Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 3
- Article
- Literarisch-kritische Übersicht
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 2)
- Language
- German
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92 Literarisch-kritische Übersicht. für die Literatur entbehrt jener der befruchtenden Kraft. Sie gchr in das Detail mühsam ein, überrascht einmal durch einen kühnen Ausspruch, bald hat man sich wieder erholt und ist fast geneigt, mit Ben-Akiba Zu sprechen: ist AllcS schon da gewesen. Auch ein armer Don Nanndo unternimmt noch hier und da einmal einen romantischen Streifzug gegen die Reform; der Ritter von der traurigen Gestalt stürmt gegen die Rabbiner-Versammlung loö, heute gegen die Vraunschweiger und preist seine Schrift als Clirir auch gegen die Frankfurter, dann auch direkt gegen diese und laßt seine Schrift inö Deutsche übersetzen; und endlich gegen die Brcölauer. Aber seine Luftstreiche erregen nur Mitleiden, man geht achsel- Zuckend an ihm vorbei, man mag mir dem Armen nicht einmal eine Lanze brechen. Wozu sollte es auch? Die Leute sprechen entweder ihre eigne Bornirtheit oder die ihrer Umgebung auö: wozu daS schon so oft Gesagte, daö schon langst Ln Saft und Blut der Zeit übcrgegangen ist, wiederholen? Besser, man laßt sle ihres Wegeö unbeachtet dahin ziehen! Geschichte. Eine Zeit, die eine Periode der Geschichte so entschieden abschließt wie die unsrige, wendet sich natürlich ans die Vergangenheit zurück, um mit unbefangenem Blicke daö hinter ihr Liegende zu betrachten; eine Zeit, die mit der Vergangenheit so entschieden bricht wie die unsrige, sucht sich mit derselben auseinanderzusetzen und den wahren geistigen Zusammenhang doch wieder auszufinden. Dies ist der Grund, warum man gegenwärtig mit so vieler Hingebung sich der Geschichte deö 2udeiilhumS, der jüdischen Literatur zuwendet. Noch keine Zeit hatte in diesem Maße die Veranlassung, Mid eö chtb auch keine frühere Zeit, in welcher geschichtliche Arbü' tcn von Bedeutung im Judentums erstanden waren. Als der Thalmud überall durchgedrungen war und einen Abschluß erzeugte, da fühlte mau freilich auch daö Bedürfuiß eines Rückblicks, und geschichtliche Notizen wurden ausgezeichnet; das Seder Thannaim wa-Amoraim, der Brief Scherira Gaon'ö, der (verlorene) erste Theil der Einleitung in den Thalmud Samuel'ö deö Fürsten, das Vuch der Überlieferung deö Abraham b. David Ha-Levi enthalten diese