ist eine ewig wahre Thalsache, daß der Genuß nicht so erquickt wie der frische Kampf; aber eine Zeit geht und die andere kommt, und vom I, IBM an hat die Periode der praktischen Umgestaltung